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MEDIEN: Wird das Nein zum Bumerang?

Überraschend hat der Kanton Tessin das neue Radio- und Fernsehgesetz verworfen. SRG-Verwaltungsrat Luigi Pedrazzini befürchtet nun, dass die italienischsprachige Schweiz weniger Mittel für die mediale Grundversorgung erhält.
Das Abstimmungsresultat vom Sonntag ist für das Schweizer Radio- und Fernsehen in der italienischen Schweiz (RSI) kein Aufsteller. (Bild: Keystone/Peter Schneider)

Das Abstimmungsresultat vom Sonntag ist für das Schweizer Radio- und Fernsehen in der italienischen Schweiz (RSI) kein Aufsteller. (Bild: Keystone/Peter Schneider)

Kari Kälin

Der Kanton Tessin zählt rund 350 000 Einwohner, im Kanton Graubünden geben rund 20 000 Personen Italienisch als Hauptsprache an. Über eine mangelnde mediale Service-public-Versorgung braucht man sich in der Südschweiz nicht zu beklagen. In ausgedehnten Live-Einschaltungen erfahren zum Beispiel Radiohörer das Neueste über Challenge-League-Spiele wie Chiasso gegen Schaffhausen.

RSI zählt 1236 Mitarbeiter

Das Radio und Fernsehen der italienischen Schweiz (RSI) betreibt zwei Fernseh- und drei Radiosender sowie eine umfassende Internetplattform. Mit 1236 Mitarbeitern ist das RSI hinter der kantonalen Verwaltung zweitgrösster Arbeitgeber im Kanton, wie der «Tages-Anzeiger» gestern aufzeigte. Die Betriebskosten des RSI betrugen im letzten Jahr stolze 244,2 Millionen Franken. Die im Verhältnis zur Bevölkerungszahl grosszügige Versorgung kann sich das RSI nur dank des SRG-internen Finanzausgleichs leisten. Die italienische Schweiz trägt nur 4,5 Prozent zu den Gesamteinnahmen der SRG bei, erhält aber knapp 21 Prozent aus dem SRG-Milliardentopf. Der Kanton Tessin profitiert also am meisten von der Umverteilung, die SRG-Generaldirektor Roger de Weck so gerne als Beitrag zum nationalen Zusammenhalt verkauft.

Umso mehr überrascht das Nein des Kantons zum neuen Radio- und Fernsehgesetz (RTVG) vom Sonntag. 52 Prozent der Tessiner lehnten die flächendeckende Haushaltsabgabe ab. Bekanntlich wurde sie schweizweit nur durch ein Zufallsmehr angenommen. Wie lässt sich die Ablehnung ennet des Gotthards deuten? Generell unbeliebt sind die RSI-Sender jedenfalls nicht. Sie kommen immerhin auf einen Marktanteil von gut 65 Prozent.

Kein Interesse an Service public?

Luigi Pedrazzini ist SRG-Verwaltungsrat und Präsident der SRG-Regionalgesellschaft der italienischsprachigen Schweiz. Der frühere CVP-Regierungsrat kann sich das Ergebnis nicht erklären und befürchtet nun negative Konsequenzen: «Die Ablehnung könnte die privilegierte Position der italienischsprachigen Schweiz bei der Verteilung der SRG-Gelder in Frage stellen», sagt er. «Man könnte das Ergebnis auch so interpretieren, dass die Tessiner gar nicht so viel Interesse an einem medialen Service public von einem gewissen Umfang haben.» Auf jeden Fall bereite ihm das Tessiner Nein keine Freude. Als mögliche Gründe für das erstaunliche Votum führt er die Tatsache ins Feld, dass das neue Gebührenmodell als Steuer wahrgenommen worden sei.

Pedrazzini stellt zudem eine generelle Skepsis und Kritik gegenüber Vorlagen aus Bern fest. «Der Kanton Tessin ist leider ein Nein-Sager-Kanton geworden», sagt er. Schliesslich habe kaum eine Debatte über das RTVG stattgefunden. «Die Parteien haben das Feld der Lega dei Ticinesi überlassen, die seit Jahren fast Sonntag für Sonntag im ‹mattino della domencia› gegen das RSI polemisiert», sagt Pedrazzini.

Für die Lega steht das RSI links

In der Tat gehen Lega-Politiker unzimperlich mit dem RSI um. Nationalrat Lorenzo Quadri etwa geisselte es als «angebliche» Service-public-Anstalt, die in Tat und Wahrheit ein Propagandaorgan der politischen Linken sei.

Luigi Pedrazzini, SRG-Verwaltungsrat: «Der Kanton Tessin ist leider ein Nein-Sager-Kanton geworden.» (Bild: PD)

Luigi Pedrazzini, SRG-Verwaltungsrat: «Der Kanton Tessin ist leider ein Nein-Sager-Kanton geworden.» (Bild: PD)

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