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Nach Blochers Romandie-Bashing: Jetzt schlagen die welschen SVP-ler zurück

Der Alt-Bundesrat kritisierte seine Westschweizer Parteikollegen. Sie seien im Wahlkampf zu träge gewesen. Das sorgt ennet der Saane für Empörung - und erinnert an eine frühere Schelte Blochers, welche die Romands noch immer schmerzt.
Benjamin Weinmann aus Genf
Hat für ein politisches Gewitter in der Romandie gesorgt: Christoph Blocher. (Roland Schmid)

Hat für ein politisches Gewitter in der Romandie gesorgt: Christoph Blocher. (Roland Schmid)

Bei den Mitgliedern der SVP in der Romandie brodelt es. Grund dafür ist ein Interview des Partei-Doyens Christoph Blocher im Nachgang zur Schlappe der Rechtspartei bei den Eidgenössischen Wahlen. Im «Tages-Anzeiger» nannte der Alt-Bundesrat Sektionen, mit denen er zufrieden sei, wie das Tessin, Obwalden sowie die beiden Appenzell. «All diese Kantonalparteien haben eine ausserordentlich seriöse Arbeit mit Grosseinsatz geleistet.» Doch dann kommt’s: «Viele andere Sektionen waren zu träge.» Auf die Frage, welche er meine, stellt der 79-Jährige gleich eine ganze Region an den Pranger: «Betrüblich ist vor allem unser Abschneiden in der Westschweiz.» Das sei ein Problem, welches die Parteileitung prioritär angehen muss.

Diese Kritik hallt in der französischsprechenden Schweiz nach. In der heutigen «Tribune de Genève» hohlen gleich mehrere Westschweizer SVP-Vertreter zum Gegenschlag aus. Denn auf Französisch wird Blochers Kritik mit «paresseuses» übersetzt, was noch eine Stufe schlimmer klingt als träge. Faul sollen die Westschweizer Parteikollegen also sein.

Anonym wird ein SVPler zitiert, der deutlich macht, dass Blochers Schelte ennet der Saane nicht gut ankommt. Es sei leicht, die Romands zu kritisieren, wenn man doch wisse, dass sie in der Partei sowieso nichts zu sagen haben. Die Westschweizer SVP-Mitglieder würden bei der Politikgestaltung der Partei nicht zur Sprache kommen. Und ein anderer SVPler sagt, dass man intern glaube, den Westschweizer Kollegen sei das Vergnügen wichtiger und sie würden sowieso nie arbeiten.

Freysinger wehrt sich

Oskar Freysinger, der SVP-Wahlkampfleiter der Romandie, wehrt sich gegen Blochers Kritik: «Das nationale Ergebnis zeigt, dass wir in der Deutschschweiz nicht besser waren.» Von Faulheit könne keine Rede sein. Er sei überall gewesen, an zig Veranstaltungen. Wenn es einen Grund für die Niederlage gebe, dann die Klimadebatte, die alle anderen Themen überschattet habe, sagt der Walliser. Für ihn war nicht alles negativ. «Wir haben im Jura und Oberwallis Fortschritte gemacht.»

Für Kevin Grangier, dem einstigen Kampagnenchef der UDC - wie die SVP in der Romandie heisst - steht in erster Linie die oberste SVP-Führung in der Verantwortung: «Die SVP hat mit der Klimadebatte den gleichen Fehler begangen wie ihre Gegner früher mit der Einwanderungsthematik.» Die Partei habe das Problem, das viele Menschen bewege, zu lange geleugnet. Zudem seien die Westschweizer SVPler stark von der nationalen SVP abhängig. «Um sich durchzusetzen, sollte sich die französischsprachige SVP von Zürich lösen», sagt Grangier

Auch die Vizepräsidentin kontert

Céline Amaudruz, die Genfer Vizepräsidentin der Partei, spricht sich ebenfalls für eine Abweichung der strikten Parteilinie ab: «Es gibt die DNA der Partei, die nicht verändert werden darf, bei Themen wie der Sicherheit, der Souveränität und dem Nicht-Beitritt zur EU.» Ansonsten solle man aber seine Meinung verteidigen, auch wenn sich diese von jener in der Deutschschweiz unterscheide. Amaudruz ist dafür bekannt, bei Themen wie der Gleichstellung oder dem Vaterschaftsurlaub eine progressivere Haltung einzunehmen als die Parteizentrale. Sie glaube nicht, dass sie dies Wählerstimmen gekostet habe. Nach einer Niederlage müsse man sich aber immer Fragen stellen. «Ich bin bereit, dies in der Romandie zu tun.» Sie erwarte aber das Gleiche von den Kollegen in der Deutschschweiz. Man müsse nun Solidarität an den Tag legen und nicht mit dem Finger auf andere zeigen.

Die «Tribune de Genève» widmet auch den Frontkommentar dem Thema – und erinnert an alte Röstigraben-Wunden. Schon 2014 nach der Abstimmung über die Masseneinwanderungsinitiative habe der Alt-Bundesrat seine mangelnde Wertschätzung gegenüber der Romandie zum Ausdruck gebracht, als er sagte: «Die Welschen hatten immer ein schwächeres Bewusstsein für die Schweiz.» Ein anderer Dorn sitzt ebenfalls noch tief: Als «Weltwoche»-Verleger Roger Köppel die Romands auf der Titelseite seines Magazins als «die Griechen der Schweiz» bezeichnete. Dass Blocher nun die Westschweizer zum Sündenbock abstemple, sei nicht angebracht. Denn: «Die SVP verlor, weil ihre Strategie katastrophal war», schreibt der Redaktor der «Tribune de Genève». Diese sei in Zürich entwickelt worden. «Nicht in Genf.» Und Roger Köppels Kritik an der Klimahysterie habe alles andere als geholfen.

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