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MIGRATION: Weniger Asylsuchende aus Eritrea

Die Zahl der Asylgesuche von Personen aus Eritrea ist deutlich gesunken. Dies, weil weniger Eritreer nach Italien kommen – und weil die Schweiz als Zielland weniger beliebt ist.
Tobias Bär
Deutschunterricht für Asylbewerber aus Eritrea. (Archivbild: Philipp Schmidli)

Deutschunterricht für Asylbewerber aus Eritrea. (Archivbild: Philipp Schmidli)

Die Menschenrechtslage in Eritrea ist schlecht. Wie schlecht, ist schwierig zu beurteilen. Ausländischen Besuchern ist es kaum möglich, einen Blick hinter die Fassade zu werfen. Die Einschätzung des Staatssekretariats für Migration (SEM) zeigt jedenfalls kein schönes Bild: Vor allem im Rahmen des Nationaldienstes, der für Frauen und Männer obligatorisch und zeitlich nach wie vor unbeschränkt ist, komme es zu Menschenrechtsverletzungen. Aber auch Regierungskritiker müssen damit rechnen, ohne Verfahren inhaftiert zu werden, nicht selten werden sie gefoltert. Nach wie vor verlassen jeden Monat Tausende ihr Heimatland.

Den Weg in die Schweiz finden allerdings immer weniger von ihnen: 2015 gingen noch fast 10 000 Asylgesuche von Personen aus Eritrea beim Bund ein, im vergangenen Jahr war es nur noch etwa die Hälfte. Und im laufenden Jahr setzt sich der Rückgang fort: Bis Ende Mai zählten die Behörden erst rund 1400 Gesuche von Eritreern. Zwar ist die Zahl der Asylgesuche seit 2015 gesamthaft zurückgegangen. Doch die Zahl der Gesuche aus Eritrea ist auch relativ rückläufig: Vor zwei Jahren machten sie noch 25 Prozent aller Gesuche aus, im laufenden Jahr waren es bis Ende Mai nur noch rund 19 Prozent.

Gemäss SEM-Sprecher Martin Reichlin hat dies einerseits mit den Anlandungen in Italien zu tun: «Zuletzt suchten vor allem Personen aus Westafrika und Bangladesch den Weg über das zentrale Mittelmeer.» Demgegenüber sei die Zahl der Per­sonen aus Ostafrika – und damit auch aus Eritrea – zurückgegangen. Andererseits hat die Schweiz für jene Eritreer, die den Weg nach Europa finden, an Attraktivität eingebüsst.

Deutschland und Schweden sind beliebter

Im vergangenen Jahr gehörte die Schweiz bei den Gesuchen aus Eritrea zwar immer noch zur europäischen Spitze. Nur Deutschland und Italien zählten noch mehr Asylsuchende aus dem ostafrikanischen Land. Inzwischen wolle aber die Mehrheit der Eri­treer, die das Grenzwachtkorps im Tessin aufgreife, nach Deutschland, Schweden oder in die Niederlande weiterreisen, schreibt das SEM. «Die konsequente Anwendung des Dublin-Abkommens durch die Schweiz hat wohl zu dieser Entwicklung mit beigetragen», sagt Reichlin. Asylsuchende müssen damit rechnen, ins Erstaufnahmeland überstellt zu ­werden. Dazu kommt, dass die Schweiz Gesuche von Personen mit guten Aussichten auf ein Bleiberecht nicht prioritär behandelt. Gesuche aus Eritrea gehören in diese Kategorie. Constantin Hruschka von der Schweizerischen Flüchtlingshilfe sagt hingegen: «Die Anziehungskraft eines Landes hängt massgeblich von den Gerüchten ab, die unter den Asylsuchenden kursieren.» In diese Kategorie falle etwa die Falschmeldung, wonach die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel Hunderttausende Jobs für Flüchtlinge schaffen wolle. Über Detailinformationen zur Asylpraxis eines Landes verfügten die Menschen, die sich auf den Weg nach Europa machen, hingegen nur selten.

Entsprechend vernachlässigbar sei auch der Effekt der Praxisverschärfung für Asylsuchende aus Eritrea, so Hruschka. Seit rund einem Jahr werden Eritreer, die das Land zwar illegal verlassen haben, jedoch noch kein Aufgebot für den Nationaldienst erhalten haben, von diesem befreit sind oder bereits entlassen wurden, nicht mehr als Flüchtlinge anerkannt. In welchem Mass die Praxisanpassung zum Rückgang eritreischer Gesuche beigetragen hat, kann das SEM nicht genau sagen. Reichlin hält allerdings fest: «Die Änderung betrifft nur den kleineren Teil der eritreischen Asylsuchenden.»

In den Augen der Schweize­rischen Flüchtlingshilfe stützt sich die Praxisänderung auf eine unzureichende Informationsgrundlage. Es sei alles andere als sicher, dass den abgewiesenen Eritreern bei der Rückkehr tatsächlich keine dramatische Bestrafung mehr drohe. «Unsere Informationen deuten eher darauf hin, dass sich die Menschenrechtslage zuletzt wieder verschlechtert hat», sagt Hruschka. Das Bundesverwaltungsgericht hat sich Anfang Februar in einem Grundsatzurteil allerdings hinter das Vorgehen der Bundesbehörden gestellt.

Tobias Bär

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