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Nationalbank ohne Umweltbericht

Erstmals seit 2009 hat die Nationalbank dieses Jahr keinen Umweltbericht veröffentlicht. Derweil steigt der Druck auf die Währungshüter, ihre riesigen Devisenreserven klimaverträglich anzulegen.
Balz Bruppacher
Der Hauptsitz der Schweizerischen Nationalbank in Bern. (Bild: Gaetan Bally/Keystone (12. März 2018))

Der Hauptsitz der Schweizerischen Nationalbank in Bern. (Bild: Gaetan Bally/Keystone (12. März 2018))

Alle sprechen vom Klimawandel und vom Umweltschutz – nur die Schweizerische Nationalbank (SNB) nicht. Die Notenbank hat zwar seit über zwei Jahrzehnten eine Umweltfachstelle und die Nachhaltigkeit zählt laut ihrem Leitbild zu den Massstäben des Instituts. Erstmals seit 2009 legen die Währungshüter in diesem Jahr aber keine Rechenschaft über ihre Anstrengungen zur Schonung der Umwelt ab. Im vergangenen Frühling hatte die SNB in ihrem Geschäftsbericht angekündigt, den jährlichen Umweltbericht durch einen Nachhaltigkeitsbericht der betrieblichen Bereiche zu ersetzen. Dieser werde erstmals im Sommer 2018 veröffentlicht.

Doch daraus wurde nichts. «Für 2017 wird es keinen Umweltbericht geben», teilte die SNB auf Anfrage unserer Zeitung mit. Ein Umwelt- beziehungsweise Nachhaltigkeitsbericht werde in den Geschäftsbericht 2018 integriert werden. Darin würden zum Teil Zahlen aus 2017 und teilweise bereits solche aus 2018 enthalten sein. Schon jetzt steht fest, dass dieser Bericht, der im Frühling 2019 erscheinen wird, insofern unvollständig sein wird, als er nur betriebliche Aspekte beschlagen wird. Auf die Klimaverträglichkeit der Anlagepolitik der Nationalbank wird der Bericht hingegen nicht eingehen, wie SNB-Sprecher Walter Meier sagte.

100 Prozent Ökostrom, aber kein Wort zu Investitionen

Das war schon in den bisherigen Umweltberichten der Fall. So zeigte der letzte Umweltbericht zum Beispiel auf, welche Verbesserungen die Nationalbank beim Wärme- und Papierverbrauch sowie beim Abfallaufkommen im Jahr 2016 erzielt hatte. Als Beitrag zum Klimaschutz beziehe die SNB 100 Prozent Ökostrom, hiess es weiter. Seit 2011 kompensiert die Notenbank überdies Treibhausgas-Emissionen aus betrieblichen Aktivitäten, die sich nicht vermeiden lassen, durch den Kauf von Emissionsreduktionszertifikaten.

Kein Wort verliert die Nationalbank in bisherigen Umweltberichten hingegen zur Klimaverträglichkeit ihrer Devisenanlagen. Mit über 760 Milliarden Franken ist die SNB nach der jüngsten Statistik des Thinktanks OMFIF weltweit der siebentgrösste öffentliche Investor – ein Elefant unter den Investoren, wie sich SNB-Präsident Thomas Jordan einst ausdrückte. Auf internationale Verpflichtungen zur klimaverträglichen Ausrichtung der Finanzströme angesprochen, pflegt die Nationalbank auf die Ausnahmebestimmungen in ihrer Anlagepolitik zu verweisen. Darin heisst es, dass die SNB keine Aktien von Unternehmen erwirbt, die systematisch gravierende Umweltschäden verursachen.

Bundesrat setzt vorerst auf Freiwilligkeit

Zur konkreten Umsetzung macht die Nationalbank keine Angaben. Den vierteljährlich publizierten Listen der US-Börsenaufsicht SEC über die von der Nationalbank gehaltenen Aktien, die an den US-Börsen kotiert sind, ist zu entnehmen, dass der Umweltvorbehalt nicht für Investitionen in fossile Energien gilt. Die einzige Devestition aus Umweltgründen, die dem Vergleich der Listen zu entnehmen ist, betrifft den kanadischen Bergbaukonzern Barrick Gold. Auch dazu äusserte sich die Nationalbank aber nicht.

Mit dem Beitritt der Schweiz zum Pariser Klimaabkommen hat sich der Druck auf die Nationalbank verstärkt, die Klimaverträglichkeit bei ihren Devisenanlagen stärker zu berücksichtigen. Sie beteiligte sich aber weder an dem von den Bundesbehörden 2017 angebotenen Klimaverträglichkeitstest für Versicherungen und Pensionskassen. Noch macht sie an einem internationalen Netzwerk von Zentralbanken und Finanzmarktaufsichtsbehörden mit, das seit 2017 zu einem klimabezogenen Risikomanagement im Finanzsektor beitragen will.

Gesetzliche Verpflichtungen zur Klimaverträglichkeit für die Finanzmarktteilnehmer lehnt aber auch der Bundesrat ab. Die Ziele sollen in einem ersten Schritt durch freiwillige Massnahmen erreicht werden. Es sei auch nicht angezeigt, die gesetzlichen Grundlagen für die Anlagepolitik der SNB anzupassen. Genau dies will eine parlamentarische Initiative der Grünen Nationalrätin Adèle Thorens Goumaz (VD), die voraussichtlich nächste Woche in den Rat kommt.

Der Druck auf die Nationalbank wird aber anhalten. Die von über 70 Organisationen unterstütze Klima-Allianz Schweiz thematisiert an einer Veranstaltung vom nächsten Dienstag in Bern den Beitrag der Finanzinstitutionen zur Erreichung der Klimaziele. Die Nationalbank selber muss sich fragen, ob sie mit ihrer defensiven Informationspolitik nicht zur indirekten Wahlhelferin der Grünen wird.

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