LUFTWAFFE: Totengeläut für die Patrouille Suisse

Mit dem Nein zum Gripen seien die Tage der rot-weissen Jet-Kunstflugstaffel gezählt, warnen deren Fans. Die Abstimmungssieger sehen nicht so schwarz.

Eva Novak
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Die Patrouille Suisse bei einem Auftritt im vergangenen Oktober in Emmen. (Bild: Keystone/Sigi Tischler)

Die Patrouille Suisse bei einem Auftritt im vergangenen Oktober in Emmen. (Bild: Keystone/Sigi Tischler)

«Unter den neuen Voraussetzungen gebe ich der Patrouille Suisse keine Chance mehr», sagt der Schwyzer SVP-Ständerat Alex Kuprecht. Mit dieser Einschätzung steht der Präsident der Sicherheitspolitischen Kommission (SiK) des Ständerats bei weitem nicht allein. Auch andere Anhänger der Kunstflugstaffel malen schwarz für die Zukunft der in Emmen stationierten rot-weissen Formation, die heuer ihr 50-jähriges Bestehen feiert.

F/A-18 kaum eine Alternative

Mit dem Nein zum Gripen habe das Stimmvolk auch gleich der Patrouille Suisse den endgültigen Todesstoss versetzt, lautet der Tenor. Die 54 Tiger-Kampfjets, auf denen die Botschafter der Lüfte fliegen, sollen aus Kostengründen bis Ende 2016 ersatzlos ausgemustert werden. Danach könnte die Patrouille Suisse zwar theoretisch auf einige F/A-18 wechseln. Dazu wären einschliesslich einer Reserve mindestens sechs der insgesamt 32 Jets nötig. Doch wären diese dann während längerer Zeit für den täglichen Auftrag wie den Luftpolizeidienst blockiert. Dazu kommt, dass die Loopings und sonstigen Kunststücke die Jets stärker beanspruchen als der Alltagseinsatz, was die Lebensdauer der F/A-18 weiter verkürzen würde.

Bürgerliche sehen schwarz

«Wir müssen uns auf die Kernkompetenz konzentrieren», erklärt Florian Ulrich, der Präsident der Luzerner Offiziersgesellschaft Luzern. Wohl sei die Patrouille Suisse ein Aushängeschild – nicht nur der Armee, sondern des ganzen Landes, indem sie der Welt die schweizerische Zuverlässigkeit und Präzision eindrücklich vor Augen führe. Dennoch sei ihre Abschaffung die logische Konsequenz des Abstimmungssonntags, stellt Ulrich fest.

Politiker geben ihm Recht. «Der 18. Mai bedeutet das Aus für die Patrouille Suisse», prophezeit die Luzerner CVP-Nationalrätin Ida Glanzmann. Von den 32 F/A-18 seien jeweils nur zwei Drittel einsatzbereit, da könne man nicht sechs Flieger entbehren. «Ich hoffe nicht, dass es das Ende ist für die Kunstflugstaffel, fürchte es aber», pflichtet der Luzerner SVP-Nationalrat Felix Müri bei. Vor Wochenfrist habe man deren Beerdigung eingeläutet, bedauert Müris Zürcher Fraktionskollege Hans Fehr. Andere hoffen noch. Wie Thomas Hurter (SVP, Schaffhausen), Präsident der nationalrätlichen SiK: Bei der Gesamterneuerung der Luftwaffe stehe die Patrouille Suisse zwar nicht im Vordergrund, müsse aber darin Platz haben, findet er. Man solle doch einen Teil der Tiger-Flotte länger betreiben, schlägt Walter Müller vor. Der freisinnige St. Galler Nationalrat kündigt an, dass das Parlament «sicher noch ein Wörtchen mitreden» werde. Schliesslich müsse es mit den Rüstungsbotschaften neuerdings auch die Ausserdienststellungen bewilligen.

Weniger Einsätze?

Einen Teilerhalt der Tiger F-5 ebenfalls vorstellen könnte sich Prisca Birrer-Heimo. Die Luzerner SP-Nationalrätin sieht denn auch nicht das Ende der Patrouille Suisse gekommen. Sie geht aber davon aus, dass die Kunstflugstaffel in Zukunft weniger Möglichkeiten als heute haben wird. Für einen Fortbestand in kleinerem Rahmen plädiert der grünliberale Luzerner Nationalrat Roland Fischer: «Man kann die Einsätze reduzieren und die Patrouille Suisse an weniger Anlässen fliegen lassen, was auch aus Umweltschutzgründen sinnvoll wäre.»

Hartnäckiges Gerücht

Wäre das eine Variante? Das VBS lässt sich nicht in die Karten blicken. Sprecher Renato Kalbermatten meint lediglich, nun müsse man analysieren, was mit 32 Kampfjets noch alles möglich wäre. Alles sei offen, mit einer Ausnahme: «Ab 2016 gibt es die Patrouille Suisse in der heutigen Form mit Sicherheit nicht mehr.» Nicht entkräften kann er damit das Gerücht, das armeeintern schon seit längerem kursiert und besagt, das bestehende PC-7-Team werde ab 2017 zur Patrouille Suisse umgetauft. Die neun Propellerflugzeuge sind bereits rot-weiss angemalt und wirken seit immerhin 25 Jahren ebenfalls als fliegende Schweizer Botschafter. Damit ginge zumindest der Geburtstagswunsch des Luftwaffenkommandanten Aldo C. Schellenberg an die Patrouille Suisse in Erfüllung: dass nämlich den ersten 50 Jahren «weitere 50 erfolgreiche und unfallfreie Jahre folgen mögen».

Wenn auch mit weniger spektakulären Flugmaschinen.