MASERN: Nati-Stars traben zu Impftest an

In Brasilien fürchten Kinderärzte, dass Touristen die Masern einschleppen. Eine Schweizer WM-Legende ruft nun die hiesigen Fussballfans auf, sich zu impfen.

Kari Kälin
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Am 25. Juni spielt die Schweiz in Manaus (Bild) gegen Honduras. (Bild: Epa / Gernot Hansel)

Am 25. Juni spielt die Schweiz in Manaus (Bild) gegen Honduras. (Bild: Epa / Gernot Hansel)

In der Masernbekämpfung spielt die Schweiz in der gleichen Liga wie der Pleitestaat Griechenland, Kambodscha, Georgien oder der Irak. Nur 83 Prozent der Bevölkerung sind dank der Impfung in zwei Dosen gegen die Viruserkrankung immun. 95 Prozent müssten es sein, damit die Masern gemäss Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als eliminiert gelten.

Brasilien ist in dieser Hinsicht ein Musterknabe. Seit 2002 ist das südamerikanische Land, wo dieses Jahr vom 12. Juni bis zum 13. Juli die Fussball-Weltmeisterschaften stattfinden, masernfrei. Kinderärzte befürchten nun, dass ausländische Fans die Masern importieren – und dies wohl nicht zu Unrecht. In Europa zum Beispiel wurden vergangenes Jahr 31 600 Masernfälle verzeichnet, 180 davon in der Schweiz. Für den brasilianischen Kinderarzt Leonardo Menezes, Spezialist für pädiatrische Infektionskrankheiten am Nationalen Fer­nan­des-Fi­guei­ra-In­sti­tut, ist deshalb klar: «Kinder unter sechs Monaten sollten Reisen zu den Spielorten dieser Grossveranstaltung meiden.» Er ermuntert alle Brasilianer und WM-Touristen, ihrem Impfstatus zu prüfen.

Bund will Masern ausrotten

Die Reisewarnung aus Brasilien leitet Wasser auf die Mühlen des Bundesamts für Gesundheit (BAG), das im letzten Herbst mit den Kantonen eine Kampagne zur Ausrottung der Masern lanciert hat. Bis 2015, so das ambitionierte Ziel, sollen die Masern hierzulande der Vergangenheit angehören. Dafür hat der zuständige Gesundheitsminister Alain Berset auch ein Komitee für eine Schweiz ohne Masern ins Leben gerufen, das vom ehemaligen Walliser Regierungsrat Thomas Burgener präsidiert wird. «Es wäre unethisch, wenn Schweizer Fussballfans die Masern an die WM einfliegen würden», sagte Burgener gestern an einem Medientermin in Zürich. Er rief die Anhänger der Schweizer Nationalmannschaft dazu auf, vor einer Brasilien-Reise allfällige versäumte Impfungen nachzuholen. «Zum einen, um sich selber zu schützen, zum andern, um nicht Masern einzuschleppen und damit andere zu gefährden.»

Schützenhilfe von Shaqiri und Co.

Schützenhilfe für die Anti-Masern-Kampagne leistet die Schweizer Fussballnationalmannschaft. Denn Xherdan Shaqiri und Co. gehen mit gutem Vorbild voran. Im Mai steht beim Medizincheck auch der Impfstatus auf dem Prüfstand. Laut Burgener wird der Schweizerische Fussballverband (SFV) wenn nötig Impfungen anordnen. Schliesslich wollen die Mannen von Trainer Ottmar Hitzfeld lieber bei gegnerischen Torhütern als bei der brasilianischen Bevölkerung für Gefahr sorgen.

Für die Anti-Masern-Kampagne konnte Burgener auch die Walliser Fussballlegende Georges Bregy (56) gewinnen. Der Mittelfeldspieler erzielte 1994 bei der WM-Eröffnung in den USA gegen die USA das erste Schweizer WM-Tor seit 28 Jahren – mit einem brillant ins rechte Lattenkreuz gezirkelten Freistoss. «Hätten wir damals in unserem Team einen Masernfall gehabt, hätte ich diesen Höhepunkt vielleicht nicht erleben dürfen», sagte Bregy gestern vor den Medien.

Der Höhenflug der Schweizer wurde vor 20 Jahren bekanntlich nicht wegen der Masern gestoppt. Vielmehr machte der Nationalmannschaft ein anderes medizinisches Problem zu schaffen: der gebrochene Zeh von Alain Sutter.