LUFTVERTEIDIGUNG: Parmelins Luftwaffen-Experte fordert 50 neue Kampfjets

Verteidigungsminister Guy Parmelin hütet sich, eine Zahl zu nennen. Sein Luftwaffen-Berater prescht nun vor: Es brauche rund 50 neue Kampfflugzeuge, sagt Ex-Cheftestpilot Res Schmid.
Eva Novak
Eine F/A-18-Militärmaschine im Hangar auf dem Flugplatz Emmen. (Bild: Pius Amrein (Emmen, 5. August 2014))

Eine F/A-18-Militärmaschine im Hangar auf dem Flugplatz Emmen. (Bild: Pius Amrein (Emmen, 5. August 2014))

Eva Novak

Um die Schweiz vor Gefahren aus der Luft schützen zu können, brauche es 20 bis 70 neue Kampfflugzeuge, befand vor Jahresfrist eine von Bundesrat Guy Parmelin eingesetzte Expertengruppe . Nötig seien 70 Kampfjets, liess sogleich die Schweizerische Offiziersgesellschaft SOG verlauten, während der Gruppe für eine Schweiz ohne Armee GSoA umgekehrt 8 bis 12 alte Kampfjets genügten. Die Mehrheit der Po­litiker und Fachleute, welche die Arbeiten der Experten begleiteten, plädierten für 30 neue Kampfflugzeuge. Nur der Verteidigungsminister selber weigerte sich standhaft, eine Zahl zu nennen, und tut das bis heute.

Jetzt lässt sein Experte für Fragen der Luftwaffe die Katze aus dem Sack: «Um in der Luft eine genügende Durchhaltefähigkeit sicherzustellen, brauchen wir rund 50 moderne Kampf­flugzeuge», schreibt Res Schmid in der Mai-Ausgabe der Zeitschrift «Schweizer Soldat». Der Nidwaldner SVP-Regierungsrat war früher Cheftestpilot von Armasuisse, der Rüstungsbeschaffungsbehörde des Bundes. Heute berät er Parmelin in einem Teilzeitpensum als Experte in Fragen der Luftwaffe, Luftfahrt und Sicherheitspolitik.

Ein bis zwei Monate lang permanent in der Luft

50 Mehrzweck-Kampfflugzeuge ermöglichten «die nötige Bewegungsfreiheit in der Luft sowie den Einsatz von Bodentruppen im gesamtheitlichen Verbund über einen Zeitraum von Wochen bis Monaten», begründet er seine Forderung.

Doch wie lange genau soll die Luftwaffe «durchhalten», das heisst die Kampfflugzeuge permanent in der Luft halten können? Auf Nachfrage unserer Zeitung erklärt Res Schmid, persönlich habe er immer die Ansicht vertreten, dass eine Durchhaltefähigkeit von einem bis zwei Monaten zwingend sei: «Nur so bleibt der Armee am Boden, unter dem Schutz der Luftwaffe, ein genügend grosser Zeitraum, um zu mobilisieren und den Sicherungs- oder Verteidigungsauftrag sicherzustellen.» Festlegen müsse dies jedoch die Armeeführung.

Der Bundesrat habe immer von einer Durchhaltefähigkeit von einem Monat gesprochen, hält dem Thomas Hurter entgegen, Schaffhauser SVP-Nationalrat und ebenfalls ehemaliger Kampfjetpilot. «Dazu wird es 30 bis 40 Flugzeuge brauchen.» Parmelins Expertengruppe hatte der Variante mit 30 Kampfjets eine «beschränkte» Durchhaltefähigkeit von einigen wenigen Wochen attestiert, derjenigen mit 40 Flugzeugen eine «mittlere» Durchhaltefähigkeit, um den Schweizer Luftraum auch bei länger dauernden Spannungen für ausländische Militärflugzeuge sperren zu können – etwa wie es während des Balkan-Konflikts der Fall gewesen war.

Diese Diskussion möchte Parmelin noch nicht führen. In seinem Planungsbeschluss, den er dem Parlament und am Ende wohl auch dem Volk vorlegt, lässt er die Anzahl der Kampfflugzeuge und bodengestützten Mittel für die Luftverteidigung (Bodluv) bewusst offen. Dass sein Luftwaffen-Experte nun eine konkrete Zahl nennt, sorgt unter Sicherheitspolitikern denn auch für Erstaunen. Als «delikat» bezeichnet es etwa die Zürcher SP-Nationalrätin Priska Seiler Graf.

Der St. Galler FDP-Nationalrat Walter Müller sieht sich derweil darin bestätigt, dass die vom Bundesrat beantragten 8 Milliarden Franken nicht genügten: «Für 50 Kampfjets und gleichzeitig für eine wirkungsvolle Bodluv kann das nicht reichen», sagt er. Deshalb müsse man entweder nacheinander beschaffen. Oder aber Abstriche in Kauf nehmen – «und zwar spürbare».

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