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MOBILITÄT: Steiniger Weg zum Roboterauto

Weniger Unfälle, mehr Kapazität auf den Strassen: Vollautomatisierten Fahrzeugen dürfte die Zukunft gehören. Doch die Hürden für die Massentauglichkeit sind hoch.
In Sitten ist seit Juni 2016 ein selbstfahrender Shuttlebus testweise in Betrieb. (Bild: Manuel Lopez/Keystone)

In Sitten ist seit Juni 2016 ein selbstfahrender Shuttlebus testweise in Betrieb. (Bild: Manuel Lopez/Keystone)

Dominik Weingartner

Experten sind sich einig: Die Mobilität soll künftig zu einem grossen Teil von automatisierten Fahrzeugen bestritten werden. Irgendwann werden uns sogar ausschliesslich Roboter durch die Gegend kutschieren. Was nach Science-Fiction klingt, ist heute bereits teilweise Realität – zumindest in geschlossenen Systemen. In Sitten, Zug oder Schaffhausen sind automatisierte Busse unterwegs oder zumindest geplant. Und in der Lausanner Metro und am Zürcher Flughafen sind Bahnen ohne Personal in Betrieb.

Die Städte sind es auch, die gestern eine vom Beratungsunternehmen EBS erarbeitete Studie präsentiert haben, die sich mit möglichen Anwendungen von automatisierten Fahrzeugen im Schweizer Alltag auseinandersetzt. Die Studie geht davon aus, dass es zu einer schrittweisen Einführung selbstfahrender Autos kommen wird. In einer ersten Phase soll es auf Autobahnen möglich sein, mit sogenannten hochautomatisierten Autos zu fahren, die nicht dauerhaft überwacht und gesteuert werden müssen. Später soll der Verkehr in Siedlungsräumen hinzukommen und in einem weiteren Schritt der Überlandverkehr. Das vollautomatisierte Fahren ohne Steuerung und Überwachung soll dann auch wiederum zuerst auf Autobahnen eingeführt werden.

Unfallfaktor Mensch

Die Studie macht bewusst keine Angaben über Zeiträume, sondern spricht von verschiedenen Phasen. Experten gehen von 20 bis 30 Jahren aus, bis vollautomatisierte Fahrzeuge sich durchgesetzt haben. «Wir sind der Meinung, dass es länger gehen könnte, als gemeinhin gedacht wird», sagte Fabienne Perret von EBS gestern bei der Präsentation. Der Grund: Auch wenn die Technik so weit wäre, so wird die Gesetzgebung der Entwicklung hinterherhinken. «Automatisierte Fahrzeuge werden während einer längeren Phase mehr können, als sie dürfen», heisst es in der Studie.

Stefan Siegrist, stellvertretender Direktor der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU), geht davon aus, dass bereits in fünf Jahren erste selbstfahrende Autos auf Autobahnen unterwegs sein werden, in zehn Jahren auch in Städten und anderen Bereichen. «Das ist eine sehr grosse Herausforderung», sagt Siegrist auf Anfrage. Er befürchtet, dass sich die Fahrer zu stark auf die Technik verlassen. Beim Umgang mit bereits existenten technischen Hilfsmitteln, wie dynamischen Abstandsassistenten, zeige sich, dass die «Fahrer beginnen, SMS zu lesen», so Siegrist. «Es dauert dann Sekunden, bis jemand wieder parat ist.» Eine Lösung sieht er darin, die Stufe der hochautomatisierten Fahrzeuge gänzlich zu überspringen und abzuwarten, bis vollautomatisierte Fahrzeuge serienreif seien. Denn davon verspricht man sich bei der BfU einiges: «Geschätzte 80 Prozent der Unfälle könnten so vermieden werden», glaubt Siegrist. Denn: «Die meisten Unfallursachen haben mit dem Menschen zu tun.»

Hier sieht auch Daniel Müller-Jentsch, der sich bei der liberalen Denkfabrik Avenir Suisse mit Verkehrspolitik auseinandersetzt, Vorteile der automatisierten Mobilität. «Zu schnelles Fahren, Alkohol am Steuer, falsche Überholmanöver: Solch menschliches Fehlverhalten kann man verhindern», sagt er.

Mehr Verkehr durch Automatisierung

Müller-Jentsch glaubt, dass die Zeit reif ist, um bald mit Feldversuchen zu beginnen. Doch bis die ganze Autoflotte in der Schweiz ausgetauscht sei, würden wohl noch Jahrzehnte vergehen. «Erst dann werden sich die vollen Vorteile einstellen.» So etwa eine Kapazitätserhöhung auf den Strassen, die durch verringerte Sicherheitsabstände auf den Strassen ermöglicht werde.
Doch in Sachen Kapazität kommt die Studie des Städteverbandes zu einem interessanten Schluss. Und zwar könnte sich durch vollautomatisierte Mobilität das Verkehrsaufkommen insgesamt sogar noch erhöhen. Denn in bestimmten Situationen könnte es attraktiver werden, das Auto zu benutzen, etwa wenn man dabei einen Film schauen kann. Auch könnte es dazu kommen, dass Leerfahrten zunehmen werden. Man könnte das Roboterauto zum Beispiel dazu benutzen, dass es jemanden selbstständig abholt.

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