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Jetzt beginnt der nächste Streit: die Folgen des Volks-Neins für die Europapolitik

Kaum ist die Selbstbestimmungs-Initiative Geschichte, rückt das Rahmenabkommen in den Fokus. Nicht einmal über die Lehren aus dem Abstimmungssonntag sind sich die Parteien einig.
Fabian Fellmann

«Jetzt müssen wir den Drive mitnehmen», freut sich Beat Flach. Für den grünliberalen Nationalrat haben die Schweizer am Sonntag «ein klares Ja zu einer offenen und vernetzten Schweiz» eingelegt, als sie die Selbstbestimmungsinitiative (SBI) der SVP mit 66 Prozent Nein-Anteil ablehnten.

Dieses Resultat will der Grünliberale nutzen im europapolitischen Streit in dieser Woche. Diese steht ganz im Zeichen der Beziehungen zwischen der Schweiz und der EU: Am Dienstag wird eine Dreierdelegation des Bundesrats den Wirtschafts- und Gewerkschaftsvertretern das Resultat der Verhandlungen über ein Rahmenabkommen darlegen. Am Freitag wird der Bundesrat noch einmal das Abkommen diskutieren. Bisher ist er sehr gespalten, gestern wollten die Bundesräte nicht einmal kommentieren, welche Folgen das Nein zur Selbstbestimmungs-Initiative für das Rahmenabkommen hat. Es sieht derzeit nicht gut aus für dessen Befürworter, zu denen Flach sich zählt – obwohl der Aargauer in der Abfuhr für die Selbstbestimmungsinitiative ein positives Signal sieht, dass «der Inhalt nüchtern angeschaut wird».

Selbstbestimmungsinitiative

Hochrechnung von 13:30 Uhr

31% - 35%
VolkJa
~nein
Nein × 1 713 731
872 106 × Ja
0
10
20
30
40
50
60
70
80
90100
26/26 Kantone ausgezählt
letztes Update am 25.11.2018
sortieren
Aargau
38.0% Ja
nein
Appenzell A. Rh.
37.7% Ja
nein
Appenzell I. Rh.
34.0% Ja
nein
Basel-Landschaft
36.7% Ja
nein
Basel-Stadt
27.5% Ja
nein
Bern
34.5% Ja
nein
Fribourg
27.4% Ja
nein
Genf
24.7% Ja
nein
Glarus
44.5% Ja
nein
Graubünden
35.0% Ja
nein
Jura
24.5% Ja
nein
Luzern
33.1% Ja
nein
Neuenburg
22.6% Ja
nein
Nidwalden
39.9% Ja
nein
Obwalden
39.3% Ja
nein
Schaffhausen
43.0% Ja
nein
Schwyz
47.1% Ja
nein
Solothurn
35.0% Ja
nein
St. Gallen
39.1% Ja
nein
Tessin
46.1% Ja
nein
Thurgau
40.9% Ja
nein
Uri
42.5% Ja
nein
Waadt
23.4% Ja
nein
Wallis
32.4% Ja
nein
Zug
34.4% Ja
nein
Zürich
32.1% Ja
nein
Quelle:  Webseiten der Kantone

«Der schlechteste Zeitpunkt für ein Rahmenabkommen»

Doch die meisten möglichen Verbündeten bemühten sich gestern auffällig, den Ball flach zu halten. Der Basler SP-Nationalrat Beat Jans sagt: «Die Abstimmung stärkt die bilateralen Verträge. Dass sie auf das Rahmenabkommen einen Einfluss hat, wage ich zu bezweifeln.» SP-Fraktionschef Roger Nordmann findet gar: «Jetzt ist der schlechteste Zeitpunkt, um mit der EU ein Rahmenabkommen abzuschliessen.» Stein des Anstosses für die Genossen, die eigentlich eine geregelte Annäherung an die EU befürworten, sind Schweizer Konzessionen beim Lohnschutz. Unter anderem soll die Kautionspflicht für EU-Unternehmer eingeschränkt werden, ebenso die Lohnkontrollen, die Anmeldefrist würde von acht auf vier Tage halbiert.

Handschlag zum Abschluss (von links): Johann Schneider-Ammann, Simonetta Sommaruga und Alain Berset am Ende der Medienkonferenz in Bern. (Peter Klaunzer/Keystone, 25. November 2018)

Handschlag zum Abschluss (von links): Johann Schneider-Ammann, Simonetta Sommaruga und Alain Berset am Ende der Medienkonferenz in Bern. (Peter Klaunzer/Keystone, 25. November 2018)

Stattdessen könnte die Schweiz die Lohnschutzmassnahmen der EU übernehmen. Deren jüngste Reform ist aber politisch noch nicht fertigbehandelt und wird von Polen und Ungarn vor dem Europäischen Gerichtshof angefochten. Zudem sei entscheidend, wie die EU-Länder die Richtlinie umsetzten und der Gerichtshof entscheide. «Darum lehnen wir Konzessionen beim Lohnschutz ab», sagt SP-Nationalrat Nordmann. «Es hat keinen Sinn, einem Rahmenabkommen zuzustimmen, das in einer Volksabstimmung ohnehin durchfallen würde.» Vielleicht kläre sich die Situation in drei bis vier Jahren, dann habe das Rahmenabkommen möglicherweise eine Chance.

Die zwei SP-Bundesräte beurteilten die Lage bisher ähnlich – weshalb sie mit den zwei SVP-Bundesräten das Rahmenabkommen blockieren könnten. Deren Partei teilte gestern mit, sie werde das Rahmenabkommen weiter bekämpfen. Die SVP hält als Druckmittel die Begrenzungs-Initiative zur Kündigung der Personenfreizügigkeit in der Hinterhand. Auch in der CVP und selbst in der Partei von FDP-Aussenminister Ignazio Cassis ist die Skepsis gross. Aussenpolitiker Philipp Müller sagt: «Der Bundesrat ist beim Rahmenabkommen in der Sackgasse: Im Parlament hätte es schon Schwierigkeiten, im Volk ist es chancenlos.» Der Aargauer FDP-Ständerat fordert: «Wir müssen das Rahmenabkommen auf Eis legen, die Piesackereien der EU aushalten und warten, bis die Wahlen in der Schweiz und der EU sowie der Brexit vorbei sind.» Müller spielt damit auf mögliche Gegenmassnahmen der EU an. Sie könnte etwa der Schweizer Börse die Anerkennung verweigern.

Widerstand gegen die Zahlung des zweiten Kohäsionsbeitrags

Der Ständerat wird diese Woche möglicherweise weiteren Sand ins Getriebe streuen. Brüssel erwartet eine Kohäsionszahlung als Eintrittsticket für den EU-Markt. Eigentlich sollte die Kleine Kammer am Donnerstag über den Beitrag von 1,3 Milliarden Franken diskutieren. Allerdings ist es gut möglich, dass das Geschäft verschoben wird: Das Aussendepartement wünschte, der Ständerat solle es erst in der dritten Sessionswoche verhandeln. Eine Minderheit aus CVP-, FDP- und SVP-Aussenpolitikern verlangt nun gar, die Debatte auf unbestimmte Zeit zu vertagen. Zu ihnen gehört FDP-Ständerat Philipp Müller. «Wir befürworten die Kohäsionsmilliarde nur, wenn sich die Schweiz und die EU einander annähern und die EU die Schweiz nicht mehr diskriminiert», sagt er.

Um das Rahmenabkommen zu retten, wollen die Grünen, dass alle Schweizer Parteien mit ihren europäischen Schwesterparteien Verbesserungen für den Lohnschutz auf europäischer Ebene suchen. «Wir müssen neue Formen der Debatte finden, statt dass nur die Regierungen untereinander diskutieren», sagt Parteipräsidentin Regula Rytz. Im Februar wollen die Grünen den Anfang machen: Sie tragen in Zürich die Europakonferenz der europäischen Grünen aus.

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«Die SVP hat ein verhängnisvolles Eigentor geschossen» – unser Video-Kommentar zur Selbstbestimmungsinitiative

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