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NACHGEFRAGT: «Barack Obama wäre mir lieber gewesen»

Christa Markwalder, Sie haben einst gesagt, Donald Trump sei der chaotischste und unberechenbarste Präsident der US-Geschichte, freuen Sie sich überhaupt auf den Besuch?

Ich finde es gut, dass nach 18 Jahren ­wieder einmal ein US-Präsident in die Schweiz kommt. Das wertet nicht nur das Weltwirtschaftsforum auf, sondern ist auch eine Ehre für die Schweiz.

Hätten Sie nicht lieber Barack ­Obama in der Schweiz gehabt?

Wenn ich ehrlich bin: Doch, das wäre mir lieber gewesen. Auch ein Besuch der ersten amerikanischen Präsidentin Hillary Clinton hätte ich bevorzugt. Aber es ist nun mal so, wie es ist. Es geht aus Sicht der Schweiz auch weniger um die Person Trump, sondern um die Institution des amerikanischen Präsidenten, die ins Land kommt.

Ist es nicht absurd, dass ausgerechnet Trump als entschiedener Gegner des Freihandels ins globale Dorf nach Davos kommt?

Das mag widersprüchlich erscheinen, aber es ist nicht das erste Mal, dass Präsident Trump die Öffentlichkeit überrascht. Grundsätzlich ist es gut, dass er sich nicht nur in seiner eigenen Blase bewegt, sondern die Diskussion mit ­Andersdenkenden sucht.

Rechnen Sie damit, dass er der globalen Wirtschafts- und Politelite die Leviten liest?

Ich vertraue darauf, dass seine Heerscharen von Beratern und die Schweizer Botschaft eine gute Rede für ihn ­vorbereiten. Aber natürlich, Präsident Trump ist immer für eine Überraschung gut. Vielleicht kommt es ja auch zu einer positiven.

Die da wäre?

Wenn er zum Beispiel durchblicken liesse, dass der Freihandel auch gute Seiten hat. Oder wenn er die multilateralen ­Organisationen positiv bewerten würde. Uns fehlt derzeit eine starke amerikanische Stimme in der internationalen Zusammenarbeit.

Was glauben Sie, wieso kommt Trump überhaupt nach Davos, das wie kaum ein anderer Ort für die Globalisierung steht?

Es lockt ein grosser Auftritt. Ein so wichtiges und internationales Publikum wie am Weltwirtschaftsforum findet man selten auf der Welt. Davon kann auch Präsident Trump profitieren.

Könnte es Trump auch darum gehen, die US-Firmen, die heute in der Schweiz niedergelassen sind, zurück in die USA zu holen?

Das kann durchaus ein Beweggrund sein. Die vom Kongress beschlossenen Steuersenkungen sind sehr attraktiv für Firmen in den USA.

Wie gross ist das Risiko, dass der Schweiz Steuergelder entgehen?

Dieses Risiko ist sicherlich vorhanden. Andererseits haben viele US-Konzerne ihren europäischen Hauptsitz in der Schweiz angesiedelt. Wer in Europa präsent bleiben will, verlässt die Schweiz nicht Richtung USA. Die Schweiz bietet zudem nicht nur attraktive Steuern, sondern auch hochqualifizierte Arbeitnehmer, eine stabile Rechtsordnung sowie hohe Lebensqualität. Das darf uns allerdings nicht daran hindern, steuerlich attraktiv zu bleiben. Die aufgegleiste Unternehmenssteuerreform ist dringlich und muss im zweiten Anlauf gelingen.

Sie sind Präsidentin der parlamentarischen Gruppe Schweiz–USA, die sich in Davos jährlich mit einer US-Delegation trifft. Wer wird dieses Jahr dabei sein?

Bis jetzt sind rund 70 Anmeldungen eingegangen. Der grösste Teil davon sind Firmenvertreter der Schweizerisch-Amerikanischen Handelskammer, inklusive des Präsidenten und UBS-Chefs Sergio Ermotti. Auf Seiten der Parlamentarier werden elf Personen aus den USA und sechs aus der Schweiz erwartet.

Könnte es sein, dass auch Präsident Trump vorbeischaut?

Eingeladen ist er auf jeden Fall. Sehr wahrscheinlich ist es aber nicht, dass er kommt. Alleine schon deshalb, weil das Restaurant, in dem wir uns treffen, den Sicherheitsanforderungen eines US-Präsidenten nicht entspricht.

Wenn er käme, was würden Sie zu ihm sagen?

Ich würde als Erstes die guten bilateralen Beziehungen betonen, unsere Investitionstätigkeit sowie das Lehrstellenangebot von Schweizer Firmen in Amerika. Die Schweiz ist der sechstgrösste Investor im Land und stellt eine halbe Million hochqualifizierter Arbeitsplätze zur Verfügung. Wir sind auf ein funktionierendes Freihandelssystem angewiesen. Es ist deshalb wichtig, dass die USA an Bord bleiben. Gleichzeitig würde ich bedauern, wenn sich die USA aus dem Pariser Klimaabkommen und aus der Kulturorganisation Unesco zurückziehen würden.

Roger Braun

Hinweis

Christa Markwalder (42) ist langjährige Präsidentin der parlamentarischen Gruppe Schweiz–USA. Die Berner FDP-Nationalrätin nimmt dieses Jahr zum zehnten Mal am WEF teil.

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