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Der Versicherte kauft die Katze im Sack: Die leeren Versprechen der Versicherer

Das lukrative Geschäft mit den Zusatzversicherungen funktioniert für die Anbieter nicht mehr. Werden nun Kunden geprellt?
Anna Wanner

Mehrere hundert Franken zahlen Versicherte jeden Monat, damit sie bei einem Unfall oder einer Operation den Arzt und das Spital frei wählen können. Krankenkassen verkaufen ihre Spital-Zusatzversicherungen mit diesem Versprechen. Nur gibt es Anbieter, die zwar eine freie Wahl anpreisen, gleichzeitig aber eine Liste von Spitälern und Ärzten führen, die für Patienten gesperrt sind. Die Krankenkasse zahlt Operation und Aufenthalt trotz Zusatzversicherung nicht.

Will der Versicherte am gewünschten Spital festhalten, muss er den Aufpreis der Behandlung selber bezahlen.

Die Krankenkassen deklarieren solche Einschränkungen auf «Negativ- oder schwarzen Listen». So führt Concordia etwa eine Liste von Spitälern «ohne volle Kostendeckung in den Spitalversicherungen». Und Helsana weist trotz «freier Spitalwahl» auf Vorbehalte hin: «Beachten Sie bitte, dass bei den von Helsana nicht anerkannten Spitälern Kosten anfallen, die Sie selbst übernehmen müssen.» Was nicht steht: Die Liste kann fortlaufend angepasst werden. Der Versicherte kauft die Katze im Sack, weil er nicht sicher sein kann, ob zum gegebenen Moment eine ärztliche Behandlung im gewünschten Spital vergütet wird.

Druckmittel für tiefere Prämien

Die Versicherer machen keinen Hehl aus diesen Listen. Helsana-Sprecher Stefan Heini sagt: «Indem wir eine Negativliste führen, erhalten wir einen grösseren Handlungsspielraum, um uns in den Verhandlungen mit den Kliniken für faire Preise einzusetzen.» Ähnlich argumentiert Concordia: «Es gibt Spitäler, die mit ihren Tarifforderungen die Grenzen der Vernunft massiv überschreiten», so Sprecherin Astrid Brändlin. «Würde die Concordia solchen Forderungen nachgeben, würden die Prämien ins Unermessliche steigen.»

Beide betonen, es gehe nicht darum, Leistungen gegenüber den Versicherten einzuschränken, sondern mit den Spitälern überhaupt verhandeln zu können. Davon profitierten in erster Linie die Prämienzahler. Die betroffenen Spitäler sehen das freilich anders. Zwar funktionieren solche Negativlisten schon länger als Druckmittel. Zuletzt hat sich das Unispital Basel nach einem längeren Streit mit der Helsana auf einen tieferen Tarif einigen können.

Beat Huber, CEO Klinik Pyramide am See Zürich. (Bild: pd)

Beat Huber, CEO Klinik Pyramide am See Zürich. (Bild: pd)

Allerdings treffen die Listen nicht mehr nur Spitäler mit mangelnder Qualität oder hohen Kosten, wie Beat Huber, CEO von der Klinik Pyramide am See in Zürich, sagt. «Neuerdings richten sich die schwarzen Listen direkt gegen Vertragsspitäler.» Dazu muss man wissen: Im Unterschied zu den Listenspitälern, die von den Kantonen mit Leistungen beauftragt werden, sind Vertragsspitäler frei in ihrem Angebot. Knapp ein Dutzend Spitäler in der Schweiz haben sich im Zuge der neuen Spitalfinanzierung 2009 bewusst für diesen Weg entschieden. Die Freiheit bedeutet aber, dass sie auf den Sockelbeitrag des Kantons verzichten, der 55 Prozent an jede Behandlung eines Listenspitals zahlt. Bei einem mittelschweren Eingriff sind das schnell mehrere tausend Franken.

Einigung nicht ausgeschlossen

Auf den Beitrag muss das Vertragsspital nicht verzichten. Anstatt des Kantons finanziert die Krankenkasse den Sockelbeitrag – zumindest bisher. Denn just wegen dieses Aufpreises heben nun Krankenversicherer wie Helsana die Vertragsspitäler auf die Negativliste oder bieten Versicherungsmodelle an, welche einzelne Spitäler direkt ausschliessen. Für die Vertragsspitäler wäre es fatal, wenn die Preise um die Höhe des ganzen Sockelbeitrags reduziert würden. An den Preisen lasse sich nicht so stark schrauben, sagt Beat Huber. «Wir sind effizient organisiert und nicht teurer als Listenspitäler.» Da der Sockelbeitrag den massgeblichen Teil der gesamten Fallkosten ausmache, könnten auch Vertragsspitäler nicht darauf verzichten. «Wenn die Versicherer ihren Beitrag nicht mehr zahlen, müssen wir uns neu ausrichten.»

Für die Versicherten ist der Streit lästig, weil sie nicht sicher sein können, dass das Versicherungsversprechen im Ernstfall eingelöst wird. Die Krankenkassen beschwichtigen: Es bestehe kein Interesse, die Versicherten unnötig zu verärgern. Helsana-Sprecher Heini sagt: «Wir sind daran interessiert, neue zu gewinnen.» Helsana wolle deshalb über die Zusatzversicherung möglichst viele Spitäler abdecken. Damit das möglich ist, müssten sich aber die Spitäler bei den Tarifen bewegen. Auch die Vertragsspitäler werden sich verstärkt darum bemühen, mit allen Versicherern eine Lösung zu finden, um keine Privatpatienten abweisen zu müssen. «Mein Ziel ist es, bis im April wieder auf die reguläre Liste zurückzukommen», sagt Huber.

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