Kommentar

Lasst mir meinen Garten! Warum man Steingärten stehen lassen sollte

Immer mehr Gemeinden wollen Steingärten verbieten. Das passt in die Regulierungbemühungen. Doch darf man Bürgern vorschreiben, wie sie den Garten zu gestalten haben?

Lucien Fluri
Drucken
Teilen

Über Geschmack muss man in diesem Fall nicht streiten: Reine Schottergärten sind kaum je ein schöner Anblick. Dennoch gibt es sie: Hausbesitzer, die es fertig bringen, dass ihr Garten grau statt grün aussieht. Zum ästhetischen kommt in solchen Fällen noch der ökologische Graus: Die Gärten werden heiss, sie sind ein Fluch für die Artenvielfalt.

Trotzdem erstaunt es, dass Gemeinden jetzt mit dem Verbieten von Schottergärten beginnen. Einerseits ist das Einfamilienhaus der Rückzugsort des Schweizers par excellence. Was auf meiner Parzelle passiert, ist in der Regel Privatsache. Andererseits ist man sich heute viel bewusster als vor ein paar Jahren, welche Folgen diese Art der Gartengestaltung hat. Ist es dann tatsächlich gerechtfertigt, dass der Staat jetzt noch vorschreibt, wie die Bürger ihre Gärten zu gestalten haben? Er bezahlt ja schliesslich auch nicht den Gärtner, wenn das 75-jährige Ehepaar nicht mehr jäten kann und stattdessen lieber ein Steinfeld vors Haus stellt.

Dass reguliert wird, liegt ganz im Umwelttrend. Lange wurden Umweltthemen von der Politik stiefmütterlich behandelt. Seit den letzten Wahlen ist die grüne Welle auf einem Höhepunkt. Was verpasst wurde, wird jetzt unter – tatsächlichem oder heraufbeschworenem - Zeitdruck bis ins Detail nachgeholt. Es wäre blauäugig zu glauben, dass man das Regulieren so einfach aufhalten kann. Das ist Zeitgeist. Dabei gäbe es auch eine mildere Variante: mit Vernunft überzeugen.

Mehr zum Thema