MUSIK: Scaramouche, Scaramouche!

Der Sportreporter und Moderator Bernard Turnheer über Texte aus Liedern, die ihn nie mehr losgelassen haben.

Bernard Thurnheer
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Moderator Beni Turnheer. (Bild SF/Kurt Meier)

Moderator Beni Turnheer. (Bild SF/Kurt Meier)

Dieser Text wird möglicherweise nur von wenigen Leuten verstanden, von diesen aber umso mehr genossen werden, denn es geht um Lieder, Schlager, Hits, die man im Verlaufe des Lebens schon gehört hat (oder eben auch nicht), und deren Worte man aus irgend­einem Grund nie mehr vergessen hat, zum Beispiel, weil einen damals die vermeintlich grosse Liebe verliess.

Liebeskummer lohnt sich nicht, my Darling, schade um die Tränen in der Nacht. Liebeskummer lohnt sich nicht, my Darling, weil schon morgen dein Herz darüber lacht.

Wer nie von Schlagern berieselt wurde, bleibt von solchen Erwägungen und Assoziationen natürlich unberührt. Viele werden für dieses Beispiel auch zu jung sein, und diejenigen, denen diese Liedzeilen etwas sagen, sterben nach und nach ja auch immer mehr aus:

And another one gone, another one gone, another one bites the dust ...

Und wenn dann auch noch, wie in diesem Fall, die deutsche Sprache verlassen wird, vergrössert sich das Handicap und verkleinert sich das Ziel­publikum weiter. Immer noch besser so, als nur ein weisses Papier abzugeben.

Ä Schwan, so wiiss wie Schnee, vergässe, was isch gscheeh, jeeh ...

Mir ist allerdings völlig schleierhaft, wieso Texte, die für mich nicht den geringsten Sinn ergeben, trotzdem für immer einen Platz in meinen Hirnwindungen gefunden haben:

Über sieben Brücken musst du gehn, sieben dunkle Jahre überstehn, siebenmal wirst du die Asche sein, aber einmal auch der helle Schein.

Hä? Was für Brücken? Was sind dunkle Jahre? Und wie ums Himmels willen, kann ich denn «Asche sein»? Ich weiss schon, wie, aber das ist dann nicht für sieben Jahre, sondern für immer ... Seltsam, seltsam ...

Auch sinnloses Englisch ist nicht spurlos an mir vorüber­gegangen:

Scaramouche, Scaramouche, will you do the fandango? Thunderbolts and lightning, very very frightening me!

Ja, wirklich sehr erschreckend. Gleich werde ich deshalb einen Hauch weisser als blass respektive a whiter shade of pale ...

Ist noch jemand mitgekommen? Wenn nicht, folge ich damit nicht einer langen Tradition? Werden nicht viele Theater-, Kino- und Buchkritiken so geschrieben? Man bezieht sich auf ein wenig verbreitetes ganz spezielles Fachwissen, über das man selbst zufälligerweise verfügt, und gibt damit an, indem man einzelne Fragmente unauffällig fallen lässt. Der Leser soll nicht etwa das Stück ver­stehen, sondern den Kritiker bewundern. Wer soll das alles verstehen und entziffern?

It’s a long and winding road ...

Zum Schluss möchte ich doch wieder in die mehrheitsfähige deutsche Sprache wechseln:

Irgendwann ist richtig, irgendwann ist gut, nichts ist richtig wichtig, nach der Ebbe kommt die Flut.

Verstanden? Ich bin mir nicht so sicher, denn:

Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst.

Hat Sie diese Kolumne etwas ratlos zurückgelassen?

Mach es wie die Sonnenuhr, zähl die heiteren Verse nur!

Wobei mir bei diesem letzten Beispiel irgendwie die Melodie abhandengekommen ist.

PS: Die zitierten Hits wurden gesungen von Siw Malmquist, Queen, Gölä, Peter Maffay, nochmals Queen, Procol ­Harum, Beatles, Herbert Grönemeyer und Juliane Werding.

Bernard Thurnheer

Sportreporter und Moderator