Interview

LDP-Nationalrat Eymann: «Der politische Ton ist deutlich rauer geworden»

Der Basler LDP-Politiker Christoph Eymann kennt Bundesbern seit drei Jahrzehnten. Er erzählt, wie sich das politische Klima verändert hat – und was er von der Entgleisung des SVP-Nationalrats Andreas Glarner hält.

Maja Briner
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Christoph Eymann: «Manche schalten ihr Natel ein, bevor sie das Hirn einschalten.»

Christoph Eymann: «Manche schalten ihr Natel ein, bevor sie das Hirn einschalten.»

Kenneth Nars / BLZ

Die Ausfälligkeiten und Fluchereien verschiedener Politiker gaben diese Woche in Bundesbern zu reden. Sind das Einzelfälle – oder hat sich das politische Klima geändert? Wir haben nachgefragt bei Christoph Eymann, 1991 erstmals in den Nationalrat gewählt worden ist.

Ist der politische Ton rauer geworden?

Christoph Eymann: Ja, er ist deutlich rauer geworden. Ich habe die Veränderung gemerkt, als ich 2015 in den Nationalrat zurückkam. Ein Beispiel: Als Helmut Hubacher in den 1980er Jahren sagte, die SP werde «schampar unbequem» sein, sorgte das bei Bürgerlichen für Irritationen. Das war das Härteste, was man damals hörte. Heute ist das im Vergleich harmlos.

Wo sehen Sie die Gründe für diese Entwicklung?

Ohne jemandem die Schuld zuschieben zu wollen: Von den Parteien her hat die SVP mit ihren Plakaten und der entsprechenden Diktion einen raueren Ton angeschlagen. Hinzu kommen die sogenannten sozialen Medien, wo sich alle in Szene setzen wollen – was wiederum schroffe Reaktionen provoziert. Manche schalten ihr Natel ein, bevor sie das Hirn einschalten.

Zur Person

Christoph Eymann schaffte 1991 erstmals den Sprung nach Bundesbern. Nach seiner Wahl zum Basler Regierungsrat 2001 trat er aus dem Nationalrat zurück. 2015 wurde er ein zweites Mal nach Bern gewählt. Eymann gehört der Liberal-Demokratischen Partei (LDP) an. National bekannt war er unter anderem als Präsident der Erziehungsdirektorenkonferenz.

Spielt US-Präsident Trump eine Rolle?

Schon früher haben wir beobachtet, dass in Deutschland der Ton im Bundestag viel härter war. Die Rhetorik beeindruckte viele, gleichzeitig wurde in Deutschland aber auch mehr auf den Mann oder die Frau gespielt. Trump hat mit seiner Respektlosigkeit und seiner Twitterei wohl auch einen Einfluss auf die Entwicklung.

Wer müsste im Parlament Politiker, die ausfällig werden, zurechtweisen?

Die Fraktionschefs. Aber eigentlich sollte jeder einzelne Anstand und Respekt selbst mitbringen. Eine Zurechtweisung sollte gar nicht nötig sein, das ist peinlich. Wir sind alle gewählt, haben alle einen Teil der Bevölkerung hinter uns, daher sollten wir uns mit Respekt begegnen. Und: Allein wegen der Entgleisung Glarners bin ich sehr oft angesprochen worden. Die Leute fragen: Ist das Courant normal? Solche Fälle werfen ein schlechtes Licht auf die Politik.

Wie sieht es fernab der Öffentlichkeit aus, in den Kommissionssitzungen?

Da ist es zum Glück anders: In den Kommissionen begegnet man sich nach wie vor mit Anstand und Respekt. Dort arbeitet man auch nicht für die Galerie.

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