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MEDIEN: Wasserfallen will Diät für SRG

Soll man Radio SRF 3 ausknipsen? Nationalrat Christian Wasserfallen kann sich dies vorstellen. Damit schiesse er ein Eigentor, sagt Rats­kollege Martin Candinas.
SRF-3-Moderatorinnen arbeiten im Studio in Zürich. Die Aufnahme stammt vom März 2012. (Bild: Keystone/Geatan Bally)

SRF-3-Moderatorinnen arbeiten im Studio in Zürich. Die Aufnahme stammt vom März 2012. (Bild: Keystone/Geatan Bally)

Kari Kälin

Rund 1,3 Millionen Hörer schalten täglich Radio SRF 3 ein. Bekannt ist der Sender der SRG, der am 1. November 1983 seinen Betrieb aufnahm, unter anderem für Formate wie «Die haarsträubenden Fälle des Philip Maloney», das Spiel «Abc SRF 3» und Hitparadenmusik. Gut einen Monat vor der Abstimmung über das neue Radio- und Fernsehgesetz (RTVG) stellt nun der Berner FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen dessen Existenzberechtigung in Frage. «Wenn private Sender künftig digital über DAB+ vermehrt nationale Programme ausstrahlen können, braucht es SRF 3 als Unterhaltungssender nicht zwingend», sagt der Vizepräsident der Aktion Medienfreiheit. Wasserfallen sieht jedenfalls keinen Grund, weshalb private Anbieter oftmals KMU-Betriebe – nicht in der Lage sein sollten, ein informatives, knackiges, freches und auf ein jüngeres Publikum ausgerichtetes Programm auszustrahlen.

Unterhaltung durch Privatsender

Wasserfallen, der im Verwaltungsrat von Radio Bern 1 sitzt, schlägt für die SRG mit ihren derzeit 7 TV- und 17 Radiosendern grundsätzlich eine Schlankheitskur vor. Auf jeden Fall müsse man klären, welche Inhalte unter dem Titel Service public überhaupt angeboten werden müssten, bevor mit dem neuen RTVG eine Mediensteuer eingeführt werde. Laut Wasserfallen könnte man aufgrund der heute verfügbaren Rückspulfunktionen auf 24-Stunden-Vollprogramme langsam und auf Wiederholungskanäle wie SRF Info ganz verzichten. Gerade bei Unterhaltungssendungen und Sport können private Sender geradeso gut kostenlose und qualitativ hochstehende Angebote präsentieren, ist Wasserfallen überzeugt. Er fordert generell vermehrt eine subsidiäre Rolle der SRG, die sie als Unternehmen frei umsetzen soll. Mit anderen Worten: Die SRG soll das tun, was Private nicht machen.

«Es käme zu einem Aufstand»

Die Eidgenössische Medienkommission (Emek) erarbeitet derzeit einen Bericht zum Service public. Wasserfallen hat seine Ideen der Emek im Rahmen einer Anhörung präsentiert. Dass er an einem beliebten Sender wie SRF 3 rüttelt und sich allenfalls unbeliebt macht, nimmt er in Kauf. Bis jetzt habe er erstaunlich wenige negative, dafür umso mehr positive Reaktionen auf seine Vorschläge erhalten. Übrigens: An Couleur 3 und Rete 3, dem Westschweizer und dem Tessiner Pendant zu SRF 3, möchte Wasserfallen festhalten. «In diesen Sprachregionen ist das private Angebot ungenügend», sagt er. Überhaupt solle die SRG ihren Service public auf diese Gebiete konzentrieren.

Martin Candinas, Befürworter der RTVG-Revision, hält nichts von einer Diät für die SRG. Der Bündner CVP-Nationalrat glaubt, dass sein Berner Ratskollege Wasserfallen mit seinen Plänen ein Eigentor geschossen hat. «Radio SRF 3 ist beliebt. Wenn die Politik es abschaffen wollte, käme es zu einem Aufstand», sagt er. SRF 3 sei gerade auch deshalb notwendig, weil der Sender jungen, einheimischen Musikern eine Plattform biete. Die Gegner der SRG würden jetzt ihr wahres Gesicht zeigen, sagt Candinas. Es gehe ihnen nämlich um einen Service-public-Abbau. Der Bündner Nationalrat kritisiert auch Hans-Ulrich Bigler, den Direktor des Schweizerischen Gewerbeverbandes. Dieser hatte in einem Interview gesagt, dass man die Radio- und TV-Gebühren gegenüber heute ungefähr halbieren sollte. «Wenn ich mir Bayern gegen Barcelona anschauen will, müsste ich dafür künftig vielleicht etwas bezahlen», ergänzte Bigler.

Champions League als Bezahl-TV? Damit kann sich Candinas nicht anfreunden. Für den Christdemokraten ist klar: Die SRG muss selber entscheiden, wie sie ihre Finanzen einsetzt. «Und die Politiker sollen nicht Programmdirektoren spielen.»

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