Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

SRF will mehr Frauen vor und hinter die Kameras bringen – das Vorbild ist die BBC

SRF startet eine Initiative für eine bessere Medienpräsenz von Frauen. Der Nachholbedarf ist beträchtlich.
Christian Mensch
SRF hat mit Nathalie Wappler zwar eine Direktorin an der Spitze, aber noch zu wenig Frauen im Programm. (Bild: Severin Bigler)

SRF hat mit Nathalie Wappler zwar eine Direktorin an der Spitze, aber noch zu wenig Frauen im Programm. (Bild: Severin Bigler)

Die Frauen haben in den Schweizer Medien einen schweren Stand. Nur gerade jede vierte Person, die namentlich erwähnt wird, ist weiblich. Und nur hinter jedem dritten Beitrag steht eine Frau. Zu diesem Resultat ist eine Studie des Global Media Monitoring Projects gekommen, die in 114 Ländern die Medienpräsenz von Frauen untersuchte. In Zeitungen liegen die Anteile noch etwas tiefer, bei den elektronischen Medien etwas höher.

Obwohl eine UNO-Weltfrauenkonferenz bereits vor zwanzig Jahren eine gerechte Geschlechtervertretung in den Medien als strategisches Ziel formuliert hatte, haben sich zumindest in den traditionellen Medien die Verhältnisse kaum verbessert. Das könnte sich nun aber ändern – dank einer Initiative, die der BBC-Journalist Ros Atkins vor zwei Jahren startete und die nun international Schule macht.

Auch SRF will nach BBC-Vorbild ein 50:50-Projekt starten, wie Chefredaktor Tristan Brenn seinen Mitarbeitern diese Woche mitteilte. In den nächsten Monaten werde ein Programm zur ausgewogenen Geschlechterpräsenz erarbeitet, erklärt SRF auf Anfrage. Wie ein solches gelingen kann, zeigt eine Studie, die kürzlich die BBC zu ihrem Projekt publizierte: mit möglichst wenig Vorgaben.

Atkins, Moderator der Sendung «Outside Source» auf BBC News startete mit einer simplen Auflistung, wie viele Männer und Frauen in seinem Programm jeweils vorkommen. Alleine die stete Aufmerksamkeit auf die Geschlechterfrage habe innerhalb von vier Monaten die Frauenquote von unter vierzig auf fünfzig Prozent erhöhen lassen. Damit war der Keim gelegt. Weitere BBC-Redaktionen begannen, Rechenschaft über die Präsenz von Frauen in ihren Sendungen abzulegen. Ein Wettbewerb entstand zwischen den Abteilungen, welche am erfolgreichsten Frauen für ihre Sendungen gewinnt. Mittlerweile nehmen 500 BBC-Teams daran teil.

Was das britische Programm von zahlreichen, gescheiterten Frauenförderungsinitiativen unterscheidet: Es ist nicht von oben diktiert; jede Redaktion ist frei, ob sie sich daran beteiligt. Die 50:50-Quote ist zudem sportliche Absicht, keine Vorgabe.

Besonders ist auch die Zählweise: Die Protagonisten, die zwingend für die Berichterstattung sind, werden nicht erfasst, da sie für die Redaktion gesetzt und nicht wählbar sind. Dafür wird in Eigenverantwortung gezählt, ob Frauen oder Männer als Reporter im Einsatz sind, ob Expertinnen oder Experten befragt werden. Oder wie BBC sagt: «Jeder und jede, die uns helfen, damit wir über News berichten und sie analysieren können.» Nie erhalte eine Frau Medienpräsenz, nur um eine Quote zu erreichen. Der angefachte Wettbewerb führe jedoch dazu, dass die Redaktionen motiviert seien, Frauen zu entdecken, die bisher nie befragt worden sind. Die BBC-Studie beschreibt, dass diese Frauen wiederum für neue Themen sorgten und damit das Programm weiblicher machten.

Eine begleitende Zuschauerforschung hat ergeben, dass jeder dritte BBC-Nutzer meint, die Veränderung festgestellt zu haben. Frauen und ein jüngeres Publikum begrüssten den veränderten Geschlechtermix. Von den über 55-jährigen der Befragten sagte allerdings jeder sechste, er schaue nun weniger BBC.

Die Idee wurde mittlerweile in den USA, Australien, Südafrika, Asien und Europa adaptiert. Was SRF nun in den nächsten Monaten prüft, hat sich der litauische Rundfunk bereits zu eigen gemacht.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.