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LANDWIRTSCHAFT: Neue App zeigt wie das Steak auf den Teller kommt

Ein junger Mann hat eine App entwickelt, die den Weg eines Fleischstücks nachzeichnet. Diese soll nicht nur Konsumenten aufklären, sondern auch die Ertragschancen der Schweizer Bauern verbessern.
Roger Braun
Nicht nur Konsumenten wollen wissen, woher das Fleisch kommt. (Bild: Gaëtan Bally/Keystone)

Nicht nur Konsumenten wollen wissen, woher das Fleisch kommt. (Bild: Gaëtan Bally/Keystone)

Roger Braun

Wer heute ein Rindsfilet kauft, erfährt kaum etwas über das zugrunde liegende Tier. Auf der Packung ist meist nur das Herkunftsland angegeben. Geht es nach Samuel Bühlmann, soll sich das ändern. Der 32-jährige Fleischvermarkter hat die App Meatstory entwickelt, welche die Lebensgeschichte des Tieres wiedergibt. Gibt der Konsument die auf die Packung gedruckte Nummer in sein Mobiltelefon ein, erscheint etwa diese Meldung auf dem Bildschirm: «Melanzane ist ein Angus und ist am 6. Dezember 2015 zur Welt gekommen. Nach der Geburt bei der Familie Bühlmann-Blaser in Schwanden im Emmental ging die Reise nach Wimmis, Schwanden im Emmental, Sörenberg und Schwanden im Emmental.»

Bühlmann sieht in der erhöhten Transparenz eine grosse Chance für die Schweizer Landwirtschaft. «Wir haben hierzulande eine hochwertige Fleischproduktion, doch der Konsument sieht viel zu wenig davon», sagt er. Der Aufwand für die Datenerhebung ist gering, denn jeder Bauer muss die Angaben in der Tierdatenbank sowieso machen, wenn er Direktzahlungen erhalten will. Was Bühlmann tut, ist, diese Daten konsumentenfreundlich aufzubereiten. Gegenwärtig versucht er herauszufinden, welche zusätzlichen Informationen die Konsumenten wünschen. «Ich persönlich würde zum Beispiel gerne wissen, wann das Tier geschlachtet, abgepackt und in den Verkauf gelangt ist», sagt er. Unter Berücksichtigung von Labels könnten künftig auch Aussagen zur Fütterung der Tiere gemacht werden.

Bund unterstützt Rückverfolgung

Das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) hat kürzlich entschieden, die Weiterentwicklung der App im Rahmen der Innovations-Initiative «AgriQnet» mit 10 000 Franken zu unterstützen. Die Behörden sehen in der Rückverfolgbarkeit eine Chance, die Qualität von Schweizer Produkten ­herauszustreichen. «Je mehr ein Konsument über ein Produkt weiss, desto besser versteht er auch, wieso ein Schweizer Fleischstück teurer ist als ein importiertes», sagt Martin Weber, der beim BLW für den Fachbereich Qualitäts- und Absatzförderung verantwortlich ist.

Der Bauernverband sieht in der zusätzlichen Transparenz ebenfalls Potenzial für die Landwirtschaft. «Die Rückverfolgbarkeit ist extrem wichtig», sagt Präsident und CVP-Nationalrat Markus Ritter. Die Konsumenten wollten wissen, wo das Fleisch herkomme, sagt er. «Glaubwürdigkeit ist gerade beim Fleisch das A und O.» Der Bauernverband unterstütze eine Stärkung der Deklaration, «denn wir haben nichts zu verstecken».

Grossverteiler bremsen wegen Mehrkosten

Wenn die umfangreichere Deklaration weitherum auf Anklang stösst, wieso sind die Grossverteiler nicht schon längst auf den Zug aufgesprungen? Migros und Coop versichern beide, dass die Herkunft und die Rückverfolgbarkeit einen grossen Stellenwert einnähmen. So sei auf der Packung gewisser Poulets bereits heute ersichtlich, von welchem Hof die Tiere stammten. Beim Rind gestalte sich die Sache allerdings schwieriger, weil von ihm verschiedene Fleischstücke stammten, die unterschiedlich verarbeitet würden. «Wenn wir die Tiere getrennt verarbeiten würden, würde dies den Produktionsablauf deutlich verlangsamen», sagt Coop-Sprecher Ramon Gander. Entsprechend höher wären die Kosten.

Bühlmann sagt, vorerst richte sich Meatstory vor allem an Kleinbetriebe mit qualitätsbewussten Kunden. «Langfristig erhoffe ich mir aber ein erhöhtes Informationsbedürfnis bei den Konsumentinnen und Konsumenten, das auch die Grossverteiler nicht mehr ignorieren können», so Bühlmann.

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