LUZERN: «Die Kinder werden zu schnell abgestempelt»

Immer mehr Kinder haben schon in der Unterstufe Verhaltens- probleme. Doch sind diese Schüler wirklich alle auffällig?

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«Der Begriff ‹normales› Kind wird heute zu eng ausgelegt.» Simone Krähenbühl, Kinder- und Jugendpsychiaterin (Bild: Getty)

«Der Begriff ‹normales› Kind wird heute zu eng ausgelegt.» Simone Krähenbühl, Kinder- und Jugendpsychiaterin (Bild: Getty)

kuy. Im Kanton Luzern gibt es immer mehr Kinder, die nicht mehr sozialisiert sind. Das zeigen die neusten Beobachtungen der Dienststelle für Volksschulbildung des Kantons. Für Simone Krähenbühl, Leitende Ärztin in der Kinder- und Jugendpsychiatrie im Kantonsspital, würden die Kinder heute «zu schnell den Stempel auffällig aufgedrückt erhalten». Gründe dafür gebe es mehrere: «Die Eltern sind heute gestresster als früher. Alles muss funktionieren: Kinder in die Krippe fahren, sie zu den Grosseltern chauffieren oder ins Sporttraining begleiten. Diese Hektik wirkt sich auch auf die Sprösslinge aus.» Stünden die Kinder unter Stress oder zu hohem Leistungsdruck, würden sie sich anders verhalten vielleicht eben auffällig.

Austoben und Streiten ist normal

Allgemein hält Krähenbühl fest, dass die Gesellschaft den Begriff des «normalen» Kindes zu eng auslege. «Man hat das Gefühl, dass ein Kind sich nur dann normal verhält, wenn es einfach, pflegeleicht und konform ist.» Doch Kinder müssten sich auch mal austoben oder streiten. «Das gehört zur gesunden Entwicklung.» Auffälliges Verhalten sei meist auch Ausdruck einer Krise, so Krähenbühl. Die Kinder brauchten gerade dann Zeit und Halt der Eltern, um solche Krisen zu überwinden.3

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