LUFTFAHRT: Breitling will die Patrouille Suisse retten

Die Nachricht vom absehbaren Ende der Patrouille Suisse ruft nun private Sponsoren auf den Plan. Experten warnen.

Léa Wertheimer
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Die Patrouille Suisse über dem Vierwaldstättersee: rechts unten Kastanienbaum, in der Mitte die Nase des Bürgenstocks und links Hertenstein. (Bild: Schweizer Luftwaffe)

Die Patrouille Suisse über dem Vierwaldstättersee: rechts unten Kastanienbaum, in der Mitte die Nase des Bürgenstocks und links Hertenstein. (Bild: Schweizer Luftwaffe)

Die Nachricht erschütterte die Aviatikszene. Ueli Maurer will nach 2016 keine Kunstflugstaffel mit rot-weiss bemalten Kampfflugzeugen mehr betreiben – das Ende der populären Patrouille Suisse. Nun ist ein Retter in Sicht. Thédy Schneider, Besitzer von Uhrenhersteller Breitling, will in die Bresche springen. Er besitzt bereits seit acht Jahren eine eigene Kunstflugstaffel von sieben Jets und bietet diese nun Ueli Maurer an – gratis wohlgemerkt.

Patriotische Gefühle

«Die Nachricht vom Ende der Patrouille Suisse hat patriotische Gefühle im Unternehmer geweckt», heisst es in einer Mitteilung der Firma mit Sitz in Grenchen. Es gehe nicht an, dass eine 50-jährige Tradition aus finanziellen Gründen weggefegt werde, so Schneider, der selbst Pilot ist. Deswegen verspricht er, das Fortbestehen der Patrouille Suisse nach den Bedingungen des Bundes zu sichern. Heute ziehen die Breitling-Jets in blau-gelbem Anstrich ihre Kreise am Himmel. «Wenn gewünscht, würden wir die Flugzeuge in den Schweizer Landesfarben umspritzen», schreibt Schneider. Und damit das Team auch echt eidgenössisch bleibt, dürften gar Piloten der Luftwaffe in den Cockpits Platz nehmen. Ein verlockendes Angebot für Bundesrat Ueli Maurer, der mit seinen Äusserungen über die Folklore-Staffel einen Sturm der Entrüstung losgetreten hat.

Gut gemeint, aber nicht valabel

Doch was taugt diese Offerte, welche der Uhrenmarke wohl auch Werbung einbringen dürfte? «Es ist eine noble Geste von Breitling», sagt Aviatikexperte Eugen Bürgler vom Fachmagazin «skynews.ch». Es würde aber den Geist der heutigen Patrouille Suisse markant verändern, schiebt er nach. Die Kunstflugstaffel wird landläufig als Visitenkarte der Luftwaffe bezeichnet. Denn die Piloten zeigen ein Kampfflugzeug, welches aktiv im Einsatz ist.

Deswegen zeigt sich auch Nationalrat Thomas Hurter skeptisch. «Ich finde es gut, dass nun die Diskussion über Alternativen lanciert ist», sagt der ehemalige Kampfpilot. Aber das Angebot sei nicht valabel. Die Patrouille Suisse solle ein Spiegel der Luftwaffe bleiben und deren Leistung der Öffentlichkeit zeigen. «Die Patrouille Suisse ist ein Teil der Armee und sollte nicht «nur» zur Showtruppe mutieren», so Hurter.

Durchaus prüfenswert

Anders sieht dies der Zürcher SVP-Nationalrat Hans Fehr, auch er ein ehemaliger Offizier der Luftwaffe. «Auf den ersten Blick scheint das ein gutes Angebot zu sein», findet er. Man müsse allerdings prüfen, wer für die Wartung der Flugzeuge aufkommt und ob sie auch eine vergleichbar spektakuläre Darbietung ermöglichen.

Das Breitling-Team fliegt mit sieben Maschinen des Typs Albatros L-39. Es sind zwar Jets, aber im Gegensatz zum Tiger Schulungsflugzeuge. «Das Breitling-Team ist durchaus vergleichbar mit der Patrouille Suisse, ebenso spektakulär», so das Zeugnis von Aviatikexperte Bürgler. Die Maschinen hätten zwar weniger Leistung, aber die Piloten seien renommiert.

Französische Ex-Militärpiloten

Ein Blick auf die Homepage des Teams bestätigt: In den Flugzeugen sitzen ehemalige französische Militärpiloten. Allesamt erprobt, die meisten waren gar Mitglied der Patrouille de France, dem Pendant der Schweizer Staffel. Gemäss Werbeprospekt beschäftigt Breitling ein Dutzend Personen für das Team. Bleibt abzuwarten, ob das Angebot von Breitling-Chef Thédy Schneider für den Bund tatsächlich kostenlos ist, oder ob es sich um eine werbewirksame Aktion handelt.