Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Nächster Halt «McDonald’s»? Wo es Burger und Pommes im Fahrplan gibt

Haltestellen mit Firmennamen sind verboten, doch in der Stadt Zürich gibt es neu eine Tramstation «Kantonalbank». Warum ist das möglich? Ein Streifzug durch die Namenskunde des öffentlichen Verkehrs.
Sven Altermatt

Es gehört zu den Eigenheiten der Schweizer Politik, dass sie über ein feines Gespür für die Ästhetik des öffentlichen Raums verfügt. Davon zeugen nicht nur Signalisationsverordnungen, Vollzugsrichtlinien für Aussenwerbung und Wegleitungen zur Kennzeichnung eines Ladengeschäfts. Der Stadtzürcher Gemeinderat etwa beschäftigt sich derzeit mit dem Namen einer Tramhaltestelle. Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) hat ein Privileg, das in der Schweiz nur wenige Unternehmen geniessen: Seit kurzem ist eine Tramhaltestelle nach ihr benannt. Die Station vor ihrem Hauptsitz in der Stadt Zürich heisst jetzt «Kantonalbank» – und nicht mehr «Börsenstrasse».

Im solothurnischen Zuchwil wurde die Bushaltestelle «McDonald’s» 2017 unbenannt. Besonders unter lokalen Gewerblern regte sich Widerstand gegen die Namensgebung. (Bild: Hanspeter Bärtschi)

Im solothurnischen Zuchwil wurde die Bushaltestelle «McDonald’s» 2017 unbenannt. Besonders unter lokalen Gewerblern regte sich Widerstand gegen die Namensgebung. (Bild: Hanspeter Bärtschi)

Die Umbenennung diene der besseren Orientierung der Fahrgäste, heisst es bei den Verkehrsbetrieben Zürich. Das stimmt zweifellos. Allerdings dürfen Stationsnamen nicht werberisch sein. Oder wie es die NZZ leicht spöttelnd auf den Punkt gebracht hat: «Privates Gewinnstreben auf dem öffentlichen Liniennetz, das schickt sich nicht». Tatsächlich macht das Bundesrecht diesbezüglich klare Vorgaben. Die Verordnung über die geografischen Namen, kurz Geo-NV, enthält «Richtlinien zur Schreibweise von Stationsnamen».

Jede Namensgebung muss vom Bundesamt für Verkehr abgesegnet werden. Alles ist gutschweizerisch geregelt und normiert. So ist bereits in den Grundsätzen festgehalten, dass die Namen von Unternehmen nicht verwendet werden dürfen. Stationen müssen mit geografischen Bezeichnungen übereinstimmen; sie sollten also beispielsweise Flurnamen oder Strassenbezeichnungen beinhalten.

Stadtzürcher Gemeinderäte wollten von der ihrer Regierung deshalb wissen, warum denn nun plötzlich eine Station «Kantonalbank» heissen dürfe. Die Antwort: Ein juristischer Kniff macht es möglich. Sinnigerweise heisst die Station eben nicht «Zürcher Kantonalbank», sondern bloss «Kantonalbank». Der ZKB-Sitz wird damit quasi zu einem herausragenden, allgemein bekannten Symbol für das Kantonalbankenwesen. Dass die ZKB als Gesuchstellerin aufgetreten ist; dass sie den Austausch der Schilder bezahlt und insgesamt über 5000 Franken für die Umbenennung hingeblättert hat: offenbar nebensächlich.

Besitzstandswahrung gilt derweil für Stationen, die schon vor der Einführung der Geo-NV im Jahr 2008 nach Firmen getauft worden sind. So gibt es weiterhin Haltestellen wie «Muttenz, Novartis», «Dierikon, Migros», «Spreitenbach, Ikea» oder «Ewil, Maxon». Und in der Stadt Luzern trägt bereits seit längerem eine Haltestelle den Namen «Kantonalbank». Selbst der Fast-Food-Konzern McDonald’s, der wie kein anderes Unternehmen für die Globalisierung steht, geniesst ein wohl weltweit einmaliges Privileg: Im Kanton Solothurn gibt es Burger und Pommes im Fahrplan.

In der Stadt Grenchen trägt eine Bushaltestelle den Namen des Unternehmens. In den 1990er-Jahren errichtete der lokale Verkehrsbetrieb die Station «Grenchen, McDonald’s» vor dem örtlichen Restaurant. Der Burgerbrater übernahm damals einen grossen Teil der Kosten für neue Anzeigetafeln in Grenchen und sicherte sich damit attraktive Werbeflächen. Im solothurnischen Zuchwil allerdings wurde eine nach McDonald’s benannte Bushaltestellte im Jahr 2017 unbenannt. Besonders unter lokalen Gewerblern, die sich benachteiligt sahen, regte sich zusehends Widerstand gegen die Namensgebung. Die Rede war von einer «Fast-Food-Entfremdung des Fahrplans».

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.