Kommentar

Lasst sie schlafen!

Jugendliche leiden unter dem frühen Schulbeginn. Der Unterricht am Gymnasien könnte nun nach hinten geschoben werden.

Yannick Nock
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Es ist so etwas wie der Heilige Gral der Bildung: Was macht alle Schüler losgelöst von ihrer sozialen Herkunft, Alter oder Geschlecht besser? Und das Ganze, ohne nur einen Rappen zu kosten? Ein kalifornischer Senator glaubt, den Gral gefunden zu haben: Es ist der spätere Schulstart. Im US-Bundesstaat wird der Unterricht für Jugendliche künftig um 8 Uhr beginnen, vielerorts sogar erst um 8:30 Uhr.

Damit wird den zahlreichen Studien Rechnung getragen, die zum Schluss kommen, dass junge Menschen mehr Schlaf benötigen. Das würde ihre Gesundheit fördern und ihre Leistungen verbessern. Jugendliche einfach früher ins Bett zu schicken, bringt nichts. Die innere Uhr lässt Pubertierende oft erst spät einschlafen. Es wäre deshalb ein Fehler, die Forschungsergebnisse aus Angst vor der verschrienen Kuschelpädagogik, zu ignorieren.

Müde im Unterricht: Jugendliche leiden am morgen. (Bild: Keystone)

Müde im Unterricht: Jugendliche leiden am morgen. (Bild: Keystone)

Die Matura wird zurzeit reformiert. Zu viel Stoff muss in zu geringer Zeit gelehrt werden, beklagen Gymnasiallehrer. Sie wollen die Inhalte reduzieren. Gelingt das, könnte auch der Unterricht später starten, ohne dass der Schultag bis in den Abend reicht. Es ist die Gelegenheit, den Unterrichtsbeginn zu überdenken. Schöner Nebeneffekt: Der öffentliche Verkehr würde entlastet. Klingt nach einer Win-win-Situation. Warum also nicht grossflächige Versuche in mehreren Kantonen starten, um zu sehen, wie stark der Effekt im Alltag wäre?

Der Heilige Gral der Bildung ist der spätere Schulbeginn nicht – aber einen Versuch wert allemal.