Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Pro & Contra

Muss man einen Hornbeitrag in die Verfassung schreiben?

Sollen Landwirte, die ihre Tiere nicht enthornen, künftig finanziell unterstützt werden? Der Luzerner Grünen-Nationalrat Michael Töngi und der Luzerner CVP-Nationalrat Leo Müller sind sich bei dieser Frage uneins.

Pro

Michael Töngi, Nationalrat (Grüne / LU)

Michael Töngi, Nationalrat (Grüne / LU)

Kühe und Hörner: Das gehört für uns zusammen – oder haben Sie schon einmal eine Werbung mit hornlosen Kühen gesehen? Hörner sind durchblutet und von Nerven durchzogen. Sie sind wichtig für das Sozialverhalten der Tiere, für ihre Kommunikation untereinander, aber auch für die Hygiene. Doch die Realität in den Ställen sieht anders als in der Werbung aus: Immer mehr Kühe werden enthornt. Die Folgen des Enthornens haben weder Bundesrat noch Parlament interessiert: Es gebe keine Hinweise, dass die Tiere unter der Enthornung litten, wurde argumentiert und eine Studie lehnte der Bundesrat ab, um das Thema vertiefter zu diskutieren. Im Sommer – gerade nach der Parlamentsdebatte – wurde nun eine Untersuchung in der «Zentralschweiz am Sonntag» publik. Die Resultate geben zu denken: Viele Kälber leiden auch Monate nach der Enthornung unter einer erhöhten Schmerzempfindlichkeit. Sie empfinden schon bei leichter, normalerweise nicht schmerzhafter Berührung Schmerz und reagieren empfindlicher auf schmerzhafte Reize als nicht enthornte Artgenossen. Die Langzeitschmerzen von Kälbern dürfen uns nicht egal sein.

Wer sich für das Tierwohl einsetzen will, unterstützt Landwirte, wenn sie ihre Tiere nicht enthornen. Im Laufstall brauchen sie etwas mehr Platz und etwas mehr Betreuung. Genau hier setzt die Initiative an. Bereits heute verlangt die Bundesverfassung wirtschaftlich lohnende Anreize für eine besonders naturnahe, umwelt- und tierfreundliche Landwirtschaft. Neu wird festgehalten, dass auch die Haltung von Tieren mit Hörnern wirtschaftlich lohnenswert sein soll. Die Initiative fordert also nicht, dass alle Tiere Hörner tragen müssen. Dabei geht es um nur gerade etwa ein halbes Prozent des Landwirtschaftsbudgets des Bundes. Mit Anreizen die Haltung behornter Tiere zu fördern, ist ein milder Ansatz.

Leider hat das Parlament diesem Anliegen die kalte Schulter gezeigt und nicht einmal über einen Gegenvorschlag diskutieren wollen. Darum braucht es von uns jetzt eine Korrektur und ein Ja zur Hornkuh-Initiative.


Contra

Leo Müller Nationalrat (CVP/LU)

Leo Müller Nationalrat (CVP/LU)

Die Initianten der Hornkuh-Initiative wollen in die Verfassung schreiben, dass Halterinnen und Halter von Kühen, Zuchtstieren, Ziegen und Zuchtziegenböcken finanziell unterstützt werden, solange die ausgewachsenen Tiere Hörner tragen. Eine solche Regelung braucht es nicht, schon gar nicht in der Verfassung. Zwar tönt das Anliegen verlockend, aber es schafft mehrere Fehlanreize. Zudem braucht es – wenn überhaupt – für ein solches Anliegen keine Verfassungsbestimmung. Hätte dieses Anliegen eine breitere Unterstützung, wäre schon längst das Parlament aktiv geworden und hätte eine Änderung auf Gesetzesebene vorgenommen oder den Bundesrat aufgefordert, auf Verordnungsebene eine solche Regelung zu treffen. Dort würde das hingehören. Neben diesem formalen Argument gibt es mehrere stichhaltige sachliche Gründe, warum diese Initiative abzulehnen ist: Horntragende Kühe brauchen in den heute gewünschten Haltungsformen, das heisst in Laufställen, wesentlich mehr Platz als hornlose. Das erhöht die Produktionskosten. Schon heute muss sich die Landwirtschaft vorrechnen lassen, sie produziere viel zu teuer. Mit einer solchen Auflage würde die Produktion im Inland weiter verteuert.

Zudem wird das die Tierhalter motivieren, ihre Tiere wieder vermehrt in Anbindeställen zu halten und nicht auf tierfreundliche Laufställe umzustellen. Die Haltung horntragender Tiere in Anbindeställen verursacht nämlich kaum Mehrkosten. Das wäre ein unerwünschter Anreiz in die falsche Richtung. Ein weiteres Argument: Die Unfallgefahr einerseits unter den Tieren, aber auch gegenüber Menschen ist bei horntragenden Tieren erheblich grösser. Dies blenden die Initianten aus. Ich weiss: Die Frage, ob Tiere Hörner tragen sollen oder nicht, ist emotional. Festzuhalten ist: Enthornen heisst nicht, dass den Tieren die Hörner amputiert werden. Es werden bereits den Kälbern nach vorheriger Betäubung die Hornanlagen entfernt. Zudem gibt es bis heute keine verlässliche Studien, die aufzeigen würden, dass Tiere ohne Hörner leiden würden. Kurz und gut: Die Hornkuh-Initiative gehört abgelehnt.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.