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MEDIEN: Unmut über Grossaufgebot: 238 SRG-Mitarbeiter bei Bundesratswahlen

Bei den Bundesratswahlen standen fast gleich viele SRG-Mitarbeiter wie Parlamentarier im Einsatz. Die SRG habe offenbar zu viel Geld, sagen Kritiker.
Kari Kälin
Dutzende Journalisten wollen nach Ignazio Cassis’ Wahl den neuen Magistraten befragen. (Bild: Marcel Bieri/Keystone (Bern, 20. September 2017))

Dutzende Journalisten wollen nach Ignazio Cassis’ Wahl den neuen Magistraten befragen. (Bild: Marcel Bieri/Keystone (Bern, 20. September 2017))

Kari Kälin

«Qualitätsjournalismus», sagt Doris Leuthard, «hat seinen Preis.» Die Worte der Medienministerin verfehlten ihre Wirkung nicht. Das Parlament lehnte in der Herbstsession die No-Billag-Initiative zur Abschaffung der Radio- und TV-Gebühren ab. Auch der Gegenvorschlag der SVP, die Gebühren auf 200 Franken zu halbieren, scheiterte.

Durch den Grossaufmarsch der SRG rund um die letzten Bundesratswahlen sehen sich die SRG-Kritiker aber in ihrer Annahme bestätigt, dass sich qualitativ hochstehender Service public auch billiger erbringen lässt. Als das Parlament Ignazio Cassis für Didier Burkhalter in die Landesregierung hievte, standen in Bern alle rund 30 SRG-Bundeshaus-, 48 weitere Journalisten sowie 160 Techniker im Einsatz – das entspricht fast der Grösse der Vereinigten Bundesversammlung (246 Mitglieder).

Gekostet hat die Übertragung einen hohen fünfstelligen Betrag. Dies hielt der Bundesrat letzten Montag in der schriftlichen Antwort auf eine Frage des Schwyzer SVP-Nationalrats Marcel Dettling fest. Ein so hoher Aufwand ist nicht die Ausnahme, sondern die Regel: «Die Kosten der Übertragungen der Bundesratswahlen in alle Landesteile sind vergleichbar mit den Produktionskosten ähnlicher Live-Übertragungen.» SRG-Sprecher Edi Estermann ergänzt, es seien für die Bundesratswahlen keine zusätzlichen Personen eingestellt worden.

Auch Regionalsender berichteten über Cassis’ Wahl. Das Zentralschweizer Fernsehen Tele 1 entsandte eine einzige Videojournalistin ins Bundeshaus nach Bern. Tele Züri, Tele M1 und Tele Bärn stemmten die Berichterstattung mit vier Journalisten und sieben Technikern.

Man könne auch mit viel weniger Mitarbeitern gute Sendungen machen, sagt Dettling. Und: «Die SRG verfügt offenbar über zu viel Geld, dass sie sich einen solchen Personalaufwand leisten kann.» Der Grossaufmarsch illustriere die Übermacht gegenüber den Regionalsendern, so der SVP-Nationalrat.

FDP-Nationalrat stimmt aus Trotz für No-Billag-Initiative

Auch Peter Schilliger zeigt sich irritiert über das SRG-Aufgebot an den Bundesratswahlen. «Die SRG zeigt keinerlei Bereitschaft, ihren überbordenden Aufwand in Frage zustellen», sagt der Luzerner FDP-Nationalrat. Dies sei nur möglich dank der Zwangsabgaben. Aus Trotz stimmte Schilliger für die No-Billag-Initiative. Er sei sich aber bewusst, dass man ohne Gebührengelder keinen Service public leisten könne. Schilliger wertet den Gegenvorschlag als guten Kompromiss.

Nicht alle Parlamentarier störten sich an den zahlreichen SRG-Kameras und Journalisten. «Ich masse mir nicht an, beurteilen zu können, ob das Aufgebot angemessen oder übertrieben war», sagt Nationalrat Martin Candinas (CVP/GR), der immer wieder eine Lanze für die SRG bricht. «Fakt ist, dass die SRG in allen vier Sprachregionen umfassend und sachlich über die Bundesratswahlen informiert hat.»

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