Viola Amherd will neue Kampfjets – und setzt dafür auf die Frauen

Die Verteidigungsministerin lanciert den Abstimmungskampf für neue Kampfflugzeuge – mit geschickter PR und mit der Hilfe einer 29-jährigen Pilotin.

Lucien Fluri
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Sie weibeln für neue Kampfjets: Verteidigungsministerin Viola Amherd, Pilotin Fanny Chollet, Armeechef Thomas Süssli (l.) und Rüstungschef Martin Sonderegger auf dem Weg zur Pressekonferenz (Bern, 26. Juni 2020).

Sie weibeln für neue Kampfjets: Verteidigungsministerin Viola Amherd, Pilotin Fanny Chollet, Armeechef Thomas Süssli (l.) und Rüstungschef Martin Sonderegger auf dem Weg zur Pressekonferenz (Bern, 26. Juni 2020).

Peter Klaunzer/Keystone

Verteidigungsministerin Viola Amherd hat gerade eine neue Geheimwaffe gefunden, um den Schweizerinnen und Schweizern die neuen, sechs Milliarden Franken teuren Kampfjets schmackhaft zu machen: Hauptmann Fanny Chollet. Die erste und bisher einzige Kampfjetpilotin der Schweiz ist jung, sympathisch und motiviert. Sie soll der helfen, die Frauen von einem Ja zu überzeugen, die 2014 den Gripenkauf scheitern liessen.

Viola Amherd und Kampfjetpilotin Fanny Chollet im Videointerview:

Auch am Freitag sass die 29-jährige Offizierin neben der CVP-Bundesrätin, als diese in Bern den Abstimmungskampf für die Flugzeuge lancierte. Abgestimmt wird am 27. September. Die Schweiz müsse ihren Luftraum «mit eigenen Mitteln und Ressourcen unabhängig schützen», betonte Amherd. Dies anderen Ländern zu überlassen, wie ihr in Bürgerbriefen vorgeschlagen werde, sei nicht mit der Neutralität zu vereinbaren. Auch müsse die Schweiz luftpolizeilich intervenieren können, wenn sich ein Flugzeug nicht an die Regeln halte. Dazu sei die heutige Flotte je länger je weniger geeignet. Die Tiger seien beschafft worden, als das erste Mobiltelefon 28 Kilogramm schwer gewesen sei. Die F/A 18 seien hinzugekommen, als das Nokia-Handy in Mode war.

«Wie soll ein Flugzeug aus dieser Zeit noch genügend zukunftstauglich sein?»,

fragte Amherd. «Heute haben wir Smartphones.» Sie wolle keine Maximallösung. «Ich will, dass wir mit dem Steuergeld haushälterisch umgehen.» 60 Prozent des Kaufpreises wird mittels Gegengeschäften zu Schweizer Firmen zurückfliessen. Welches Flugzeug die Schweiz kaufen will, ist noch nicht klar. Der Entscheid wird erst nach der Abstimmung gefällt. Das Flugzeug mit dem besten Kosten-Nutzen-Verhältnis solle ausgewählt werden, so Amherd. Produkte aus Frankreich, Deutschland und den USA sind noch im Rennen. Armeechef Thomas Süssli betonte, man habe jetzt noch genug Zeit, um neue Jets zu beschaffen. Während eines Konflikts aber könne man Jets nicht so rasch kaufen wie Schutzmasken.

Kritik von der SP: Die Frau ist "lediglich Werbeträgerin"

Dass Amherd ein PR-Profi ist, wurde nicht nur klar, als die erste Verteidigungsministerin der Schweiz mit der ersten Kampfjetpilotin auftrat. Der Auftritt war orchestriert: Bereits am Morgen hatte Armeechef Süssli in den Tamedia-Zeitungen angekündigt, dass die Armee bis 2030 einen Frauenanteil von zehn Prozent anstrebe. Tatsächlich dürfte dies mehr PR sein als ein realistisches Ziel: Heute liegt der Frauenanteil in der Armee bei 0,8 Prozent. Trotzdem konnte Amherd mit ihrer Kampagne schon diese Woche einen kleinen Sieg feiern: Als Nationalrätin Priska Seiler Graf im "Blick" kritisierte, dass Kampfjetpilotin Chollet «lediglich als sympathische Werbeträgerin» herhalten müsse, prasselte die Kritik auf die SP-Politikerin: Ausgerechnet eine linke Politikerin werte eine hoch qualifizierte Frau ab, so der Tenor. 1:0 für Amherd. Vorerst.