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MACHTKAMPF: Hilfswerk Green Cross: Ex-Präsident Gorbatschow greift Nachfolger Bäumle an

Der Streit um das Hilfswerk Green Cross eskaliert: Gründungspräsident Michail Gorbatschow macht seinem Nachfolger, dem grünliberalen Nationalrat Martin Bäumle, in einem Brief heftige Vorwürfe.
Michail Gorbatschow macht Martin Bäumle grosse Vorwürfe. (Bild: KEYSTONE)

Michail Gorbatschow macht Martin Bäumle grosse Vorwürfe. (Bild: KEYSTONE)

Normalerweise befreit Green Cross die Umwelt von schädlichen Stoffen. Doch jetzt ist die Atmosphäre im Hilfswerk selbst vergiftet. Gründer Michail Gorbatschow greift in einem Brief den Übergangspräsidenten Martin Bäumle scharf an. Der frühere sowjetische Präsident Gorbatschow ist im Februar unter Protest aus dem Vorstand von Green Cross International zurückgetreten, den Titel «Gründungspräsident» gab er zurück.

Zum Übergangspräsidenten liess sich letzte Woche der grünliberale Zürcher Nationalrat Martin Bäumle wählen (wir berichteten). Er sagt, der Verein mit Sitz in Genf sei illiquid. Gorbatschow bezeichnet Bäumles Machtübernahme in seinem Brief vom Donnerstag an alle nationalen Ableger als «brutalen und durchtriebenen Angriff» durch Green Cross Schweiz. «Diese Leute» hätten Lügen verbreitet und der Glaubwürdigkeit des Hilfswerks geschadet, «während sie frech verkünden, sie täten es, um Gorbatschows Erbe voranzubringen», so der 86-jährige Träger des Friedensnobelpreises.

Ablenkungsmanöver wegen Spendengeldern

Die Wahl Bäumles sei illegitim und halte dem Gesetz nicht stand, schreibt der Gründer weiter. Er fordert eine baldige ausserordentliche Generalversammlung, wie es sechs Ableger verlangt hätten. Ansonsten drohe eine Spaltung.

Die Führung der Schweizer Organisation wolle mit den Angriffen eigene Fehler vertuschen, so Gorbatschow weiter. Green Cross Schweiz habe im vergangenen Jahr 13 Millionen Franken Spendengelder erhalten. Er hoffe, dass die Schweizer Aufsichtsbehörden sich der Frage annähmen, ob diese Gelder gemäss Willen der Spender für Wasser- und Umweltschutzprojekte eingesetzt worden seien.

Als Stiftung ist Green Cross Schweiz der Eidgenössischen Stiftungsaufsicht unterstellt. Sie trägt das Zewo-Gütesiegel; derzeit läuft die Rezertifizierung. Über den Stand gibt die Zewo keine Auskunft.
Bäumle weist die Vorwürfe des Gründungspräsidenten zurück. «Ich wurde an einer juristisch korrekten Vorstandsversammlung gewählt», sagt der Zürcher Nationalrat. Eine Generalversammlung sei für Herbst geplant; laut Statuten müsse dazu sechs Monate vorher eingeladen werden. Er habe einen Anwalt beigezogen, damit juristisch alles korrekt ablaufe.

Bäumle sieht Problem in Gorbatschows Umfeld

Gorbatschow werde von seinem Umfeld nicht korrekt informiert, vermutet Bäumle: «Ich versuche, zu ihm persönlich durchzudringen, aber sein Umfeld lässt das nicht zu.» Er lasse prüfen, ob die Gelder des Dachvereins sachgerecht eingesetzt wurden. Dies versuchten die damaligen Verantwortlichen zu hintertreiben, sagt Bäumle. Sie schreckten nicht davor zurück, via Gorbatschow die Schweizer Stiftung mit Unwahrheiten zu verunglimpfen, um «von ihrer Verantwortlichkeit für die mutmassliche Zweckentfremdung von bis zu 1,7 Millionen Franken bei Green Cross International abzulenken.»

Bäumle sagt, er versuche nun, das Erbe Gorbatschows zu sanieren und so zu retten: «Das ist im Interesse der Organisation und auch des Gründers, der das derzeit nicht sehen will oder kann.»

Fabian Fellmann

Martin Bäumle (Archivbild). (Bild: Christof Borner-Keller)

Martin Bäumle (Archivbild). (Bild: Christof Borner-Keller)

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