Nachtclub-Betreiber wütend auf Bundesrat: «Es ist, als ob man ein Restaurant öffnen kann, aber kein Essen servieren darf»

Diskotheken müssen um Mitternacht schliessen. Das lohne sich nicht, sagen die Betreiber und warnen vor illegalen Partys.

Pascal Ritter
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Viele Nachtclubs werden am 6. Juni nicht öffnen, heisst es aus der Branche.

Viele Nachtclubs werden am 6. Juni nicht öffnen, heisst es aus der Branche.

Keystone

Früher nannte man sie Nachtclubs, heute nur noch Clubs. Das passt ab dem 6. Juni besonders gut, denn kaum hat die Nacht begonnen, müssen die Clubs schliessen. Um Mitternacht ist Polizeistunde. Zudem gilt eine Limite à 300 Personen. Pro Besucher müssen 4 Quadratmeter Fläche vorhanden sein.

Nun übt die Bar- und Clubkommission harsche Kritik an der Entscheidung des Bundesrates vom Mittwoch. Vom Tempo der Öffnung sei man überrascht worden. Auch weil es von Seiten des Bundes keine Kommunikation mit der Branche gegeben habe. Nach einer Analyse der Bedingungen, unter denen die Öffnung stattfindet, kommt die Kommission zum Schluss:

«Die meisten Clubs und Musik-Bars werden trotzdem weiterhin geschlossen sein.»

Der Grund dafür sei, dass die geltenden Abstandsregel von vier Quadratmetern pro Person, und die Einschränkung der Öffnungszeiten
solch gravierende Einschränkungen seien, dass diese nicht nur Wirtschaftlich, sondern auch inhaltlich nicht umgesetzt werden könnten.

Im Zentrum der Kritik steht vor allem die Polizeistunde um Mitternacht. Die Club-Kommission zieht einen Vergleich mit der Gastronomie:

«Das ist, als ob man ein Restaurant wieder öffnen kann, aber kein Essen servieren darf.»

Die Kommission beschreibt Clubs als sichere Orte (Safe Spaces), wo die Menschen, auch was Hygiene anbelangt, besser geschützt sind, als wenn sie sich auf der Strasse versammeln und Bier aus dem 24-Stunden-Shop trinken.

Durch die Auflagen des Bundes würde ein gesellschaftliches Bedürfnis in die Illegalität gedrängt und man nehme das Risiko in Kauf, dass Übertragungsketten nicht nachvollzogen werden könnten.

Clubbetreiber wollen mehr Nothilfe in der Krise

Die Clubbetreiber formulieren drei Hauptforderungen:

  • Keinen Zwang zur Wiederöffnung: Die Club-Mitarbeiter sollen weiterhin Anspruch auf Kurzarbeit haben. Zudem fordern sie weitere finanzielle Hilfe von Bund und Gemeinden.
  • Ein Gespräch zwischen dem Bund und der Schweizer Club-, Konzerthallen- und Festival-Branche, um Schutzmassnahmen und weitere Öffnungsschritte zu diskutieren.
  • Eine Rücknahme der Polizeistunde und der Auflage von 4 Quadratmetern pro Person.
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