Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

LUGANO: No-Billag-Initiative bringt das Tessiner Fernsehen in Bedrängnis

Das Tessiner Fernsehen steht immer wieder in der Kritik. Eine selber in Auftrag gegebene Untersuchung zeigt auf, wie gross der volkswirtschaftliche Nutzen ist. Die Analyse soll die Service-public-Debatte versachlichen.
Die Initiative zur Abschaffung der Billag-Gebühren dürfte im Ständerat keine Chance haben. (Symbolbild) (Bild: KEYSTONE/PETER SCHNEIDER)

Die Initiative zur Abschaffung der Billag-Gebühren dürfte im Ständerat keine Chance haben. (Symbolbild) (Bild: KEYSTONE/PETER SCHNEIDER)

Das Radio und Fernsehen der italienischen Schweiz (RSI) löst in der regionalen Wirtschaft eine Wertschöpfung von rund 213 Millionen Franken aus, verbunden mit 1600 Arbeitsplätzen. Das entspricht der Wirtschaftsleistung in der Grössenordnung des regionalen Hotelgewerbes im Tessin und den italienisch-bündnerischen Tälern: Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts BAK Basel, welche gestern in Lugano vorgestellt wurde.

«Der öffentliche rechtliche Sender wird in den laufenden Diskussionen häufig als Kostenfaktor gesehen, aber wir zeigen auch den Nutzen auf», so BAK- Basel-Direktor Marc Bros de ­Puechredon. Tatsächlich unterstreicht die Analyse einmal mehr, dass die überwiegend gebührenfinanzierte SRG-Unternehmenseinheit eine der grössten Firmen der italienischen Schweiz ist. Fast 1200 Angestellte zählt die RSI, verteilt auf 1087 Vollzeitstellen (Stand Ende 2015). Das Lohn- und Honorarvolumen beläuft sich auf 135 Millionen Franken.

Die Präsentation der Studie kommt nicht von ungefähr. Im Tessin steht die RSI häufig im Gegenwind. Insbesondere von der Lega dei Ticinesi und der SVP wird sie als «linker Staatssender» angefeindet und die Gebühren als überzogen kritisiert. Als das Volk 2015 das neue Gebührensystem im revidierten Radio- und Fernsehgesetz äusserst knapp mit 50,08 Prozent annahm, sagte das Tessin mit 52 Prozent Nein. Entsprechend gross ist die Angst bei den Verfechtern des öffentlich-rechtlichen Gebührenmodells, dass auch die No-Billag-­Initiative im Tessin eine Mehrheit finden könnte.

«Dabei würde ein Ja zur ­No-Billag-Initiative nicht nur ein Ende der RSI bedeuten, sondern darüber hinaus auch die regionale Wertschöpfung treffen», sagte Luigi Pedrazzini als Präsident der RSI-Regionalgenossenschaft. Das wolle man der Bevölkerung klarmachen. Tatsächlich zeigt die Studie – wenig überraschend – auf, dass die RSI vom helvetischen Gebührenmodell besonders stark profitiert. Jeder Gebührenfranken aus der italienischsprachigen Schweiz wird durch den Finanzausgleich mit weiteren drei Franken aus den anderen Sprachgebieten ergänzt.

Die Modellberechnungen von BAK Basel ergeben zudem, dass mit jedem Franken Wertschöpfung der RSI nochmals 40 Rappen Wertschöpfung in anderen Unternehmen aus der Region verbunden sind. «Das reicht vom Bäcker, der Brötchen in die Mensa liefert, bis zum Kauf einer Videokamera in einem Geschäft», so RSI-Direktor Maurizio Canetta. Gemäss Analyse werden so 500 weitere Arbeitsplätze in anderen Unternehmen generiert.

Marktdominante Stellung im Kanton

Die Studie zeigt umgekehrt allerdings auch auf, wie marktdominant die RSI in der Medienlandschaft der Südschweiz mit ihren 350000 Einwohnern ist. So arbeiten von allen Medienschaffenden der italienischsprachigen Regionen gut die Hälfte bei der RSI. Von der Gesamtzahl der Beschäftigten, die bei Radio oder Fernsehen tätig sind, entfallen 82 Prozent auf die RSI. Nach dem Votum zum neuen Gebührensystem hat die RSI dank einer Umfrage festgestellt, dass es um ihr Image nicht allzu gut bestellt ist. Daher wurde entschieden, die Information über das öffentliche-rechtliche System zu intensivieren, sich der Kritik zu stellen und ganz auf Transparenz zu setzen. RSI-Direktor Canetta beantwortete beispielsweise einen ganzen Abend lang live «ungefilterte ­Fragen» der Zuschauer. In den Regionen, selbst in abgelegenen Tälern, werden Debatten organisiert. Und auch in Bezug auf die BAK-Basel-Studie machte Canetta gestern gleich klaren Tisch: «Diese Studie hat 27000 Franken gekostet.»

Gerhard Lob, Lugano

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.