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Magistrale Souveränität trifft auf menschliche Wärme

Die Bundesratskandidaten im Internet
Roger Braun
Pierre Maudet auf seiner Webseite. (Bild: Screenshot)

Pierre Maudet auf seiner Webseite. (Bild: Screenshot)

Wer die Webseite von Bundesratskandidat Pierre Maudet besucht, wähnt sich im US-Wahlkampf. Ein ästhetisches Schwarzweissfoto zeigt den Genfer Sicherheitsdirektor am Tisch, umringt von vier Beratern. Maudet spricht mit ernster Miene. Tadellos gekleidet, weist er mit seiner Hand den Weg, den es zu gehen gilt. Maudet dürfte derzeit die wohl professionellste Kampagne führen, die je ein Schweizer für den Bundesrat unternommen hat. Seine Termine koordiniert ein Kampagnenchef, an einer Medienkonferenz stellte er seine Visionen für die Schweiz vor, letzte Woche tingelte er durch die Deutschschweiz, um sich bekannt zu machen. Sogar sein Kampagnenbudget hat er offengelegt: 20000 Franken.

Ein beträchtlicher Teil dürfte in seine Webseite geflossen sein. In Kurzfilmen werden seine Erfolge angepriesen. Es blinkt und leuchtet, Menschen lachen, vieles ist in Bewegung. In einem persönlichen Schreiben begründet er, wieso er ein guter Bundesrat wäre. Nicht nur in drei Landessprachen, auch in Englisch. Täglich werden Medienartikel aufgeschaltet, die Maudet als entscheidungsfreudigen, tatkräftigen und dynamischen Politiker zeigen.

Die Konkurrenz kämpft derweil mit bescheideneren Mitteln. Ignazio Cassis präsentiert sich als Tessiner Frohnatur von nebenan. Mit kindlicher Freude posiert der Fraktionschef an der Swissminiatur in Melide neben dem Bundeshaus. Auf einem Gruppenfoto, das an einen Wanderausflug erinnert, strahlt er mit Baseballmütze, Sonnenbrille und Poloshirt übers ganze Gesicht und gegen die Sonne. Zu seiner Biografie liest man, dass sein Vater Gino hupend durch die Strassen gefahren sei, als er auf die Welt kam – und dass er als einziger Bub das «Schätzeli» der Familie war. Ausserdem: Er sei im selben Jahr geboren wie Lady Di und George Clooney.

Die Radiobeiträge sind hoffnungslos veraltet und datieren aus Zeiten, als er noch Kantonsarzt war. Ansonsten dominieren blanke Texte und haufenweise Links. Während Maudets Webseite wie ein Hochglanzmagazin daherkommt, schwankt Cassis’ Auftritt zwischen Familienalbum und einem Verwaltungsbericht zum Finanzausgleich.

Und Nationalrätin Isabelle Moret?«Herzlichen Dank für Ihre Stimme», heisst es als Erstes auf ihrer Webseite. Eine Wahlaufforderung für die Bundesratswahl? Mitnichten. Der Eintrag stammt von den Nationalratswahlen im Oktober 2015. Dass sie für das höchste politische Amt der Schweiz kandidiert, erfährt man nicht.

Wer in den USA das Rennen machen würde, steht ausser Frage. Die Schweiz jedoch tickt bekanntlich anders. Gegenüber Überfliegern und Ehrgeizlingen pflegt man hierzulande eine natürliche Skepsis. Bei der letzten FDP-Ersatzwahl standen sich Karin Keller-Sutter und Johann Schneider-Ammann gegenüber. Sowohl medial als auch bei den parlamentarischen Hearings schnitt Keller-Sutter weit besser ab. Gewählt wurde bekanntlich jemand anderes.

Roger Braun

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