MEDIEN: Die Fernseh-Fehlleistungen häufen sich

Das Schweizer Fernsehen steht wegen Pannen in einem schiefen Licht. Wie reagiert SRF? Es nehme die Kritik ernst und werde sie «vertieft» analysieren – intern.

Kari Kälin
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12. Mai 2013: leere Ränge im Zürcher Derby zwischen GC und dem FC Zürich aus Protest gegen das Hooligan-Konkordat. Im SRF-Bericht wurden die fehlenden Fangeräusche hineinmanipuliert. (Bild: Keystone)

12. Mai 2013: leere Ränge im Zürcher Derby zwischen GC und dem FC Zürich aus Protest gegen das Hooligan-Konkordat. Im SRF-Bericht wurden die fehlenden Fangeräusche hineinmanipuliert. (Bild: Keystone)

Die Ansage gegenüber dem Online-Portal «persoenlich.ch» verspricht viel: Mit «unbequemem Recherchejournalismus», sagt Mario Poletti, seit 1. März dieses Jahres Redaktionsleiter der Sendung «Rundschau», «wollen wir Terrain zurückgewinnen». Am 21. August wird die «neue» Rundschau, die sich künftig stärker auf Inland-Themen konzentrieren will, erstmals ausgestrahlt.

Unbequem wurde es in den letzten Monaten aber auffallend oft für die «Rundschau» selber. Erstens leidet das Politmagazin des Schweizer Radios und Fernsehens (SRF) an Zuschauerschwund. Zweitens produzierte dessen «Recherchejournalismus» eine Serie von Fehlleistungen – und damit zahlreiche Beschwerden bei der Ombudsstelle der SRG Deutschschweiz. Und drittens sprach selbige in der Folge eine Reihe von Rügen aus.

Rüffel von Ombudsstelle

So taxierte SRG-Ombudsmann Achille Casanova einen «Rundschau»-Beitrag vom Januar über «Pflegekinder bei Strenggläubigen» als nicht «sachgerecht». Weit höhere Wellen schlugen die Vorwürfe, mit denen die «Rundschau» Ende März SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli an den Karren fuhr. Professor Mörgeli habe am medizinhistorischen Institut der Universität Zürich Doktortitel für simple Arbeiten verliehen.

Der Filmbericht sei als «einseitig anzusehen», da wichtige Aspekte ausgeklammert oder nicht vertieft worden seien, schrieb Casanova in seiner Beschwerdeantwort. Wenigstens stellte er in diesem Fall keine Verletzung des «Sachgerechtigkeitsgebots» fest.

Allerdings verletzte die «Rundschau» dieses Gebot noch in der gleichen Sendung. Bei einem Bericht mit dem Titel «Spaltpilz Vitus» über den Churer Bischof Vitus Huonder habe sich das Publikum über die ganze Angelegenheit nicht genügend eine eigene Meinung bilden können. Wichtige Informationen seien verschwiegen und unwahre Tatsachen «zumindest suggeriert» worden.

Peinliche Tonmanipulation

Man kann es auch so formulieren: Das Schweizer Fernsehen, das gemäss der SRG-Konzession «durch umfassende, vielfältige und sachgerechte Information insbesondere über politische, wirtschaftliche und soziale Zusammenhänge» zur «freien Meinungsbildung des Publikums» beizutragen hat, führte den Zuschauern einen tendenziösen Beitrag vor. Eine «peinliche Panne», wie Ombudsmann Achille Casanova schreibt, leistete sich das SRF in der Sendung «Sportpanorama» vom 12. Mai beim Matchbericht über das Stadtzürcher Derby GC gegen FC Zürich. Aus Protest gegen das Hooligan-Konkordat verzichteten die Fans beider Mannschaften darauf, den Fussballmatch von Anfang an mitzuverfolgen. Die Ränge blieben leer, Fangesänge gab es keine. Das «Sportpanorama» behalf sich mit einem simplen Trick und kopierte die fehlenden Fangeräusche kurzerhand in den Beitrag.

Die Tonmanipulation erachte er als «grobe journalistische Fehlleistung», schrieb Casanova. Immerhin: Das Schweizer Fernsehen gestand den Fehler ein und entschuldigte sich dafür. Es nahm den Lapsus zum Anlass, «die gesamte Abteilung Sport an einem ausserordentlichen Abteilungstreffen zu sensibilisieren, wie über solche Themen berichtet werden muss». Casanova begrüsst diesen Schritt – und legt dem SRF nahe, dem Fernsehpublikum mitzuteilen, welche Schlussfolgerungen das Schweizer Radio und Fernsehen daraus zieht.

Neue Regeln für Sportabteilung

Viel Konkretes lässt sich beim SRF derzeit dazu nicht in Erfahrung bringen. «Die Abteilung Sport arbeitet als Reaktion auf die Tonmanipulation neue Verhaltensrichtlinien aus. Darin ist geregelt, wie SRF-Sportjournalisten in der Berichterstattung auf politische Aktionen in und um Wettkampfstätten, Gewalt und Unfälle reagieren», teilt SRF-Sprecherin Andrea Wenger auf Anfrage mit.

Und was unternimmt das Fernsehen, um journalistische Fehlleistungen à la «Rundschau» künftig zu vermeiden? «Wir nehmen die Kritik ernst und werden sie intern vertieft analysieren», antwortet Wenger. Was das genau bedeutet, lässt sie jedoch offen. Finanziert werden die SRG-Kanäle, zu denen das Schweizer Radio und Fernsehen gehört, zum weitaus grössten Teil durch die Gebührengelder des Publikums. Mit diesen Zwangsabgaben fliessen jährlich rund 1,2 Milliarden Franken in die SRG-Kasse.