Kommentar
Wir brauchen mehr Weihnachten, nicht weniger!

Chefredaktor Jérôme Martinu über falsche Vorstellungen von politischer Korrektheit.

Jérôme Martinu
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Jérôme Martinu, Chefredaktor.

Jérôme Martinu, Chefredaktor.

«Das überlassen wir der Kirche. Und natürlich den Familien.» Das sagt die Schulleiterin diese Woche auf Radio SRF 1 auf die Frage, warum an der Primarschule im zürcherischen Embrach Weihnachten nicht mehr gefeiert werde.

Man reibt sich verwundert die Augen! «Jahresabschlussfeier» statt Schulweihnachten? In Embrach geht das so: Feuer im Wald mit Schoggibrötli, Ballone mit Wünschen steigen lassen. In der Singrunde werden die christlichen Inhalte rausfrisiert: «‹O du Fröhliche› und ‹Stille Nacht› gehören nicht mehr wirklich ins Repertoire», so die Schulleiterin. Man wähle Lieder, bei denen alle Religionen mitsingen könnten. Und Christbäume? Diese hätten nicht unbedingt etwas mit der christlichen Religion zu tun, «die kann man auch an einer Schule mit multikulturellem Hintergrund aufstellen, ohne dass da Probleme entstehen».

425 Primaner gehen in Embrach zur Schule, 40 Prozent reden zu Hause nicht Deutsch. Die Schulleitung hat den Entscheid zur «Entweihnachtung», zur Nichtbeachtung des christlichen Kern des Fests, bestimmt intensiv diskutiert. Multikulturalität, Gleichbehandlung und Rücksichtnahme auf die unterschiedlichen religiösen und kulturellen Prägungen mögen die Gründe gewesen sein. Nichtsdestotrotz: Das ist eine falsche Vorstellung von politischer Korrektheit.

Eine Schule muss keine Weihnachtsfeier abhalten. Wenn sie es aber tut, so ist es nicht richtig, diese vorsätzlich von ihrem Ursprung zu lösen. Zur Herkunft stehen, das hat nichts mit Konservatismus zu tun. Integration fängt dort an, wo wir die eingewanderten Mitmenschen mit unserer Kultur, dem christlich-abendländischen Ursprung unserer Gesellschaft vertraut machen. Wir brauchen mehr Weihnachten, nicht weniger.