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MILITÄR: Armeechef will «den Verräter auf die Schlachtbank führen»

Vor Generalstabsoffizieren nimmt André Blattmann das Projekt Bodluv in Schutz – und schiesst scharf gegen die Medien sowie kritische Stimmen aus den eigenen Reihen.
Eva Novak
Armee-Chef André Blattmann. (Bild: Keystone / Gian Ehrenzeller)

Armee-Chef André Blattmann. (Bild: Keystone / Gian Ehrenzeller)

Eva Novak

Korpskommandant André Blattmann, noch bis Ende Jahr Chef der Armee (CdA), hat ein Problem. Nicht etwa mit dem umstrittenen Projekt für eine bodengestützte Luftabwehr (Bodluv), das Verteidigungsminister Guy Parmelin vor ein paar Wochen sistiert hat, nachdem sich unter anderem herausgestellt hatte, dass die zu beschaffenden Lenkwaffen den Anforderungen nicht genügten. Da sei «gute Arbeit geleistet worden», erklärte der CdA am vergangenen Wochenende. Das Problem sei ein anderes: «Wir haben offensichtlich einen Verräter, der Dokumente nach aussen gegeben hat.»

«Unsere Doktrin in Frage gestellt»

Was mit diesem Mann zu geschehen habe, erläuterte der oberste Soldat vor über 150 Generalstabsoffizieren, die sich im aargauischen Brugg zu einem Seminar versammelt hatten, und liess dabei keinen Zweifel offen: «Ich freue mich, wenn man den Missetäter, den Verräter findet, und ich freue mich, wenn wir den im übertragenen Sinne auf die Schlachtbank führen können. Gerne bin ich behilflich beim Demontieren der Gradabzeichen.» Denn der Betreffende habe «die Zukunft unserer Armee und unserer Doktrin in Frage gestellt», sagte Blattmann wörtlich und stellte implizit den Verdacht in den Raum, dass dieser «widerliche Kerl» möglicherweise im Auftrag der Konkurrenz gehandelt habe.

Auch die Medien, welche über die Ungereimtheiten in der geplanten Milliardenbeschaffung berichtet hatten, bekamen ihr Fett ab. Allen voran der Moderator der Sendung «Rundschau» des Schweizer Fernsehens SRF, welche Teile der Dokumente veröffentlichte, nachdem die «Zentralschweiz am Sonntag» vor dem drohenden Milliardenfiasko gewarnt hatte. Diesen titulierte der Armeechef als «Sandro Kotz, äh Brotz».

Den Generalstabsoffizieren entlockte dies einige Lacher. Sonst aber hielt sich die Begeisterung über Blattmanns Ausführungen offenbar in Grenzen, wie ein Teilnehmer im Blog der Generalstabsoffiziere schreibt. Weil sich der CdA «mit dem Wiederholen bekannter PR-Botschaften» begnügt und den unbekannten «Verräter» aus dem Projektteam zum Abschuss freigegeben habe, sei der Applaus am Ende seiner Ausführungen «eher dürftig» ausgefallen.

Kritik von Sicherheitspolitikern

Ausgiebig Schelte gibt es dafür von den Sicherheitspolitikern. «Wir sind nicht in der Türkei – bei uns muss Kritik möglich sein», erklärt der freisinnige St. Galler Nationalrat Walter Müller auf Anfrage. SVP-Fraktionschef Adrian Amstutz erinnert daran, dass im schweizerischen Milizsystem der Bürger auch Soldat und der Soldat auch Bürger sei. Das bedinge ein vertrauensorientiertes Führen und nicht einen «sowjetischen Führungsstil». Wenn Armeechef Blattmann das wirklich so gesagt habe, dann sei er nicht ernstfalltauglich.

Glättli: «Lage nicht mehr im Griff»

Ein Chef der Armee, der zur Hexenjagd aufruft und interne kritische Stimmen als ‹Verräter› bezeichnet, habe seinen Job definitiv verfehlt, lautet der Kommentar von Balthasar Glättli. Für den Fraktionschef der Grünen zeigen die martialische Sprache und die billige Verachtung gegenüber Medienschaffenden, dass Blattmann die Lage nicht mehr im Griff habe.

«Würde er nicht sowieso zurücktreten, müsste ich seinen Rücktritt fordern», so Glättli. So aber erwarte er von Bundesrat Parmelin, «dass er den CdA dafür rügt und ihn zu einer öffentlichen Entschuldigung gegenüber den Medien auffordert».

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