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NATIONALFEIERTAG: Eine schwierige Beziehung

Alle Jahre wieder versuchen welsche 1.-August-Redner tapfer, die Kurve zum Rütli und dem Jahr 1291 zu kriegen. Mit 1848 hätten sie es einfacher.
Christophe Büchi
Der Bundesfeiertag wirft in der Romandie einige Fragen auf. Im Bild: Abendszene mit Jet d’eau, dem Wahrzeichen der Stadt Genf. (Bild: Keystone/Salvatore Di Nolfi)

Der Bundesfeiertag wirft in der Romandie einige Fragen auf. Im Bild: Abendszene mit Jet d’eau, dem Wahrzeichen der Stadt Genf. (Bild: Keystone/Salvatore Di Nolfi)

Christophe Büchi

Der Schweizer Nationalfeiertag wird auch in den meisten Gemeinden der französischen Schweiz mit Feuers- und Inbrunst begangen. Schon seit Wochen wachsen allenthalben Holzbeigen himmelaufwärts, um am Premier Août von der lokalen Feuerwehr entflammt zu werden. Und wie in den anderen Landesteilen werden auch in der Romandie am 1. August grosse Mengen von Feuerwerk abgeknallt und verpulvert, zur grossen Freude der fernöstlichen Exportindustrie.

Bundesbrief auf Französisch

Man darf sich also auch dieses Jahr auf ein schönes Fest gefasst machen. Doch Feuer, Feuerwerk und Lampions sind nicht das Einzige, was an welschen 1.-August-Feiern die Aufmerksamkeit verdient. Denn es ist jedes Jahr immer wieder schön zu sehen, wie sich welsche Gemeindepräsidenten nicht ohne Pathos bemühen, einem leicht zerstreuten Publikum den Bundesbrief von August 1291 in französischer Fassung in extenso vorzulesen. Aber noch schöner ist es, danach den welschen Rednern zuzuhören, denen die Aufgabe obliegt, den Bogen zum Rütlischwur 1291 zu spannen. Es ist nämlich gar nicht so einfach und erfordert im Gegenteil einiges dialektisches Geschick, den Romands klarzumachen, weshalb sie auf die Vorgänge, die im August 1291 auf der Rütliwiese stattgefunden haben sollen, stolz sein sollten.

Was interessiert das die Romands?

Einmal ganz abgesehen von der seit Jahrhunderten heiss diskutierten Frage, was sich an der Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert am Vierwaldstättersee abgespielt hat: Selbst wenn man die eidgenössische Gründungsgeschichte im Grossen und Ganzen akzeptiert, kann man sich fragen, was die Romands damit zu tun haben. Denn das Herauswachsen einer Eidgenossenschaft entlang der Gotthard-Achse interessierte das welsche Gebiet nur in geringem Mass. Und wenn es die Romandie anging, dann eher im negativen Sinn. Denn das damals savoyische Welschland profitierte vom Waren- und Personenverkehr über den Grossen Sankt-Bernhard, eine Alpentransversale, die vom Gotthardpass direkt konkurrenziert wurde.

Romandie kam spät hinzu

Lange Zeit blieb die Eidgenossenschaft eine Veranstaltung der Gotthard-Schweiz. Erst nach dem Bundesbeitritt Berns in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts begann die Eidgenossenschaft, ihre Interessensphäre sachte Richtung Westen auszudehnen. Mit dem Beitritt des zweisprachigen Freiburgs 1481 wurde die Schweiz dann ein bisschen welsch. Doch erst ab 1798, mit der Helvetischen Republik, oder seit der Gründung des Bundesstaates 1848 kann von einer eigentlichen mehrsprachigen Schweiz gesprochen werden. 1291 kann also kaum als wichtiges Datum der welschen Geschichte betrachtet werden. Und dies gilt natürlich nicht nur für die Romandie, sondern auch für einen Grossteil der übrigen Schweiz. Und deshalb sollte sich unser Land eigentlich einen anderen Nationalfeiertag geben, einen Festtag, der möglichst alle Landesteile einschliesst und die nationale Einheit symbolisiert.

Auch Quatorze Juillet ist umstritten

Nun kann man natürlich einwenden, dass es kaum möglich ist, einen Festtag zu finden, der allen passt. Die Schwierigkeit, einen Nationalfeiertag zu bestimmen, der nicht einen Teil der Nation auf der Seite lässt, haben ja auch andere Länder – beispielsweise Deutschland und sogar Frankreich, von dem man zu Unrecht annimmt, dass es die nationale Einheit früher und dauerhafter als andere Länder zu Stande gebracht hat. Der berühmte Quatorze Juillet (14.Juli), der an die Erstürmung der Bastille 1789 erinnert, wird von einem Teil jener Franzosen, die bis heute die Französische Revolution als Katastrophe betrachten, bis heute boykottiert. Dass ein Attentäter den diesjährigen Quatorze Juillet benützte, um in Nizza ein Blutbad anzurichten, hat ihn vollends besudelt.

12. September 1848 für alle

Zurück zur Schweiz: Wenn die Romands am 1. August durchaus ihre Freude haben und Traditionen ja vor allem deswegen geschätzt werden, weil sie nun mal Traditionen sind, kann man sich dennoch die Frage stellen, ob unser Land nicht besser die Gründung des Schweizer Bundesstaates 1848 feiern sollte. Erstens, weil er die Entstehung der modernen und demokratischen Schweiz markiert. Zweitens aber auch, weil die Eidgenossenschaft erst damals zu einem wirklich mehrsprachigen Land geworden ist, in dem vier Sprachgruppen mehr oder weniger gleichberechtigt zusammenleben.

Sicher, dem Bundesstaat ging ein kleiner Schweizer «Sezessionskrieg», der Sonderbundskrieg, voraus, bei dem die liberalen Tagsatzungskantone den katholisch-konservativen «Sonderbund» besiegten. 1848 markiert somit den Triumph der liberal-freisinnigen über die katholisch-konservativen Schweiz. Doch sollte man nicht vergessen, dass danach die Sieger bei der Ausarbeitung der Bundesverfassung den Unterlegenen grosse Konzessionen machten (Föderalismus, Ständerat, usw). Insofern könnte der 12. September 1848, an dem die Bundesverfassung in Kraft trat, durchaus auch von jenem Teil des Landes, der damals auf der Verliererseite war, als Feiertag betrachtet werden.

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