LUFTWAFFE: Heli sollen «Zähne» erhalten

Die Kampfjets erhalten im Luftpolizeidienst Verstärkung. Künftig sollen Bordschützen die sonst unbewaffneten Helikopter «scharf» machen.

Léa Wertheimer
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Ein Eurocopter EC 635 der Schweizer Luftwaffe: Diese Helikopter sollen künftig mithelfen, den Schweizer Luftraum zu schützen. (Bild: Keystone/Swiss Air Force)

Ein Eurocopter EC 635 der Schweizer Luftwaffe: Diese Helikopter sollen künftig mithelfen, den Schweizer Luftraum zu schützen. (Bild: Keystone/Swiss Air Force)

Die Polizei am Schweizer Himmel fliegt gemeinhin in stählernen Kampfjets – statt mit Blaulicht notfalls mit Überschallgeschwindigkeit. Nun soll sie langsamere Verstärkung erhalten. Künftig sollen Helikopter in der Luft für Ordnung sorgen. Wenn nötig auch bewaffnet; ein Novum, das bereits 2014 zum Einsatz kommen könnte. Es war der Chef der Luftwaffe, Aldo Schellenberg persönlich, der in einem Interview mit der Militärzeitschrift ASMZ das Thema aufs Tapet brachte: Der Luftpolizeidienst mit Helikoptern sei sinnvoll bei extrem langsam fliegenden Flugzeugen, sagt er.

Im sogenannten Luftpolizeidienst patrouillieren Kampfpiloten in F/A-18-Jets im Schweizer Luftraum. Sie kontrollieren etwa Flugzeuge, die eine spezielle Erlaubnis zum Überflug der Schweiz benötigen. Seit den Anschlägen vom 11. September 2001 in New York sperrt man den Luftraum über Grossanlässen und internationalen Konferenzen wie dem WEF in Davos. Man fürchtet Provokationen und Anschläge aus der Luft. So wachen in dieser Zeit Jets mit scharfer Munition über das Bündner Dorf.

Gegen «Billigterror»

Nun will man sich aber vermehrt gegen den sogenannten Billigterrorismus wappnen. Besonders Ultraleichtflugzeuge bereiteten der Armee Sorgen, erklärt Bernhard Müller, Chef Einsatz und stellvertretender Kommandant der Luftwaffe. Deswegen sollen in den Helikoptern künftig Bordschützen mit Gewehren sitzen. «Sie zielen vor allem gegen den ‹Low-Cost-Terrorismus›», sagt Müller. «Also jemand, der etwa ein Ultraleichtflugzeug mit Sprengstoff vollpackt und es absichtlich zum Absturz bringt», fügt er ein Beispiel an. Diese sehr langsamen Flugzeuge oder aber auch Helikopter bringen die Kampfflugzeuge an ihre physikalischen Grenzen. «Die Jets können nicht so langsam fliegen, ohne sich in Gefahr zu begeben», erklärt Müller, der selbst Helikopter fliegt. «Sie sind schlicht nicht dafür gebaut.»

Heute kontrolliert die Luftwaffe am WEF langsame Flugzeuge und Helikopter mit PC-7-Propellermaschinen. «Doch diese haben keine Waffen an Bord und können im Ernstfall nichts gegen einen Angriff ausrichten», sagt Bernhard Müller. Das soll sich mit den Helikoptern mit Bordschützen ändern. «Damit ersetzen wir keinesfalls die F/A-18, sondern schliessen im Grunde nur eine Lücke.» Müller betont, dass nicht geplant sei, die Helikopter selbst mit Waffen zu bestücken. «Es ist mitnichten ein Schritt zum Kampfhelikopter.» Zudem sollen die Bordschützen nur punktuell zum Einsatz kommen – während Konferenzen wie des WEF etwa. «Es ist nicht vorgesehen, sie in ständiger Bereitschaft zu halten.»

Eliteeinheit als Schützen

Wer in den Helikoptern am Gewehr sitzen soll, steht ebenfalls bereits fest: Mitglieder der Eliteeinheit AAD10 – knallharte, handverlesene Berufssoldaten, von welchen kaum jemand in der Schweiz weiss, was sie wirklich tun. «Sie müssen ohnehin Einsätze im Helikopter trainieren», erklärt Müller. So schlage man zwei Fliegen mit einer Klappe: «Wir intensivieren unseren Einsatz im Luftpolizeidienst, und das AAD10 kann seine Fähigkeiten ausbauen.» Primäre Aufgabe der Bordschützen sei aber die Kommunikation mit den zu kontrollierenden Flugzeugen. «Die Helikopter werden mit grossen Anzeigetafeln versehen.» Darauf könne man Leuchtschriften laufen lassen, etwa den Befehl, sofort zu landen oder auf eine bestimmte Funkfrequenz zu wechseln.

Abschreckende Wirkung

Müller macht aber unmissverständlich klar, dass die Schützen auch eine abschreckende Wirkung haben. «Sie sollen sich in der offenen Türe präsentieren.»Ein Polizist am Boden sei schliesslich auch bewaffnet und kann seine Waffe in letzter Konsequenz auch zum Schutz anderer Personen einsetzen. Ähnlich sollte es nach Müller auch in der Luft sein – «es gehört zu unserem Auftrag, zu schützen». Ein Bordschütze sei durchaus in der Lage, einen anderen Helikopter zum Absturz zu bringen.

Die Schweizer Luftwaffe nimmt sich bei diesem Projekt Frankreich zum Vorbild. Dort sind Militärhelikopter täglich über der Hauptstadt auf Patrouille. «Es gibt bereits einige wenige Piloten, die für solche Einsätze ausgebildet sind», sagt Bernhard Müller. Die Ausbildung sei kurz, denn fliegerisch ändere sich nichts. Die Piloten müssten aber die genauen Verfahren und insbesondere die Kommunikation mit den Bordschützen lernen, «sodass alle die gleiche Sprache» sprechen. Wie bei den Kampfjetpiloten auch erhalten die Elitesoldaten im Helikopter nur von ganz oben einen Abschussbefehl – von Verteidigungsminister Ueli Maurer. «Auch diese Kommunikation will geübt sein», betont Müller.

Keine brandneue Idee

Die Helikopter der Luftwaffe mit Bordschützen zu bewaffnen, ist keine neue Idee. «Diese Pläne existieren in der Schweiz schon länger.» Sie seien aber aus verschiedenen Gründen bisher nicht prioritär behandelt worden. Müller sagt, dass diese Neuerung das Armeebudget nicht zusätzlich belasten werde. «Die Schulung erfolgt während normaler Trainingsflüge. Wir sind deshalb keine einzige Stunde zusätzlich in der Luft.» Noch finden sich in der Schweiz keine «scharfen» Helikopter. «Es ist geplant, im Laufe des nächsten Jahres diese Fähigkeit aufzubauen, sodass wir wenn nötig Ende 2014 einsatzbereit wären.»