Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

NATIONALRAT: Kampfansage an den Lärm im Saal

Der höchste Schweizer, Dominique de Buman, lässt den Krach im Nationalratssaal messen, um Gegenmassnahmen ergreifen zu können. Denn am Tagungsort der Volksvertreter herrscht ein Geräuschpegel wie an einer stark befahrenen Strasse.
Eva Novak
Es ist zuweilen ein Kommen und Gehen im Nationalratssaal. Das ist nichts für lärmempfindliche Menschen. (Bild: Peter Schneider/Keystone (Bern, 29. November 2017))

Es ist zuweilen ein Kommen und Gehen im Nationalratssaal. Das ist nichts für lärmempfindliche Menschen. (Bild: Peter Schneider/Keystone (Bern, 29. November 2017))

Eva Novak

Besuchen Schüler und Schülerinnen das Bundeshaus, staunen sie jeweils, um wie viel lauter und undisziplinierter es da zugeht als im Klassenzimmer. Da wird geschwatzt, telefoniert, mit Zeitungen geraschelt oder auf dem Laptop rumgehackt. Erwachsene Besucher belassen es nicht beim Staunen: «Der Lärm löst mit Abstand am meisten Reklamationen aus, die von aussen an den Nationalratspräsidenten herangetragen werden», sagt Jürg Stahl (SVP, Zürich), der bis Ende November auf dem Präsidentenstuhl sass. Fast täglich kämen deswegen Briefe oder Mails.

Stahls Nachfolger, Dominique de Buman, hat jetzt dem Geräuschpegel den Kampf angesagt. In einem ersten Schritt lässt er eine Diagnose des Problems erstellen. Zu diesem Zweck hat der aktuell höchste Schweizer als eine seiner ersten Amtshandlungen ein Dezibel-Messgerät neben dem Präsidentenpult aufstellen lassen, wie Mark Stucki, Kommunikationschef der Parlamentsdienste, bestätigt. Nach Abschluss der Session Ende der kommenden Woche soll eine einfache, nicht wissenschaftliche Wertung vorgenommen werden.

Nationalratsbüro soll Massnahmen treffen

Für de Buman steht bereits ausser Zweifel, dass der Lärm für die 200 Nationalräte und Nationalrätinnen ein kollektives Problem darstellt: «Alle leiden darunter, wenn auch nicht zur gleichen Zeit», sagte er unserer Zeitung. Das Messgerät zeige manchmal mehr als 72 Dezibel an, «c’est terrible», schrecklich sei das. Und als Präsident könne er auch nicht den ganzen Tag lang das Glöckchen läuten, sonst erziele er damit keine Wirkung mehr.

Wie will der Freiburger Jurist, auf dessen Initiative die Gratis-Plastiksäcke von den Schweizer Supermarktkassen verbannt wurden, das Problem lösen? De Buman will sich nicht in die Karten blicken lassen. Er habe schon ein paar Vorstellungen, sagt er nur, und dass er diese zuerst im Nationalratsbüro diskutieren wolle.

Eine solche Diskussion hat das Nationalratsbüro allerdings bereits vor sieben Jahren geführt. Präsidentin war damals die Aargauer Sozialdemokratin Pascale Bruderer – was insofern wohl kein Zufall ist, als Frauen ebenso wie französischsprachige Präsidenten generell mehr Mühe bekunden, für Ruhe im Saal zu sorgen. Sie müssen deswegen öfters um Ruhe bitten oder zur Glocke greifen. Bis heute unvergessen bleiben die ebenso resoluten wie häufigen Interventionen der Tessiner Christdemokratin Chiara Simoneschi-Cortesi von vor zehn Jahren.

Zwei Jahre später liess Bruderer das Problem wissenschaftlich analysieren. Ein Bieler Umweltbüro stellte am Nachmittag des 10. März 2010 sechs geeichte Schallpegelmessgeräte an verschiedenen Standorten im Nationalratssaal und auf der Zuschauertribüne auf. Das Resultat klang alarmierend: Der ermittelte Gesamtpegel von rund 69 Dezibel wurde in der Untersuchung als «sehr hoch» eingestuft. «Die Konzentration kann bei solchen Geräuschen nicht über längere Zeit aufrechterhalten bleiben», befanden die Verfasser der Studie. Einen vergleichbaren Lärmpegel verursache beispielsweise eine Hauptstrasse innerorts mit 10 000 Fahrzeugen pro Tag. «Bei einem solchen Pegel müssten in einem Wohngebiet zum Schutze der Anwohner Schallschutzfenster eingebaut werden», lautete das Fazit. Auch am Arbeitsplatz müssten gemäss Arbeitsgesetz bei einer solchen Lärmbelastung Massnahmen zur Reduktion ergriffen werden.

Von Massnahmen zum Schutze der Nationalratsmitglieder wollte das Büro 2010 allerdings nichts wissen. Es lehnte Bruderers Vorschlag, Laptops und Zeitungen aus dem Saal zu verbannen und Diskussionen in grösseren Gruppen zu verbieten, als zu einschränkend ab.

Auch bauliche Massnahmen wie eine neue Beschallungsanlage und ein schallschluckender Teppich haben bisher wenig ­gebracht. In einem denkmal­geschützten Raum wie dem Nationalratssaal seien der Lärmreduktion Grenzen gesetzt, argumentieren die Parlamentsdienste.

Ein Trost zumindest bleibt den Volksvertreterinnen und Volksvertretern: Bleibende Schäden an ihrem Gehör brauchen sie gemäss dem Fachmann nicht zu befürchten. «Ein Lärmpegel von rund 70 Dezibel mag zwar nerven. Gesundheitlich aber ist er absolut unbedenklich», versichert Christian Bigler vom Hörgerätehersteller Sonova.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.