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Monsterprozess um Luxusauto-Leasing: Anklage fordert vor Lenzburger Gericht sieben Jahre für Autohändler

Ein des Betrugs und andere Delikte beschuldigter Autohändler soll für sieben Jahre ins Gefängnis. Dies hat der Aargauer Staatsanwalt am Montag vor dem Bezirksgericht Lenzburg gefordert. Der Beschuldigte selbst weist jede Schuld von sich. Das Urteil wird voraussichtlich am 23. Januar eröffnet.
sda/Elisabeth Hausmann

Mit «unheimlicher krimineller Energie» habe der heute 47-Jährige skrupellos seine eigenen Interessen verfolgt, habe gelogen und betrogen, sagte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer. Er habe um jeden Preis als erfolgreicher Geschäftsmann gelten wollen. Mit enormer Flexibilität habe er sein Vorgehen stets den sich ändernden Gegebenheiten angepasst.

Anklage fordert sieben Jahre

Die Anklage wirft dem Schweizer gewerbsmässigen Betrug, Misswirtschaft, Urkundenfälschung, Veruntreuung und weitere Delikte vor. Er habe unter anderem seine Buchhaltung gefälscht, damit sie seinen Vorstellungen entsprach. Auch habe er Autos veruntreut oder sie mit gefälschten Dokumenten doppelt an die Leasingfirma verkauft. Die Deliktsumme beläuft sich auf rund 17 Millionen Franken.

Betrachte man die grosse Zahl der Delikte sowie das Verhalten des Beschuldigten während der Straftaten und in der Untersuchung, so sei eine Bestrafung mit sieben Jahren Freiheitsentzug angemessen.

Am Dienstag kommt der Rechtsvertreter der damaligen Leasingfirma zu Wort, mit der der Beschuldigte die Leasingverträge abschloss. Der Vertreter der Privatklägerin kündigte bereits an, er werde Schadenersatz in der Höhe von 12,6 Millionen Franken fordern.

Nach ihm folgt das Plädoyer des Verteidigers. Die Urteilseröffnung erfolgt voraussichtlich am 23. Januar, wie der Gerichtspräsident ankündigte.

Fass ohne Boden

Der gelernte Automechaniker hatte den Garagenbetrieb SAR Premium Cars in Dintikon AG aufgezogen. Dort bot er ab etwa 2007 Leasings von Luxusautos an. Die Leasing-Geschäfte machte er überwiegend mit der damaligen Fidis Finance (Suisse) AG, aber auch mit anderen Firmen. Separat aber schloss er mit den Kunden Zusatzvereinbarungen ab, die diesen überaus günstige Konditionen gewährten.

Dies führte anfangs zu einem schwunghaften Aufstieg, konnte aber längerfristig nicht rentieren, wie der Staatsanwalt feststellte. Die bei Rückgabe der Autos fällige Begleichung des Restwerts wurde zum Fluch für die SAR. Diese sei «ein Fass ohne Boden» gewesen. Nur mit stets neuen Kunden konnte der Beschuldigte die Liquidität aufrecht erhalten - bis 2011 alles zusammenbrach.

Die Untersuchung habe der Beschuldigte «mit Lügengeschichten und Nebelpetarden» erschwert. Er habe sich als Opfer böswilliger Manager und Banker dargestellt, sagte der Ankläger. Dabei habe er sich «komplett uneinsichtig» gezeigt und anderen die Schuld gegeben, die er selbst «aufs Übelste hintergangen hatte».

Keinerlei Schuldbewusstsein

Sich selber als Opfer hatte der Beschuldigte am Montagvormittag auch bei seiner Befragung vor Gericht dargestellt. Er sei sich keiner Schuld bewusst, liess er das Gericht wissen. Seiner Ansicht nach hatte er stets korrekt gehandelt, wurde aber von seinen Partnern sowie von den Behörden unfair behandelt. «Ich habe mich in keinem Punkt strafbar gemacht», sagte er.

Heute wohnt und arbeitet der Beschuldigte nach eigenen Angaben im Tessin, in einer Nutzfahrzeugfirma. Aber das jahrelange Strafverfahren habe ihn zerstört. Von den Medien sei er vorverurteilt worden. Seine Freunde hätten sich von ihm abgewandt, sein Vermögen habe er verloren. Die Scheidung von seiner Frau sei im Gange, erklärte der Beschuldigte.

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