Minder kämpft um jede Stimme

Der Vater der Ab­zockerinitiative warb am Montagabend in Luzern an einem Podium für sein Anliegen – und konnte auch viele Unternehmer überzeugen.

Barbara Inglin
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Thomas Minder begründet seine Argumente für die Abzockerinitiative. (Bild: Nadia Schärli/Neue LZ)

Thomas Minder begründet seine Argumente für die Abzockerinitiative. (Bild: Nadia Schärli/Neue LZ)

«Wir verlieren an Boden», sagt Thomas Minder, Schaffhauser Unternehmer und Ständerat, Vater der Abzockerinitative. Denn laut einer Umfrage des «Sonntagsblicks» wollen nur noch 54 Prozent der Bevölkerung für die Initiative stimmen. Bei früheren Umfragen lag die Zustimmungsrate jeweils noch bei rund 75 Prozent.

Umso mehr will sich Minder ins Zeug legen, um den knappen Vorsprung bis zur Abstimmung am 3. März zu halten. Dafür tingelt er zurzeit durch die Schweiz, jeden Abend hat er einen Auftritt. Gestern sprach er auf Einladung der Arbeitsgemeinschaft Wirtschaft und Gesellschaft des Kantons Luzern (AWG), des Wirtschaftsflügels der CVP, an einem Podium im Grand Casino Luzern.

Unmut ist gross

Unterstützung auf der Bühne erhielt Minder von Roland Vonarburg, Unternehmer und Zentralpräsident des Kantonalen Luzerner Gewerbeverbandes. Vonarburg hat laut eigenen Angaben selber zwei bis drei Bogen mit Unterschriften für die Initiative gesammelt und eingeschickt. Sein Engagement und die gestrige Stimmung unter den vielen AWG-Mitgliedern im Saal zeigt: Der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse, der den indirekten Gegenvorschlag aus dem Parlament unterstützt, vertritt längst nicht alle Unternehmer.

Mehr als einmal ernteten Minder und Vonarburg am gestrigen Podium spontanen Applaus. Die Reaktionen zeigen, der Unmut über die Abzockerei ist gross. Vor allem die Fälle Swissair und UBS, wo jeweils der Staat einspringen musste und trotzdem hohe Saläre bezahlt wurden, sind noch gut im Gedächtnis. Doch auch die übrige Bankenwelt bekam ihr Fett weg. Hohe Antritts- und Abgangsentschädigungen sorgen für Ärger. «Wenn Credit Suisse CEO Brady Dougan einen Blödsinn macht, nimmt er den nächsten Flieger und bekommt in den USA eine zweite Chance», so Minder – und platziert einen Seitenhieb an die Economiesuisse: «Der indirekte Gegenvorschlag trägt die Handschrift der Abzocker selber.» Vonarburg meinte mit Verweis auf die jüngsten Bankenskandale: «Als Minder die Initiative lanciert hat, wusste er noch nicht einmal, dass auch die Banken im Abstimmungskampf für die Initiative arbeiten.»

«Problem ist unbestritten»

Nicht einfach, da die Gegenposition zu vertreten. Der Zuger CVP-Nationalrat Gerhard Pfister und Werner Hug, Verwaltungsratspräsident der gleichnamigen Guetzlifirma und Vorstandsmitglied der Economiesuisse, wagten es trotzdem. Pfister versuchte es mit Verständnis für die Wut über Abzockerei. «Ich verstehe es, wenn das Volk solche Abzocker geteert und gefedert sehen will. Es gibt in den Chefetagen Typen, mit denen wollte ich auch kein Znacht essen.» Aber die Initiative von Minder gehe zu weit, sie schade der Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz. «Das Problem der Abzockerei ist unbestritten, aber die Initiative ist die falsche Therapie dafür. Das ist, als würde man einen Beinbruch mit einer Chemotherapie behandeln», meint Pfister.

Man müsse sich nicht wundern, wenn nach einer Annahme der Initiative «Perlen von Firmen» die Schweiz verliessen. Auch dafür gab es Applaus. Auch der Gegenvorschlag geniesst durchaus Sympathien im Publikum.

Werner Hug warnt mit Verweis auf die Initiative, welche die Aktionärsrechte stärken will: «Die Aktionäre sind nicht zwingend die Guten, Verwaltungsräte nicht alle Böse. Gerade Aktionäre denken häufig nur kurzfristig und ans eigene Portemonnaie.»

Knapp 300 Zuhörer im Saal

Das gestrige Podium hat knapp 300 Personen angelockt, darunter mehrere Luzerner Nationalräte. Es zeigt sich: Die Abzockerinitiative interessiert und mobilisiert, emotionale Argumente kommen an. Geht es um die Details und vor allem um die Unterscheidung zwischen Initiative und indirektem Gegenvorschlag, wird es aber schnell kompliziert. Allein die Minder-Initiative enthält 24 Forderungen. Diskutiert wurde gestern nur ein kleiner Teil davon.

Minder behauptet, seine Initiative sei «Tsunami-sicher» und schliesse für Abzocker jede Hintertür. Pfister hält dagegen, dass auch Minders Vorschlag nicht wasserdicht sei. Wie Werner Hug verweist er darauf, dass «Aktionäre vor allem an kurzfristigen Gewinnen interessiert sind, nicht am langfristigen Wohl einer Firma».

UBS-Aktie und Küng-Buch

Das Gegenteil dürfen er und die anderen Podiumsteilnehmer nun gleich selber unter Beweis stellen. Zum Dank für die Teilnahme erhielten die vier von Kurt Bischof im Namen der AWG eine UBS-Namensaktie. «Damit sie dort selber mitbestimmen können», wie Bischof mit einem Schmunzeln sagt. Als Gegengewicht sozusagen überreichte er den Teilnehmern ein Buch des Luzerner Theologen Hans Küng. Der Titel: «Anständig wirtschaften».