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LUFTFAHRT: Ruag-Flieger in Japan gegroundet

Die Turboprop-Maschine Dornier 228 ist das einzige Flugzeug, das der staatliche Rüstungskonzern selber herstellt. Doch es entwickelt sich immer mehr zum Sorgenkind. Neuestes Problem sind Produktionsmängel am Flügel.
Eva Novak
Das Modell der Dornier 228 an der International Airshow in Farnborough (oben). Unten der Warnhinweis der Ruag. (Bild: Simon/Dawson/Getty)

Das Modell der Dornier 228 an der International Airshow in Farnborough (oben). Unten der Warnhinweis der Ruag. (Bild: Simon/Dawson/Getty)

Eva Novak

Die Dornier oder Do 228 ist ein fliegendes Arbeitstier: nicht bequem, aber robust, vielseitig und anspruchslos. Die Propellermaschine kann auch bei starkem Seitenwind auf kurzen Gras- oder Sandpisten starten und landen. Ein tolles Flugzeug, das Fachleute als das beste in seiner Kategorie loben – und welches als einziges vom staatlichen Schweizer Rüstungskonzern Ruag hergestellt wird. Doch für diesen entwickelt sich der vermeintliche Hoffnungsträger zunehmend zum Sorgenkind.

Vor der Inbetriebnahme gestoppt

Die neuste Hiobsbotschaft kommt aus Japan, wohin Ruag Aerospace im Dezember 2016 eine neue Dornier 228 geliefert hat. Anfang April wollte die dortige Fluggesellschaft New Central Airservice (NCA) die Maschine in Betrieb nehmen, um Passagiere zwischen ihrem Tokioter Heimatflughafen Chofu und den südlich der Stadt liegenden Inseln zu befördern. Doch daraus wird vorläufig nichts, nachdem Produktionsmängel am Flügel aufgetaucht sind. In einem «All Operators Telefax» – einer Warnung an alle Betreiber dieses Flugzeugtyps, welche unserer Zeitung vorliegt – riet Ruag Aerospace Ende März dringend von der Inbetriebnahme der betroffenen Maschine ab (siehe Ausriss).

In dem Schreiben ist von falsch installierten Verschlüssen die Rede. Bei der Inspektion seien Löcher jenseits der Tole­ranzgrenze aufgetaucht. Ohne Gegenmassnahmen könnte dies möglicherweise zu einem Verlust des Flugzeugs führen. Laut Schätzungen aus Japan wird die Reparatur am Flügel voraussichtlich bis Ende Jahr dauern. Ob das Flugzeug dazu wieder ins Ruag-Werk im bayrischen Oberpfaffenhofen bei München überstellt werden muss, ist noch offen.

Gemäss Recherchen sind die Mängel zufällig zum Vorschein gekommen. Wie es dazu kommen konnte und warum sie nicht vor der Auslieferung entdeckt wurden, war bei der Ruag nicht in Erfahrung zu bringen. Konzernsprecher Jiri Paukert bestätigt nur, «dass bei einer nach Japan ausgelieferten Do 228 Mängel festgestellt wurden».

Ruag stehe mit dem Kunden in engem Kontakt. Von den Mängeln ist nach den Worten von Paukert «kein anderes Flugzeug betroffen», also keines der insgesamt neun neuen Do 228, welche die Ruag bisher ausgeliefert hat – an die deutsche Marine und Kunden in Japan, Norwegen, Bangladesch, den Kanalinseln sowie in Venezuela.

Kundeninteresse hält sich vorläufig in Grenzen

Es handelt sich dabei um ein Nachfolgemodell des traditionsreichen deutschen Flugzeugmodells gleichen Namens, das die Ruag mit einem völlig neuen Glascockpit sowie zahlreichen Verbesserungen im Innern aufpoliert hat. Das Interesse der Kunden hält sich allerdings bisher in Grenzen: Im Moment belaufe sich die Serienproduktion auf vier Flugzeuge pro Jahr, erklärt Paukert. «Damit können wir leben», sagt der Ruag-Sprecher, verhehlt aber nicht, dass eine Steigerung willkommen wäre.

Bisher ist eine solche allerdings nicht in Sicht. Laut Paukert gibt es drei feste Bestellungen. Dazu kommen weitere sieben Flugzeuge, zu deren Bestellung sich Venezuela vertraglich verpflichtet hat. Doch ob dieses Geschäft zu Stande kommt, steht in den Sternen. Denn um den Vertrag, der insgesamt die Lieferung von zehn Maschinen umfasst, ist ein Streit entbrannt. Unbestritten ist, dass Ruag bisher zwei umgebaute alte Do 228 sowie ein Flugzeug der neuen Generation geliefert hat. Venezuela hat dafür eine Vorschusszahlung in der Höhe von 50 Prozent des gesamten Vertragsvolumens geleistet, umgerechnet also rund 52 Millionen Franken.

Für mehr als die Hälfte dieser Anzahlung habe sein Land keinen Gegenwert erhalten, beklagt der venezolanische Transportminister Giuseppe Angelo Yoffreda Yorio in einem Brief an die Ruag, über den die «NZZ am Sonntag» vor drei Wochen berichtet hat und der unserer Zeitung ebenfalls vorliegt. «Ruag hält sich strikt an die vertraglichen Ab­machungen», sagt hingegen Paukert.

Die Kritik des venezolanischen Ministers, dass zwei der gelieferten Flugzeuge aufgrund fehlender Ersatzteile nicht betriebsbereit seien, will die Ruag nicht kommentieren. «Mit Venezuela steht die Ruag in Verhandlung für die weitere Umsetzung des Vertrags», sagt Paukert nur. Und beruft sich ansonsten aufs Geschäftsgeheimnis.

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