LUFTWAFFE: F/A-18-Fiasko: Maurer will Klarheit

Ueli Maurer will wissen, warum im Frühsommer zeitweise nur zwei Kampfjets einsatzbereit waren. Die Administrativuntersuchung ist intern nicht unumstritten.

Eva Novak
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Mechaniker der Ruag kontrollieren in einem Hangar auf dem Flugplatz Emmen F/A-18-Kampfjets der Schweizer Luftwaffe. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

Mechaniker der Ruag kontrollieren in einem Hangar auf dem Flugplatz Emmen F/A-18-Kampfjets der Schweizer Luftwaffe. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

Nicht mehr als zwei der total 32 F/A-18 Hornets, über welche die Schweizer Luftwaffe verfügt, standen zeitweise bereit, um den Schweizer Luftraum zu schützen: Als die «Zentralschweiz am Sonntag» Ende Mai publik machte, wie schlecht es um die Verfügbarkeit der Kampfjets bestellt ist, war die Empörung gross.

Nun handelt Bundesrat Ueli Maurer: Der Chef des Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) hat eine Administrativuntersuchung eingeleitet, wie VBS-Sprecher Renato Kalbermatten bestätigt. Nicht bestätigen konnte er Gerüchte, wonach sich Luftwaffenchef Aldo C. Schellenberg gegen diesen Schritt gewehrt haben soll, den er als Misstrauensvotum gegen seine Leute interpretierte. Die Untersuchung ist aber nach Kalbermatten nicht gegen eine Person oder Personen gerichtet – «sonst wäre es eine Disziplinaruntersuchung». Vielmehr gehe es darum, die Verwaltungsabläufe im Zusammenhang mit der Verfügbarkeit der F/A-18 zu überprüfen. Ergebnisse konnte Kalbermatten noch keine präsen­tieren. Diese würden erst nach Abschluss der Untersuchung vermutlich Ende Jahr bekannt gegeben.

Nicht genügend Mechaniker?

Sicher ist: Die F/A-18-Flotte war von März bis Mai dieses Jahres «besonderen Belastungen» ausgesetzt, wie es Maurer in der Sommersession formulierte. In seiner Antwort auf einen Vorstoss der Luzerner CVP-Nationalrätin Ida Glanzmann verwies der Verteidigungsminister auf verschiedene Wiederholungs- und Umschulungskurse sowie auf zwei multinationale Übungen in der Türkei und in Schweden. Dies seien mit die Gründe, weshalb «in der letzten Maiwoche in der Schweiz täglich zwischen zwei und sieben F/A-18 einsatzbereit» gewesen seien.

Ein weiterer Grund war die Instandhaltung – gemäss Maurer war deswegen «eine erhebliche Anzahl» der Hornissen nicht einsatzbereit. Für diesen Umstand machen Insider die Ruag mitverantwortlich. Das Unternehmen habe schlicht nicht genügend Mechaniker für den Unterhalt der F/A-18 gehabt. Nachdem einige gekündigt hätten, seien weniger als die Hälfte der nötigen zwei Dutzend Mechaniker übrig geblieben – wovon ein guter Teil erst noch gleichzeitig Ferien bezogen habe. Die Luftwaffe habe der Ruag deswegen ein paar eigene Mechaniker zur Verfügung stellen müssen.

Die Ruag-Verantwortlichen wollten zum Mechaniker-Engpass keine Stellung nehmen. Konzernsprecher Jiri Paukert begründete die Zurückhaltung mit der laufenden Administrativuntersuchung. Er wollte auch nicht bestätigen, was in Armeekreisen ein offenes Geheimnis ist: dass die Ruag in der Zwischenzeit Massnahmen ergriffen hat. Einige Mechaniker seien intern von anderen Flugzeugtypen verschoben worden. Zudem sei das Unternehmen daran, neues Personal anzuwerben. Auch die Verfügbarkeit der F/A-18-Flotte soll wieder vorbildlich sein, wie aus gut unterrichteten Quellen verlautet: Momentan sei etwa die Hälfte der 32 Jets flugbereit, was etwa dem Sollzustand entspricht.

Eva Novak

Kuwaitische Luftwaffe ist in Emmen auf Partnersuche

Unterhalt Kommenden Donnerstag richten sich die Blicke in Emmen nach Osten: Erwartet wird eine Delegation der kuwaitischen Luftwaffe. Das Emirat am Persischen Golf ist auf der Suche nach Partnern für das Upgrade und den Unterhalt seiner 39 Kampfjets vom Typ F/A-18.

Finnland kommt kaum in Frage
Die Delegation besucht zuerst Finnland. Dieses verfügt zwar über eine noch bedeutendere F/A-18-Flotte von insgesamt 62 Maschinen, hat aber bisher keinerlei Absichten geäussert, grosse Investitionen in deren Upgrade zu tätigen. Stattdessen beschränkt sich das nordische Land auf den nötigsten Unterhalt und steckt das Gros der Mittel in den Kauf neuer Kampfjets.

Neuer Flugcomputer
In der Schweiz hingegen ist geplant, die Lebensdauer der 32 F/A-18 mit massivem Geldeinsatz zu verlängern. Die Rede ist in diesem Zusammenhang unter anderem von einem neuen Flugcomputer, einem neuen Radar sowie von einem weiteren Upgrade der Avionik.

560 Millionen Franken beantragt
Im Rüstungsprogramm 2018 sollen dafür 560 Millionen Franken beantragt werden. Kritiker sprechen von einem weltweit einzigartigen und sehr umfangreichen «Luxus-Upgrade» mit technischen Risiken. Sie empfehlen stattdessen eine gründliche Analyse, ob die Mittel nicht besser auf eine einfachere Lebensdauerverlängerung der F/A-18 und den angekündigten Neuanlauf zur Beschaffung eines neuen Kampfflugzeugs verteilt werden sollten.

Eva Novak
eva.novak@luzernerzeitung.ch