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«Man kann nicht alle Arthroskopien in einen Topf werfen»

Nachgefragt

In der Kritik stehen die Meniskusoperationen mittels Kniegelenkspiegelungen. Doch Arthroskopien werden auch für andere Zwecke gemacht, wie Henrik Behrend, Leiter Kniechirurgie am Kantonsspital St. Gallen, erklärt.

Henrik Behrend, was wird bei einer Gelenksspiegelung genau gemacht?

Bei einer Kniegelenksspiegelung, einer Arthroskopie, werden zwei kleine Schnitte unterhalb der Kniescheibe angelegt, welche als Portale für eine Kamera und Instrumente dienen. Das Kniegelenk wird mit Flüssigkeit aufgefüllt und mit einer Kamera werden die wichtigsten Strukturen im Gelenk begutachtet und beurteilt. Hierzu gehört der Knorpelbelag auf der Ober- und Unterschenkelseite sowie hinter Kniescheibe der Innen- und Aussenmeniskus, welche als Puffer den Kniegelenksknorpel schützen, die Kreuzbänder und die Gelenkinnenschleimhaut.

Geht es nur um Beobachtung oder wird eingegriffen?

Die rein diagnostische Kniegelenksspiegelung ohne Therapie wird seit der Verbreitung des MRI’s nur noch selten durchgeführt. Die Schlüsselloch-Technik wird genutzt, um in der gleichen Operation krankhafte Stellen oder verletzte Strukturen im Kniegelenk operativ zu behandeln. Hierzu zählt zum Beispiel eine Meniskusnaht oder Teilentfernung. Auch der Ersatz des vorderen Kreuzbandes oder die Behandlung von unfall­bedingten Knorpelschäden. Dank der Arthroskopie ist bei einer Vielzahl von Operationen das Öffnen des Kniegelenkes nicht mehr nötig.

Welche Linderung wird dabei ­erreicht?

Mit einem arthroskopischen Eingriff kann zum Beispiel ein in Folge eines eingeklemmten, abgerissenen Meniskusanteiles blockiertes Kniegelenk wieder schmerzfrei und beweglich werden. Durch den kleinen, schonenden minimalinvasiven Eingriff in Schlüsselloch-Technik wird eine schnelle Rehabilitation begünstigt.

Wann macht eine arthroskopische Meniskusoperation keinen Sinn?

Bei den in der Studie diskutierten Meniskusoperationen sollte zwischen jüngeren Patienten ohne Arthrose und älteren mit Arthrose unterschieden werden. In der Kritik steht die Meniskusoperation bei den älteren Patienten mit Arthrose des Kniegelenkes. Umso ausgeprägter die Arthrose und älter der Patient, desto weniger macht eine Arthroskopie Sinn.

Wann ist ein solcher Eingriff zu empfehlen?

Entscheidend sind die Dauer der Beschwerden und deren Ausprägungsgrad, der Leidensdruck, die Untersuchungsbefunde, das Röntgenbild und eventuell ein MRI. Je akuter die Symptome auftreten und je geringer die Arthrose, desto eher hat eine Operation Erfolg.

Was sind die Risiken einer solchen Arthroskopie?

Wie jeder operative Eingriff, so geht auch eine Kniegelenksspiegelung mit Risiken einher. Diese sind jedoch verglichen mit den meisten anderen Operationen relativ klein.

Teilen Sie die Meinung aus der Studie der Uni Zürich, dass Physiotherapie und Medikamente genauso gut helfen wie eine Spiegelung?

Bei Patienten mit ausgeprägter Arthrose ohne mechanische Symptome wie eine Kniegelenksblockade kann die konservative Therapie mit Physiotherapie und Medikamenten genauso gut helfen. Wir führen deshalb seit vielen Jahren bei solchen Patienten keine Kniegelenksspiegelung mehr durch.

Das Forscherteam der Uni Zürich sagt, das schweizerische Vergütungssystem setze falsche finanzielle Anreize.

Das muss differenziert betrachtet werden. Es macht keinen Sinn, alle arthroskopischen Operationen in einen Topf zu werfen. Eine grosse Zahl der Arthroskopien hilft den Patienten nachhaltig. Es sollten Anreize geschaffen werden, die dazu führen, dass eine Meniskusoperation gezielter durchgeführt wird. Es könnte ausserdem sinnvoll sein, den zeitlichen Verlauf der Beschwerden zu betrachten. Ein konservativer Therapieversuch mit Medikamenten oder Physiotherapie über mehrere Monate sollte bei älteren Patienten unternommen werden. Erst nach Scheitern der konservativen Therapie ist eine Meniskusoperation zu diskutieren. (kn.)

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