MENSCHENHANDEL: Schlepperbande landet in Lugano vor Gericht

Vor dem Kantonsstrafgericht in Lugano hat am Mittwoch ein Prozess gegen eine mutmassliche Schlepperbande begonnen. Sie soll in 46 Fällen zwischen September 2013 und September 2014 vorwiegend syrische Flüchtlinge über die Schweiz nach Deutschland geschleust haben.

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Ein Flüchtling wartet in Chiasso - den Schleppern wird vorgeworfen, aus der Notsituation von Flüchtlingen Profit geschlagen zu haben. (Symbolbild) (Bild: KEYSTONE/TI-PRESS/PABLO GIANINAZZI)

Ein Flüchtling wartet in Chiasso - den Schleppern wird vorgeworfen, aus der Notsituation von Flüchtlingen Profit geschlagen zu haben. (Symbolbild) (Bild: KEYSTONE/TI-PRESS/PABLO GIANINAZZI)

Durchschnittlich sollen drei Flüchtlinge an Bord der Transporte gewesen sein - insgesamt haben die fünf Schlepper 143 Menschen aus Syrien oder den Anrainerstaaten in die Schweiz gebracht. Die Transporte sollen aus der Region von Mailand und Varese über nicht besetzte Grenzübergänge in die Schweiz erfolgt sein, wie aus der Anklageschrift hervorgeht.

Ein Teil der geschleusten Menschen sei von der griechischen Insel Korfu gekommen, sagte einer der Angeklagten vor Gericht. Dafür seien Wohnmobile in Italien angemietet worden. Den weiteren Transport in Richtung der Grenzstellen nach Deutschland, Kleinhüningen (BS) und Kreuzlingen (TG), haben die Männer über ein "Staffel-System" mit mehreren Fahrzeugen organisiert.

Vorwurf: Schwerer Wucher

Dem Hauptangeklagten wird vorgeworfen, wirtschaftliche Vorteile aus der Notsituation von 143 beförderten Menschen geschlagen zu haben. Für den Schlepperdienst sollen er und die Mitangeklagten zwischen 500 und 890 Franken verlangt haben. Der übliche "Tarif" hat auf dieser Strecke aber laut Anklageschrift nur rund 360 Franken betragen. Auf diese Weise soll der 44-Jährige mit Unterstützung der weiteren Angeklagten zwischen 23'000 und 34'000 Franken eingenommen haben.

Der Prozess begann am Mittwoch mit der Befragung der Angeklagten aus dem Iran, Italien und Brasilien. Sie müssen sich vor dem Kantonsstrafgericht wegen Verletzungen des Ausländergesetzes, schwerem Wucher und Verstössen gegen das Betäubungsmittelgesetz verantworten. Da sie auch in grossem Stil SIM-Karten für Mobiltelefone gefälscht haben sollen, wird ihnen ebenfalls ein Verstoss gegen das Fernmeldegesetz vorgeworfen.

Über den weiteren Verlauf des Prozesses machte der Richter noch keine Angaben. (sda)