MILITÄR: VBS prüft Jokertage für Rekruten

Die Armee prüft, Rekrutenschülern die Möglichkeit zu geben, während ihrer Ausbildung an ein bis zwei Tagen unbegründet zu fehlen. Der Vorschlag dürfte die Diskussion um die «Weichspül-RS» weiter anheizen.

Sebastian Keller
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Rekruten der Infanterie stehen in Reih und Glied. (Bild: Christian Beutler/Keystone (Colombier, 17. Mai 2013))

Rekruten der Infanterie stehen in Reih und Glied. (Bild: Christian Beutler/Keystone (Colombier, 17. Mai 2013))

Sebastian Keller

Unbegründet fehlen – das ist heute in der Rekrutenschule undenkbar. Urlaub erhalten Soldaten und Rekruten nur, wenn ihn der zuständige Kommandant auf begründetes Gesuch hin bewilligt. Ein Anrecht auf persönlichen Urlaub besteht nicht.

Nun macht sich die Schweizer Armee Gedanken, ob sie diese Regelung lockern soll. Sogenannte Jokertage, wie sie bereits von Volksschulen in einigen Kantonen bekannt sind, stehen zur Diskussion. Tage also, an denen Soldaten ohne Begründung eine Auszeit nehmen dürfen. «Die Idee ist in Überlegung», bestätigt Armeesprecherin Delphine Alle­mand Recherchen der «Zentralschweiz am Sonntag». Die Überlegungen fänden im Rahmen der Planung für die künftige Ausbildung in der Armee statt.

Zwei freie Tage seien die Diskussionsgrundlage, sagt die Armeesprecherin weiter. Wie eine mit der Materie vertraute Person sagt, sei angedacht, dass die Armeeangehörigen die Jokertage nicht einziehen dürfen, wenn beispielsweise lange Märsche oder Abschlussübungen bevorstehen. Sperrtage seien wahrscheinlich. So handhaben es auch die Volksschulen. Am ersten Schultag oder dem letzten Tag vor den Ferien sind mancherorts die Jokerkarten nicht gültig.

Hoher Militär fordert bessere Erholung

In den vergangenen Wochen war in den Medien von «Weichspül-RS» die Rede. Dies, weil Daniel Baumgartner, Chef Heer und Projektleiter Kommando Ausbildung der Armee, in der NZZ sagte, dass sich Rekruten während des Dienstes besser erholen können sollen. «Unsere Gesellschaft ist sich einen Dienstbetrieb von 6 bis 23 Uhr schlicht nicht mehr gewohnt.» Deshalb sollen mehr Freiräume geschaffen werden.

Ob künftige Rekruten bald Jokertage einziehen können, ist noch ungewiss. Die meisten von ihnen dürften sie von ihrer Schulzeit kennen. Immer mehr Kantone schaffen die gesetzlichen Grundlagen für Jokertage. Manchmal sind es halbe Tage, manchmal ganze Tage, welche die Schülerinnen und Schüler unbegründet dem Unterricht fernbleiben dürfen.

Zwischen 2009 und 2016 hat sich die Anzahl Kantone, welche Jokertage ins Gesetz geschrieben haben, von 9 auf 16 erhöht. Dies zeigt eine Übersicht der Erziehungsdirektorenkonferenz. In der Zentralschweiz kennen Luzern, Schwyz und Uri Jokertage. Die Schulträger sind aber frei, ob sie diese Möglichkeit überhaupt anbieten wollen.