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Nachhaltige Altersvorsorge sieht anders aus

Peter Grünenfelder Direktor Avenir Suisse zur Altersreform.
Peter Grünenfelder Direktor Avenir Suisse
Peter Grünenfelder Direktor Avenir Suisse. (Bild: Keystone)

Peter Grünenfelder Direktor Avenir Suisse. (Bild: Keystone)

Am letzten Tag der Frühjahrssession hat eine knappe Mehrheit der Eidgenössischen Räte der Altersvorlagereform 2020 zugestimmt. Besonders umstritten ist der Ausbau der AHV mit zusätzlichen 70 Franken pro Monat für alle Neurentnerinnen und -rentner. Dieser AHV-Ausbau wird im Jahr 2030 1,4 Milliarden Franken kosten. Zum Vergleich: Die Erhöhung des Frauenrentenalters um ein Jahr auf 65 Jahre wird im gleichen Jahr Einsparungen von 1,3 Milliarden Franken bringen. Der AHV-Ausgleichsfonds wird somit sukzessive ausgehöhlt.

Statt den Kostendruck zu reduzieren, erhöht er sich. Noch zu Beginn der Diskussion zur Altersvorlagereform vor fünf Jahren war das deklarierte Ziel, unser Vorsorgesystem auf ein stabiles finanzielles Fundament zu stellen. Dieses gerät aufgrund der demografischen Entwicklung zunehmend in Schieflage: Seit Einführung der AHV vor fast 70 Jahren ist die Lebenserwartung im Alter 65 um 50 Prozent gestiegen. Diese erfreuliche Entwicklung findet aber keine Anpassung im Finanzierungsmechanismus. Wir Schweizerinnen und Schweizer haben eine der weltweit höchsten Lebenserwartungen, zugleich werden wir früher pensioniert als in vielen anderen europäischen Ländern. So liegt die durchschnittliche Rentenbezugsdauer in der Schweiz bei 17,9 Jahren, bei unserem nördlichen Nachbarn Deutschland bei 13,9 Jahren.

Da die AHV durch das Umlageverfahren finanziert wird, werden die heute erhobenen AHV-Lohnbeiträge zur Auszahlung der laufenden AHV-Renten verwendet. Entscheidend ist daher das Verhältnis zwischen der Anzahl der im Erwerbsalter Aktiven und der Zahl der Rentnerinnen und Rentner. Kamen im Jahr 2015 auf einen Rentner noch durchschnittlich 3,5 Aktive, wird für das Jahr 2035 ein Verhältnis von 2,3 zu 1 prognostiziert. Bis ins Jahr 2030 wird ein Zuwachs von 670000 zusätzlichen Rentnerinnen und Rentnern erwartet, ein Anstieg von 45 Prozent gegenüber heute.

Reformbedarf ist also genügend vorhanden, um unsere Altersvorsorge finanziell nachhaltig abzusichern und der Bevölkerung ein Altern in Würde zu ermöglichen. Umso weniger ist der Ausbau der AHV nachvollziehbar. Im Zuge der Altersreformvorlage soll auch bei der zweiten Säule BVG der Mindestumwandlungssatz sukzessive gesenkt werden. Dieser ist der Prozentsatz des angesparten Kapitals, der den Pensionierten als Rente jährlich ausbezahlt wird. Eine Senkung ist aufgrund der gestiegenen Lebenserwartung und der sinkenden Kapitalmarktrenditen unumgänglich. Letztlich ist der Umwandlungssatz eine mathematische Grösse, die sich an diesen beiden Faktoren orientiert. In der Schweiz wird die Höhe des Umwandlungssatzes aber politisch entschieden. Da Modernisierungen der Sozialwerke eine politische Herausforderung darstellen, werden faire Übergangslösungen vorgesehen gegenüber jenen Personen, die kurz vor der Pensionierung stehen.

In der beruflichen Vorsorge werden bei Kassenreglement-Anpassungen üblicherweise Übergangsfristen von fünf bis sieben Jahren eingeplant. Mit der Reform 2020 hat das Parlament aber eine Übergangsgeneration von 20 Jahren für die Generation 45Plus geschaffen. 20-jährige Übergangsfristen sind vom Standpunkt der Generationengerechtigkeit aber höchst fraglich. Auch aus dieser Sicht ist der Ausbau der AHV nicht nachvollziehbar. Die 70 Franken pro Monat sind eine doppelte Kompensation, weil die Generation 45Plus bis 2038 keine Rentenkürzung in der zweiten Säule erhält, jedoch ab sofort von einer Erhöhung profitiert. Diese Kosten werden durch jüngere Arbeitnehmer getragen werden müssen. Die Solidarität zwischen den Generationen wird arg strapaziert.

Umso fragwürdiger ist, wenn die gleichen Kreise, die sich im Parlament noch vehement für den AHV-Ausbau eingesetzt haben, keine zwei Tage nach der Schlussabstimmung in den Sonntagsmedien verkünden, dieser «Reform» müsse zwingend eine weitere folgen, um unser Altersvorsorgesystem nachhaltig zu sichern. Doch aufgrund der Übergangsfrist von 20 Jahren werden künftige Reformen erschwert, wenn nicht gar blockiert, weil man kaum zwei Reformen parallel implementieren kann. Die Gefahr ist gross, dass bis zum Jahr 2038 Stillstand herrscht. Nachhaltige Politik zu Gunsten eines funktionierenden Zusammenspiels zwischen den Generationen sieht anders aus.

Peter Grünenfelder Direktor Avenir Suisse

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