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LANDWIRTSCHAFT: Schöne teure Landschaften

Seit zwei Jahren erhalten Bauern Direktzahlungen, um Kulturlandschaften zu pflegen. Die Nachfrage nach den Beiträgen ist gross. Doch viele Bauern sind vom System wenig begeistert.
Lukas Leuzinger
Zur Pflege der Landschaft gehört auch das Anlegen unterschiedlicher Ackerkulturen. (Bild: Keystone/Martin Rütschi)

Zur Pflege der Landschaft gehört auch das Anlegen unterschiedlicher Ackerkulturen. (Bild: Keystone/Martin Rütschi)

Lukas Leuzinger

Sie bewirtschaften steile Hänge, pflanzen Bäume, unterhalten Wege und bauen Mauern entlang ihrer Felder: Die Schweizer Bauern prägen vielerorts das Landschaftsbild. Seit zwei Jahren erhalten sie dafür Geld vom Staat. «Landschaftsqualitätsbeiträge» lautet die sperrige Bezeichnung für eine neue Form von Direktzahlungen, die mit der Agrarpolitik 2014–2017 eingeführt wurde. Mit den Beiträgen sollen Bauern für die Pflege des Kulturlands honoriert und so der «schleichende Verlust an landschaftlicher Vielfalt» in der Schweiz aufgehalten werden, wie der Bundesrat in der Botschaft zur Neuausrichtung der Agrarpolitik 2012 schrieb.

Die Bauern hatten an diesem Vorhaben allerdings wenig Freude. Denn das Geld für die Landschaftsqualitätsbeiträge kommt von anderen Direktzahlungen, die wiederum gekürzt wurden. Auch die SVP stemmte sich im Parlament gegen das neue Instrument, weil dieses die Landwirtschaft als produktive Branche schwäche.

Zwei Drittel machen mit

Aller Bedenken zum Trotz: Bei den Bauern ist das Interesse an den Landschaftsqualitätsbeiträgen enorm. Zwei Drittel der Betriebe beteiligten sich vergangenes Jahr an entsprechenden Vorhaben.

Die Projekte, in deren Rahmen die Beiträge ausgeschüttet werden, sind von den Kantonen organisiert, aber zum grössten Teil durch den Bund finanziert, der in der Regel 90 Prozent der Ausgaben trägt.

Der Betrag, den der Bund dafür auszugeben plante, wurde bereits deutlich überschritten – obwohl er noch nach oben angepasst worden war. Ursprünglich rechnete der Bundesrat für 2015 mit Ausgaben von 20 Millionen Franken für Landschaftsqualitätsbeiträge. Als er 2013 die neue Direktzahlungsverordnung in Kraft setzte, waren es 35 Millionen Franken. Nun flossen 2015 insgesamt über 125 Millionen Franken in den Fonds.

Beiträge müssen gekürzt werden

«Die Beteiligung der Bauern war über Erwarten gut», sagt Andreas Egli. Er ist Leiter des Amts für Landwirtschaft im Kanton Nidwalden und war massgeblich am Landschaftsqualitätsprojekt beteiligt, das die Zentralschweizer Kantone gemeinsam erarbeiteten.

Die grosse Nachfrage hat für die Bauern eine Schattenseite: Denn der Betrag, den der Bund in jedem Kanton ausgibt, ist nach oben begrenzt. Melden die Betriebe «zu viele» Massnahmen an, muss entweder der Kanton mehr bezahlen oder die Beiträge müssen gekürzt werden. In der Zentralschweiz, wo die Beteiligung der Bauern überdurchschnittlich hoch ist, wurde der Plafond des Bundes 2015 in fünf von sechs Kantonen bereits erreicht, wie Andreas Egli sagt. «Entsprechend mussten die Zahlungen für einzelne Massnahmen reduziert werden.»

Hoher Aufwand

Markus Ritter, St. Galler CVP-Nationalrat und Präsident des Bauernverbands, ist zwar ebenfalls überrascht von der hohen Beteiligung der Landwirtschaft. Er gibt zu bedenken, dass jeder Bauer probiere, das Niveau der Direktzahlungen zu halten – da bleibe ihm fast nichts anderes übrig als Landschaftsqualitätsbeiträge.

Richtig zufrieden ist Ritter aber auch heute nicht mit dem neuen Instrument. «Viele Bauern sind frustriert wegen des hohen administrativen Aufwands, den die Beiträge verursachen.» Denn um in den Genuss von Beiträgen zu kommen, müssen sie alles säuberlich dokumentieren. Das gibt einiges zu tun, denn die Liste von Massnahmen, die vergütet werden, ist lang und reicht vom Anbau unterschiedlicher Ackerkulturen über die Pflege von Wegen oder die «geordnete Lagerung von Siloballen» bis zur Instandhaltung von Wegkreuzen oder Bildstöckli (die allerdings mindestens 50 Jahre alt sein müssen). Ritter sagt, er habe zusammen mit seinem Sohn allein für die Erfassung der Bäume auf seinem Betrieb über sechs Stunden aufgewendet.

Sichtbare Ergebnisse

Arbeit geben die Landschaftsqualitätsbeiträge auch bei den kantonalen Landwirtschaftsämtern. «Es war relativ aufwendig, das Projekt aufzubauen und zu starten», sagt Andreas Egli. «Nun, da es läuft, hat sich der Aufwand aber stabilisiert.» Aus seiner Sicht lohnt sich der Effort, auch wegen der Sichtbarkeit der Ergebnisse: «Mit den Landschaftsqualitätsbeiträgen werden Massnahmen abgegolten, die die Landschaft prägen und optisch gut wahrgenommen werden.»

Bild: Grafik Neue LZ

Bild: Grafik Neue LZ

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