Löcher im Sparstrumpf

Kommentar

Maurizio Minetti
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Redaktor Maurizio Minetti. (Bild: Dominik Wunderli)

Redaktor Maurizio Minetti. (Bild: Dominik Wunderli)

Berichte über den Tod des Bargeldes sind stark übertrieben.Obwohl manche davon ausgehen, dass wir bald nur noch mit dem Smartphone bezahlen, erfreut sich der klassische Geldschein nach wie vor grosser Beliebtheit. Gerade in Zeiten von Negativzinsen horten viele Sparer ihr Geld in einem Tresor, wo es wenigstens nicht an Wert verliert.

Und dennoch geht es dem Bargeld in der Schweiz regelmässig an den Kragen. Allerdings ist nicht die technologische Entwicklung dafür verantwortlich, sondern ein Gesetz. Es besagt, dass veraltete Banknotenserien ab dem Datum ihres Rückrufs nur 20 Jahre lang umgetauscht werden können. Oder anders gesagt: Die im Jahr 2000 zurückgerufene Serie mit der «Ameise» als Tausender­note ist in drei Jahren nur noch Altpapier – obwohl von dieser Serie noch Geld in der Höhe von über einer Milliarde Franken im Umlauf ist.

Leidtragende dieser Praxis sind all jene, die in den vergangenen Jahrzehnten ihre hart verdienten Franken irgendwo aufbewahrt haben. In vielen Fällen sind das Gastarbeiter aus dem Süden. Nutzniesser der bestehenden Praxis wiederum ist ein Fonds, der im Abstand von 20 Jahren jenen Betrag überwiesen bekommt, der nicht retourniert wurde. Aus diesem Fonds werden Schäden bezahlt wie jene des Sturms Lothar. Das entlastet letztlich die klammen Kantone. In Bundesbern scheint man mit dieser historisch bedingten Verquickung nicht mehr ganz zufrieden zu sein. Der Bundesrat hat erkannt, dass es einen Weg aus diesem Dilemma braucht. Es gilt, die richtige Balance zu finden, sodass Ersparnisse sich nicht in Luft auflösen. Und die Kantone nicht zu stark zur Kasse gebeten werden.

Maurizio Minetti

maurizio.minetti@luzernerzeitung.ch