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MANGEL: Impfstofflager füllen sich nur langsam

Impfstoffe sind in der Schweiz wiederholt knapp geworden. Seit Oktober werden deshalb Pflichtlager angelegt. Bis diese voll sind, dürfte es noch zwei Jahre dauern. Aktuell zeigt sich bei den Antibiotika, wie wichtig Reserven sind.
Maja Briner
Das Bundesamt für Gesundheit empfiehlt den Urnerinnen und Urnern, sich gegen Zecken zu impfen. (Symbolbild Neue LZ)

Das Bundesamt für Gesundheit empfiehlt den Urnerinnen und Urnern, sich gegen Zecken zu impfen. (Symbolbild Neue LZ)

Maja Briner

Ein Feuer in einer Fabrik im fernen China hat indirekt Auswirkungen auf die Schweiz: Weil die Produktion im Werk nach dem Brand stillsteht, kommt es zu einem weltweiten Lieferengpass bei einer lebenswichtigen Antibiotika-Kombination. Doch die Schweiz hat für solche Situationen vorgesorgt und Reserven angelegt. Auf diese wird derzeit zurückgegriffen: Der Bund hat letzte Woche die Pflichtlager freigegeben, um den Engpass zu überbrücken.

Wäre statt eines Antibiotikums ein Impfstoff vom Produktionsunterbruch betroffen, wäre die Situation eine andere – denn hier fehlen die Vorräte momentan noch. Das soll sich aber ändern. Seit Oktober werden Pflichtlager für gewisse Impfstoffe aufgebaut, etwa für Masern- oder Tollwut-Impfstoffe. Ziel ist, dass der Bedarf während vier Monaten durch die Lager abgedeckt werden kann.

Doch die Reserven können nur langsam angelegt werden. «Wo man kann, ist man dran, die Lager aufzufüllen», sagt Ueli Haudenschild vom Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung. «Manche Impfstoffe aber sind europaweit knapp, daher dauert es länger, um Reserven aufzubauen.»

Zudem können die Impfstoffe nicht alle zur selben Zeit eingelagert werden, da diese sonst auch gleichzeitig ablaufen würden. Angesichts dieser Hindernisse sagt Haudenschild: «Wir gehen davon aus, dass bei manchen Impfstoffen die Pflichtlager erst im Verlauf 2018/19 gefüllt werden können.»

Wahlfreiheit der Patienten eingeschränkt

Dass Impfstoffe fehlen, ist in den vergangenen Monaten wiederholt vorgekommen – und die Situation dürfte sich so rasch auch nicht verbessern. Daniel Koch, Leiter der Abteilung übertragbare Krankheiten beim Bundesamt für Gesundheit, sagt: «Es gibt nach wie vor Impfstoffe, die knapp sind. Das ist ein generelles, weltweites Problem, das nicht so schnell verschwinden wird.»

Momentan ist etwa ein Kombipräparat nicht lieferbar, mit dem Säuglinge unter anderem gegen Kinderlähmung, Starrkrampf und Keuchhusten geimpft werden. Zwar gibt es ein anderes Präparat als Alternative, mit diesem wird aber zusätzlich auch noch gegen Hepatitis B geimpft. «Das schränkt die Wahlfreiheit von Ärzten und Patienten ein», sagt Koch.

Engpässe gibt es aktuell auch bei einem Tollwut-Impfstoff. «Es gibt zwar eine Alternative dazu, aber diese ist auch bereits knapp», sagt Koch. Immerhin: Bei Impfstoffen gegen Tollwut haben die Ärzte noch mehr Spielraum als bei Kinderimpfstoffen. Bei Engpässen können die prophylaktischen Impfungen verschoben werden. Für akute Fälle – wenn etwa jemand von einem tollwütigen Tier gebissen wird – hätten die Spitäler Reserven, sagt Koch. «Bei den Kinderimpfungen wollen wir hingegen verhindern, dass diese verschoben werden müssen», sagt er.

Ein Grund für die Engpässe bei den Impfstoffen: Statt vieler kleiner Hersteller gibt es heute wenige grosse, was das System anfälliger macht. Steht bei einem Hersteller die Produktion still, fehlen rasch grosse Mengen auf dem Markt. Mitverantwortlich für die Knappheit ist aber auch eine eigentlich positive Entwicklung, wie Koch sagt: «Dass die Impfstoffe knapp sind, hat auch damit zu tun, dass in den Schwellen- und Entwicklungsländern mehr geimpft wird – was ja erfreulich ist», sagt Koch.

Antibiotikum erst im Sommer lieferbar

Beim Antibiotikum, das derzeit wegen des Brandes in China knapp ist, zeigt sich hingegen, wie anfällig das System sein kann. Die betroffene Firma produziert nach Angaben der Bundesverwaltung einen Grossteil des weltweit verfügbaren Wirkstoffes mit dem Namen Piperacillin/Tazobactam. Dabei handelt es sich um ein sogenanntes Breitband-Antibiotikum, das auch bei Notfällen eingesetzt werden kann, ohne dass Laborresultate abgewartet werden müssen. «Das Antibiotikum ist in gewissen Fällen die erste Wahl», sagt Ueli Haudenschild.

Momentan sieht es nicht danach aus, als würde dieses der Schweiz ausgehen. Laut Haudenschild dürfte es voraussichtlich Mitte Jahr werden, bis das Antibiotikum wieder geliefert werden kann. «Die Vorräte aus dem Pflichtlager sollten bis dann ausreichen», sagt er. Der Bund habe die Ärzte darauf hingewiesen, sparsam mit dem betroffenen Antibiotikum umzugehen.

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