LUFTWAFFE: Gerade mal zwei Kampfjets müssen die Schweiz schützen

Nach den Tigern sind auch am F/A-18 Schäden aufgetreten. Weil zurzeit viele Kampfjets im Ausland üben, bleiben zu wenige fürs eigene Land. Politiker sind «not amused».

Eva Novak
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Ein F/A-18 der Schweizer Armee bei einer luftpolizeilichen Übung mit einem Zivilflugzeug. (Bild: Keystone/Dominic Favre)

Ein F/A-18 der Schweizer Armee bei einer luftpolizeilichen Übung mit einem Zivilflugzeug. (Bild: Keystone/Dominic Favre)

Anfang Jahr wurden bei einem Teil der Tiger-F-5-Kampfjets Haarrisse festgestellt, weshalb die Luftwaffe die Tiger-Flotte früher als geplant reduzierte. Nun hat es auch den Vorzeige-Kampfjet der Eidgenossenschaft erwischt: «Im Rahmen von regulären Überprüfungen wurden an einzelnen F/A-18 kleine Ablösungen an den Flügeln festgestellt», bestätigt Kaj-Gunnar Sievert von der Armasuisse Informationen der «Zentralschweiz am Sonntag». Die Rüstungsbeschafferin des Bundes ist für die Beurteilung der Flugzeuge verantwortlich.

«Gröbere Risse»

Gemäss Sievert sind die betroffenen Flugzeuge im Flugdienst und würden jeweils im Rahmen der regulären 50-Stunden-Kontrolle überprüft. Andere Quellen sprechen von «gröberen Rissen» im Übergangsbereich zwischen Flügel und Rumpf an zumindest einem der Kampfjets. Dennoch habe die Ruag diesen vor ein paar Tagen für 50 Flugstunden freigegeben.

«Die festgestellten kleinen Ablösungen hatten bis anhin keinen negativen Einfluss auf die Verfügbarkeit der F/A-18-Flotte», sagt der Armasuisse-Sprecher. Die Frage, wie viele Kampfjets zurzeit einsatzbereit seien, will er aber nicht beantworten. Denn solche Informationen seien geheim.

Konkreteres ist von Betroffenen zu erfahren. So berichtet ein für die F/A-18 Hornet zuständiger Luftwaffen-Mechaniker, dass es zurzeit kaum etwas zu tun gebe. Denn es seien kaum Flugzeuge verfügbar. Mehrere Quellen bestätigen, dass von den 32 «Hornissen» diese Woche gerade mal zwei Maschinen auf der Flightline bereitstanden, um den Schweizer Luftraum zu schützen. Und auch das nur während der Bürozeiten. Denn es dauert bekanntlich noch einige Jahre, bis die Luftwaffe die Bereitschaft rund um die Uhr realisiert haben wird.

Normalerweise sind rund ein Dutzend F/A-18-Jets einsatzbereit – der Rest wird überholt, kontrolliert oder instand gestellt. Dass es dieser Tage viel weniger sind, liegt unter anderem an der multinationalen Übung «Arctic Challenge Europe 2015» in Nordschweden, an der sich die Schweiz zusammen mit Ländern wie England, Frankreich, Deutschland und USA beteiligt, was politisch umstritten ist (siehe Kasten). Zuvor hatten bereits einige F/A-18 am internationalen Wettkampf «TigerMeet 2015» in der Türkei Luftverteidigung trainiert. Allerdings konnten gemäss Insidern nicht wie geplant und offiziell mitgeteilt vier Hornets samt einem Reservejet entsandt werden, sondern nur deren drei. Mehr konnte man nicht erübrigen.

Luftwaffe hat ein Problem

Zwar gehören die Schweizer Kampfjets zu den am besten gewarteten der Welt. Das führt dazu, dass die F/A-18 der Luftwaffe im internationalen Vergleich überdurchschnittlich verfügbar sind. Trotzdem hat die Luftwaffe jetzt ein Problem. In dieser Situation raten Experten und Sicherheitspolitiker, auf die Tiger-Flotte zurückzugreifen.

Tiger-Reparaturen viel günstiger

Bei diesen waren, ebenfalls im Rahmen einer regelmässigen Kontrolle, die erwähnten Haarrisse entdeckt worden. Doch könnten die Tiger vergleichsweise günstig geflickt werden, schliesslich habe man eigens zu diesem Zweck 25 Reparatursets beschafft, sagt ein Kenner. Die Kosten hat die Luftwaffe auf 120 000 Franken pro Jet beziffert, während es bei den F/A-18 in die Millionen ginge. Einen Hinweis, was das kosten könnte, liefert die US-Navy: Die Amerikaner planen, den am stärksten belasteten Rumpfabschnitt ihrer F/A-18 für etwa 20 Millionen Dollar pro Jet auszutauschen.

Doch der Tiger ist armeeintern unbeliebt. Armeechef André Blattmann und Luftwaffenchef Aldo C. Schellenberg betonen bei jeder Gelegenheit, dass der F-5 kaum mehr sinnvoll einzusetzen sei. Er leiste «keinen Beitrag an die Sicherheit unseres Luftraums», sagte Schellenberg vor vier Monaten im Interview mit der «Zentralschweiz am Sonntag». Dennoch bleibt zumindest ein Teil der Flotte, nämlich 26 der insgesamt noch vorhandenen 54 Tiger F-5, bis auf weiteres in Betrieb. Dies aus dem einfachen Grund, dass das Parlament über eine Ausmusterung zu entscheiden hat, wozu allerdings zuerst die Gesetzesgrundlage geschaffen werden muss. Und das dauert.

«32 F/A-18 genügen einfach nicht»

Die bürgerlichen Parlamentarier, die für einen Weiterbetrieb der Tiger kämpfen, sehen sich durch die Schäden an den F/A-18 bestätigt: «Das beweist, dass 32 F/A-18 einfach nicht genügen», sagt der Solothurner SVP-Nationalrat Roland Borer und fügt leicht süffisant hinzu: «Wenn man nur noch wenige Flugzeuge verfügbar hat und weiterhin behauptet, es brauche keine Tiger, macht man keine richtige Lagebeurteilung.»

Pannen müssten ebenfalls einkalkuliert werden, gibt Isidor Baumann zu bedenken. Um das Restrisiko abzudecken, brauche es eine Alternative, fordert der Urner CVP-Ständerat und prophezeit: «Da wird die Frage des F-5 wieder einen anderen Stellenwert bekommen.»

Sicherheitspolitiker nicht informiert

Was Baumann besonders ärgert: Die Sicherheitspolitischen Kommissionen (SiK) beider Räte haben diese Woche zwar getagt und das Rüstungsprogramm präsentiert bekommen. Doch die Gelegenheit, die Politiker aus erster Hand über die Schäden an den F/A-18 zu informieren, liessen VBS- und Armeespitze ungenutzt verstreichen. «Einmal mehr müssen wir aus den Medien erfahren, was Sache ist», bemängelt der Urner. Und wundert sich: «Mindestens das sollte das VBS aus all den Kommunikationspannen der letzten Jahre gelernt haben.»