Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

MEDIEN: Umstrittene «Arena»: Ganser blitzt mit Beschwerde ab

Die SRF-Sendung «Arena» mit Daniele Ganser ist programmrechtlich korrekt verlaufen. Der umstrittene Historiker war wie viele Zuschauer der Meinung, von Moderator Jonas Projer ungerecht behandelt worden zu sein.
Tobias Bär
Der umstrittene Historiker Daniele Ganser. (Bild: Christoph Hardt)

Der umstrittene Historiker Daniele Ganser. (Bild: Christoph Hardt)

Tobias Bär

Irgendwann blickte «Arena»-Moderator Jonas Projer direkt in die Kamera und sagte: «Ich habe kaum je eine solch belebte Sendung erlebt.» Es war während der «Arena» vom 24. Februar dieses Jahres. Thema war die Glaubwürdigkeit der Medien, nachdem US-Präsident Donald Trump diese als «Feinde des amerikanischen Volkes» bezeichnet hatte.

Hoch zu und her ging es nicht nur während, sondern auch nach der Sendung. Beim Ombudsmann der SRG gingen fast 500 Beanstandungen ein. Das ist ebenso Rekord wie die acht Beschwerden, die an die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen (UBI) weitergezogen wurden. Grund für die Flut war der Historiker Daniele Ganser, der Gast in der Sendung war. Moderator Projer sei unfair mit Ganser umgegangen, so der Tenor. Gestern entschied die UBI nach zweistündiger öffentlicher Beratung: Die SRG hat keine programmrechtlichen Bestimmungen verletzt. Alle Beschwerden – darunter eine von Ganser sel- ber – wurden abgewiesen.

Die «Arena» mit Ganser war schon früh aus dem Ruder gelaufen, als Projer die umstrittenen Ansichten seines Gastes thematisierte. Ganser stellt die offizielle Version zu den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in Frage. Für seine Gegner ist der 45-Jährige deshalb ein «Verschwörungstheoretiker». Projer konfrontierte den Historiker mit dessen widersprüchlichen Äusserungen. Auf Twitter hatte Ganser einen Beitrag der SRF-Sendung «Einstein» zu 9/11 als diffamierend bezeichnet, denselben Beitrag in einer Mail an die SRF-Redaktion aber als «fair und sachlich» gelobt. Projer liess die Mail einblenden, allerdings nur in gekürzter Form. Im zweiten Satz der Mail hatte Ganser den schlechten «Mix» der «Einstein»-Sendung moniert. «Sie, das ist eine Riesenfrechheit», enervierte sich Ganser. «Sie nehmen etwas und schneiden den anderen Teil weg.» In der Folge lieferten sich Projer und Ganser ein minutenlanges Privatduell.

«So rede ich mit meiner sechsjährigen Tochter»

UBI-Mitglied Reto Schlatter sagte bei der gestrigen Beratung, Ganser habe sich «verständlicherweise» gegen die verkürzte Darstellung der Mail gewehrt. Einer Mail, die überdies nicht ohne Einwilligung von Ganser hätte veröffentlicht werden dürfen, so Schlatter. Damit habe SRF zweifach gegen das Sachgerechtigkeitsgebot verstossen. Zum selben Schluss war im April auch SRG-Ombudsmann Roger Blum gekommen. Sukkurs erhielt Schlatter von UBI-Mitglied Mascha Santschi Kallay. Moderator Projer habe den umstrittenen Gast offensichtlich vorführen wollen. «So wie er mit Ganser gesprochen hat, so rede ich mit meiner sechsjährigen Tochter.» Andere Mitglieder der Beschwerdeinstanz verteidigten die Arbeit der «Arena»-Redaktion. Diese habe zwar Fehler im Umgang mit Ganser gemacht, man solle die rund zehnminütige Auseinandersetzung zwischen Moderator und Gast aber nicht überbewerten. In ihrer Gesamtheit sei die Sendung nicht tendenziös gewesen, das Publikum habe sich durchaus eine eigene Meinung bilden können. Damit liege auch keine Verletzung des Sachgerechtigkeitsgebots vor. Diese Meinung setzte sich schliesslich durch – wenn auch denkbar knapp mit Stichentscheid der Vizepräsidentin.

Der Chefredaktor von Fernsehen SRF, Tristan Brenn, sagte nach dem Entscheid: «Es war sicher nicht die beste «Arena» aller Zeiten. Die Diskussion lief zeitweise aus dem Ruder.» Die UBI sei aber richtigerweise zum Schluss gekommen, dass das Programmrecht nicht verletzt worden sei. Gemäss Brenn liess sich die Verkürzung der Mail sachlich begründen. Und: «Die Kontroverse zwischen Jonas Projer und Daniele Ganser war hart, aber niemals ehrverletzend oder beleidigend.» Ganser war gestern nicht zu erreichen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.