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Lega verliert im Tessin vier Parlamentssitze – FDP büsst einen Sitz ein

Im Tessin verliert die einstige Protestbewegung deutlich. Die FDP bleibt stärkste Fraktion im Parlament. Eine grüne Welle bleibt aus, aber die äussere Linke und Frauenliste legen zu.
Gerhard Lob, Bellinzona
Am Sonntag wählten die Tessiner auch das Parlament neu. (Bild: Keystone)

Am Sonntag wählten die Tessiner auch das Parlament neu. (Bild: Keystone)

Die erfolgsverwöhnte Lega dei Ticinesi konnte ihre beiden Staatsräte zwar bestätigen, musste bei den Wahlen für den Grossen Rat aber eine deutliche Niederlage einstecken. Sogar in der Lega-Hochburg Lugano kam es zu einem regelrechten Einbruch. Die Lega verlor 4 Sitze und wird künftig mit nur 18 Grossräten vertreten sein. Ihr Wähleranteil rutschte auf unter 20 Prozent. Sie verpasste ihr Ziel deutlich, stärkste Fraktion zu werden.

Die FDP stellt trotz eines Sitzverlustes wie bis anhin mit einem Wähleranteil von 25,3 Prozent die meisten Grossräte in Bellinzona (23).

SVP für einmal unter den Gewinnern

Die SVP als Schwesterpartei der Lega konnte hingegen zwei zusätzliche Mandate erobern. Dieses Ergebnis zeigt, dass die Lega ihre beiden Staatsratssitze nur dank der Listenverbindung mit der SVP halten konnte. Die Verschiebung von Wähleranteilen zwischen Lega und SVP könnte darauf hinweisen, dass einige Leghisten mittlerweile lieber eine Partei wählen, die national verankert ist. Im Grossen Rat fehlen zudem Lega-Lokomotiven, wie es Norman Gobbi und Claudio Zali im Staatsrat sind. Und das Thema der Grenzgänger, das die Lega bis anhin bewirtschaftete, spielte im lauen Wahlkampf eine eher untergeordnete Rolle. Das Ergebnis könnte aber auch ein Zeichen sein, dass die Lega-Wählerschaft die immer stärkere institutionelle Funktion der einstigen Bewegung missbilligt.

Die Tessiner SP konnte im Staatsrat dank Unterstützung aus anderen Parteien leicht zulegen und ihren einzigen Sitz halten. Im Parlament blieb ihre Stärke unverändert bei 13 Mandaten. Die CVP hingegen verlor ein Mandat, nachdem sie bei den Wahlen für den Staatsrat etwas zugelegt hatte. Das Endergebnis ergab folgende Sitzverteilung für das 90-köpfige Parlament:

Tessin: Sitzverteilung im Grossen Rat

90 Sitze
FDP
23
Sitze
–1
Lega dei Ticinesi
18
Sitze
–4
CVP
16
Sitze
–1
SP
13
Sitze
SVP
7
Sitze
+2
Grüne
6
Sitze
Più donne
2
Sitze
+2
MpS
3
Sitze
+2
KP
2
Sitze
+1
Montagna Viva
0
Sitze
–1

GLP schafft Sprung ins Parlament nicht

Zwei Mandate hat folglich die vollkommen neue Frauenliste «Più donne» gewonnen, in der einige ehemalige Politikerinnen der Grünen kandidierten. Die angriffige Bewegung für Sozialismus (MpS), die mit ihrem Grossrat Matteo Pronzini radikale Oppositionspolitik betreibt, konnte auf drei Mandate erhöhen (+2). Und auch die Kommunistische Partei errang zwei Mandate. Die äussere Linke geht aus diesen Wahlen somit auf niedrigem Niveau gestärkt hervor. Ein Teil der Tessiner zeigte, dass sie mehr Opposition von links wollen.

Die Grünen blieben konstant bei sechs Sitzen. Es mag überraschen, dass sich im Tessin keine grüne Welle ausgebreitet hat, so wie bei den Kantonalwahlen in Zürich, Luzern oder Baselland. Denn auch im Südkanton gab es «Klimastreiks» und Schülerdemos. Doch in der Parteienlandschaft sind die Grünen traditionell schwach vertreten und zerstritten, besonders seit ihr Zugpferd Sergio Savoia die Partei verlassen hat. Die Grünliberalen sind ihrerseits so jung, dass ihre Vertreter gar nicht bekannt sind. Die Grünliberalen erreichten denn auch nicht einmal ein Prozent und schafften den Sprung ins Parlament nicht. Dazu kommt, dass grüne Anliegen im Tessin traditionell nicht eine so grosse Bedeutung spielen wie in der deutschen Schweiz, was sich beispielsweise in der hohen Autodichte und der eher geringen Nutzung des öffentliche Verkehrs spiegelt.

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