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MEDIEN: SRG soll mehr für Zusammenhalt tun

Die SRG sieht sich als Stifterin der nationalen Identität. Studien wecken Zweifel an dieser Sicht. Kritiker sprechen von einer hohlen Floskel.
Roger Braun
Mehr Berichte über andere Sprachregionen: Medienministerin Doris Leuthard, hier auf Bildschirmen des Regieraums des Schweizer Fernsehens, nimmt die SRG in die Pflicht. (Bild: Keystone/Peter Klaunzer)

Mehr Berichte über andere Sprachregionen: Medienministerin Doris Leuthard, hier auf Bildschirmen des Regieraums des Schweizer Fernsehens, nimmt die SRG in die Pflicht. (Bild: Keystone/Peter Klaunzer)

Roger Braun

Es ist die Daseinsberechtigung der SRG: der Zusammenhalt der Schweiz. Knapp 1,2 Milliarden Franken hat die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG) letztes Jahr von den Gebührenzahlern erhalten – rund drei Viertel ihrer Einnahmen. Diese Summe gehört gerechtfertigt. Die SRG rühmt sich denn auch, jenes Medienhaus zu sein, welche das gegenseitige Verständnis der Landesregionen sicherstellt, gewissermassen die «idée suisse» darstellt.

Nur: Ob die SRG diesem Auftrag gebührend nachkommt, ist umstritten. 2012 übte der Bundesrat unverhohlen Kritik an der ungenügenden Berichterstattung aus anderen Sprachregionen. Im Deutschschweizer Radio- und Fernsehen war kaum etwas über die Romandie oder das Tessin zu erfahren; im Gegenzug kam die Deutschschweiz zu wenig im französischen und italienischen Sendegebiet vor. «Es gibt Handlungsbedarf», lautete das Fazit des bundesrätlichen Berichts. Die SRG wurde dazu verknurrt, ein umfassendes Konzept zum sprachregionalen Austausch vorzulegen. Halbjährlich sollte das Medienhaus über die Fortschritte Zeugnis ablegen, währenddessen das Bundesamt für Kommunikation (Bakom) das Programm regelmässig analysieren sollte.

SRG sieht «grosse Anstrengungen»

SRG-Sprecher Daniel Steiner anerkennt, dass die SRG früher weniger über andere Landesregionen berichtet hat. «Es brauchte ein Umdenken», sagt er freimütig. Seither sei aber viel gegangen. Die SRG habe «grosse Anstrengungen» unternommen, um das gegenseitige Verständnis der Landesteile zu verbessern. Niemand stehe mehr für diesen Wandel als Roger de Weck, der seit 2011 Generaldirektor ist. «Das Thema hatte immer oberste Priorität bei ihm.»

Fortschritte konstatiert auch der Bundesrat. Im Service-Public-Bericht vom Juni anerkennt er die Bemühungen der SRG. Allerdings reicht ihm das noch nicht. Der interregionale Kulturaustausch sei die «raison d’être» der SRG, schreibt er. Künftig werde er diesem Aspekt noch mehr Gewicht beimessen müssen. In der nächsten Konzession – die aktuelle läuft bis Ende 2017 – wird der Bundesrat deshalb höhere Ansprüche an die sprachregionale Verständigung stellen.

Studien bleiben kritisch

Dass es mit der Berichterstattung der SRG über die anderen Landesteile noch Verbesserungspotenzial gibt, legen auch aktuelle Studien nahe. Eine vom Bakom in Auftrag gegebene Untersuchung zeigt, dass die Fernsehprogramme nach wie vor einseitig berichten (siehe Grafik). Beispiel Deutschschweiz: 42 Prozent der informativen Beiträge von SRF sind auf die Deutschschweiz bezogen. Um die Westschweiz drehen sich lediglich 9 Prozent der Beiträge, um die italienischsprachige Schweiz gar nur 4 Prozent. Spiegelverkehrtes Bild in der Westschweiz und im Tessin: Hier dominieren Sendungen aus dem jeweiligen Sprachgebiet, auch wenn die Deutschschweiz aufgrund ihrer Grösse etwas häufiger Thema ist als die anderen Sprachregionen in der Deutschschweiz.

Beim Radio präsentiert sich ein ähnliches Bild. In einer ebenfalls vom Bakom initiierten Studie letzten Jahres bilanzieren die Forscher: «Eine wesentliche Integrationsleistung bestünde darin, dass die SRG-Programme dazu beitragen, das Wissen über die jeweiligen anderen Landesteile zu mehren. Gerade zu diesem Aspekt konstatieren aber wissenschaftliche Untersuchungen seit Jahren beträchtliche Defizite. Auch die aktuelle Untersuchung der SRF-Programme kann diesen generellen Befund nur partiell relativieren.»

Pfister hinterfragt Privilegierung

Einen kritischen Zugang zur SRG pflegt auch der Zuger Nationalrat und CVP-Präsident Gerhard Pfister. «Grosse Anstrengungen sehen anders aus», sagt er. Für ihn zeigen die Resultate, dass zwischen der Selbstdefinition der SRG als nationale Kohäsionsinstitution und der Realität eine grosse Kluft besteht. «Damit lässt sich die grosszügige Privilegierung der SRG in der Medienlandschaft Schweiz nicht rechtfertigen.»

Steiner wehrt sich gegen diese Sicht und legt zahlreiche Dokumente vor, die minutiös nachzeichnen, was die SRG die vergangenen Jahre alles getan hat. Demnach gibt die SRG seit letztem Jahr jährlich eine Million Franken zusätzlich aus, um den interkulturellen Austausch zu fördern. Seither arbeiten sechs Mitarbeiter aus allen Sprachregionen in einer Arbeitsgruppe, welche die Zusammenarbeit zwischen den sprachregionalen Sendern verbessern soll. Steiner führt mehrere Sendungen an, die in den letzten Jahren entwickelt worden sind und sich mit den anderen Landesregionen beschäftigen; in der Deutschschweiz zum Beispiel das Radioprogramm «Die anderen/les autres». Jeden Samstagmorgen berichtet auf SRF 1 ein Journalist einer anderen Landesregion über einen interessanten Aspekt seiner Heimat – auf Deutsch wohl, aber mit spürbarem Akzent.

Steiner erwähnt auch Spezialaktionen wie der Moderatorentausch zwischen den Abendnachrichten oder die Dok-Serie «Die Schweizer – Les Suisses» über wichtige Episoden in der Geschichte des Landes mit Protagonisten aus allen Landesteilen. Einer Anpassung der Konzession schaut Steiner gelassen entgegen. «Die SRG ist auf gutem Weg, die höher gesteckten Ziele zu erreichen.»

Pfister sieht das anders. «Das Gerede vom nationalen Zusammenhalt dient der SRG einzig dazu, die Zwangsabgaben in ausreichender Höhe zu sichern», sagt er. Die SRG mache etwas anderes, als sie sage. «Wir haben keinen nationalen Staatsrundfunk, wie immer behauptet wird, sondern drei sprachregionale Staatssender mit je eigenem Profil und mit wenig Verbindung untereinander.»

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