Lösung im Briefkastenstreit

Eva Novak
Drucken
Teilen

Briefkästen Eine kleine Vorschrift sorgt für grossen Ärger. Der erste Absatz von Artikel 74 der Postverordnung von 2012 schreibt imperativ vor: «Der Briefkasten ist an der Grundstücksgrenze beim allgemein benutzten Zugang zum Haus aufzustellen». Zusätzlich für Zoff sorgt Absatz 2: «Sind verschiedene Standorte möglich, so ist derjenige zu wählen, der am nächsten zur Strasse liegt.»

Die weitaus meisten Besitzer der über 4 Millionen Briefkästen im Land halten sich längst an die Regel. Aber nicht alle. Diese werden jeweils von der Post ausfindig gemacht, wenn sie ihre Zustelltouren «optimiert», was sie in jüngster Zeit immer mehr tut, um die Wege der Briefträger zu verkürzen. Die betroffenen Hausbesitzer werden daraufhin aufgefordert, ihren Briefkasten um ein paar Meter zu versetzen, was die meisten auch mehr oder weniger ungern tun.

Wer sich weigert, muss die Post selber abholen

Allerdings nicht alle. Wer sich trotz wiederholter Mahnung weigert, riskiert, seine Briefe und Pakete bei der nächsten Poststelle selber abholen müssen. Die Betroffenen können auch an die Aufsichtsbehörde Postcom gelangen, die sich zunehmend mit dem Briefkastenstandort herumschlagen muss. Wie viele Briefkästen noch zu versetzen sind und wie viele renitente Kunden ohne Hauszustellung auskommen müssen, ist unbekannt. Die Post führt dazu keine Statistik. In den meisten Fällen finde man eine Lösung, versichert Postsprecher Oliver Flüeler, räumt aber ein: «Es gibt leider immer ein paar unschöne Ausnahmen.» Diese haben bereits zwei parlamentarische Vorstösse der SVP-Nationalräte Franz Ruppen (Wallis) und Lukas Reimann (St. Gallen) auf ihr Konto verbuchen können. Doch nun präsentiert die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete einen Lösungsvorschlag im Briefkastenstreit. In einem Positionspapier zur Grundversorgung fordert sie die Post auf, fortan den gesunden Menschenverstand walten zu lassen. Artikel 74 sei nur noch für Neubauten anzuwenden; bestehende Briefkästen sollen unverändert bleiben.

 

Eva Novak